EuroSkills 2021

Startschuss für berufliche Spitzenleistungen

Berufseuropameisterschaften
22.09.2021

Von: Redaktion Handwerk + Bau
Aktualisiert am 23.09.2021

Donnerstag Früh startete die Berufs-EM in Graz. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur rund 400 junge Fachkräfte, sondern auch diverse digitale Technologien, die schon bei rund zwei Drittel der 56 Berufe im Einsatz sind. Österreich ist mit dem bis dato größten Team Austria vertreten.

Erstes Zusammentreffen der Teilnehmer*innen bei der "Welcome Reception" am 20. September 2021.

Die bislang größte internationale Delegation hat sich in den letzten Tagen in Graz für die Berufseuropameisterschaft EuroSkills 2021 eingefunden. Die ersten Teilnehmer*innen kamen bereits vergangenen Samstag, am Sonntag ist unter anderem die russische, die größte aller 22 Delegationen, mit 48 Teilnehmern und 72 akkreditierten Journalisten in der Steiermark angekommen. Seit Dienstag ist das europäische Teilnehmerfeld komplett: Rund 250 Fachkräfte und Teammitglieder aus Frankreich, Belgien, Deutschland, Kasachstan, Luxemburg, Estland und der Schweiz sind am Nachmittag am Flughafen Graz gelandet.

Insgesamt werden mehr als 400 Jugendliche aus rund 22 Ländern dabei sein, um in 48 Berufen ihr Können zu beweisen. Das Team Austria, mit 54 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus neun Bundesländern, ist das größte heimische Team, das jemals zu EuroSkills entsandt wurde. Die heimischen Fachkräfte sind in 45 Berufen auf Medaillen-Jagd. Dank intensiver Wettbewerbsvorbereitungen stehen die Chancen gut, an die Erfolge der letzten EuroSkills vor drei Jahren in Budapest, wo das Team Austria 21 Medaillen eroberte, anzuschließen.

Der Grazer Uhrturm strahlt mit

Großer Auftritt zu Falcos legendärem Song "Amadeus": Die österreichischen Teilnehmer der EuroSkills 2021 bei der Flaggenparade.

Donnerstag Früh hat das europäische Kräftemessen um die heißbegehrten EM-Medaillen begonnen: Um 08.30 Uhr fiel mit dem Öffnen der Tore der Startschuss. Die offizielle Eröffnung fand am Abend vorher im Kongresszentrum Messe Congress Graz statt, inklusive Livestram auf steiermark.orf.at. Mit einer Flaggenparade zu selbstgewählten Pop- und Rockhymnen zogen die internationalen Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die Bühne ein – das 54-köpfige österreichische Team wählte für seinen großen Auftritt die Klänge von Falcos legendärem „Amadeus“. Jenem Song, mit die österreichische Delegation bei der letzten EM in Budapest 2018 die offizielle EuroSkills-Fahne übernahm.

Im Anschluss sendete Bundespräsident Alexander Van der Bellen eine Video-Grußbotschaft. Für die Willkommensrede wurde EU-Kommissionsmitglied Nicolas Schmitt aus Brüssel zugeschaltet, WKÖ-Präsident Harald Mahrer hieß die Teilnehmer willkommen und Dita Traidas, Präsidentin von WorldSkills Europe, betonte in ihrer Eröffnungsrede die Wichtigkeit der Fachkräfte: „Gut ausgebildete Fachkräfte sind das Rückgrat der Gesellschaft und unserer Wirtschaft. Den Young Professionals in ganz Europa gehört die Zukunft“. Moderiert wurde die „Opening Ceremony“ von Karoline Rath-Zobernig und Lukas Schweighofer, bekannt aus der TV-Sendung „Guten Morgen Österreich“.

Als Willkommenszeichen leuchtete der Grazer Uhrturm, das Wahrzeichen der Mur-Metropole, in den Farben Blau, Rot und Weiß den offiziellen Farben der Berufs-EM. "Österreich, die Steiermark und ganz besonders das Schwarzl- Freizeitzentrum in Premstätten bei Graz avancieren von Donnerstag bis Samstag zum internationalen Hotspot der beruflichen Exzellenz. Die Besten der Besten rittern hier um Gold, Silber und Bronze. Die Vorfreude auf die insgesamt 48 Wettbewerbe ist kaum in Worte zu fassen. Wir sind perfekt vorbereitet, haben alle organisatorischen Hausübungen erledigt und werden den jungen Menschen eine großartige, international beachtete Bühne bieten“, erklärt EuroSkills 2021-Aufsichtsratvorsitzender Josef Herk.

Top in modernen Technologien

Neben den jungen Fachkräften stehen auch verschiedene digitale Technologien im Mittelpunkt. Laut einer aktuellen Erhebung von World Skills International werden diese bereits von rund zwei Drittel der 56 internationalen Skills-Berufe genutzt. In manchen Bereichen beträgt der Digitalisierungsgrad sogar nahezu hundert Prozent. Bei den Wettkämpfen ist daher neben der beruflichen Kompetenz auch Erfahrung, Nervenstärke und zunehmend die digitale Kompetenz entscheidend.

"Unsere Fachkräfte von morgen beweisen im Rahmen der Berufseuropameisterschaften, dass sie über eine Top-Ausbildung im klassischen Handwerk genauso wie im Umgang mit modernen Technologien verfügen", betont Herk. Auch für Stefan Praschl, Vizepräsident von World Skills Europe, beweist die Erhebung, "dass digitale Tools auch in der dualen Ausbildung unverzichtbar geworden sind, um den heutigen Anforderungen zu entsprechen."

Digitalisierungsboom bei der Lehre

Selbst in traditionellen Handwerksberufen wie bei den Tischlern oder im Bau hält die Digitalisierung immer stärker Einzug. So wurde etwa bei den Tischlern mit dem Lehrberuf Tischlereitechnik (mit den Zweigen Planung und Produktion) ein völlig neues zusätzliches Berufsbild geschaffen: Arbeitsaufträge werden digital erfasst und geplant, auch die Vorfertigung erfolgt über programmierte CNC-Fräsmaschinen. Modernste digitale Präzisionswerkzeuge haben hier längst das Bild der klassischen Hobelmaschine abgelöst.

Auch der Baubereich erlebt einen veritablen Digitalisierungsboom: Digitale Modellierungen wie das Building Information Modeling haben sich etabliert. Um mit den modernen Tools arbeiten zu können, werden Baulehrlinge seit kurzem mit Tablets ausgestattet. Erst kürzlich wurden zudem die Weichen für den Lehrberuf des "digitalen Fertigungstechnikers" gestellt – ein digitalorientiertes Zusatzmodul für angehende Metalltechniker und Mechatroniker. (ar)