IFB-Symposium 2022

Theorie und Praxis zur Gebäudehülle der Zukunft

Institut für Flachdachbau und Bauwerksabdichtung
19.10.2022

Von: Redaktion Dach Wand
Die steigenden Anforderungen an Gebäudeabdichtung und Fassadenbau waren Schwerpunkt des umfassenden Praxis- und Theorieprogramms des IFB-Symposiums 2022, das am 12. und 13. Oktober in der Bauakademie Salzburg stattfand.
Flachdach- und Fassadenbau in Theorie und Praxis standen im Mittelpunkt des IFB-Syposiums 2022 in der Bauakademie Salzburg.

Rund 120 Teilnehmer*innen, ein großer Teil davon Handwerker*innen, die sowohl Fassaden als auch Abdichtungen ausführen, verfolgten mit großem Interesse die technischen Themen des IFB-Symposiums 2022, das erstmals vom Institut für Flachdachbau und Bauwerksabdichtung gemeinsam mit dem Österreichischen Fachverband für hinterlüftete Fassaden (ÖFHF) veranstaltet wurde. Die zahlreichen Schnittstellen auf den Baustellen – von der Planung bis zur Ausführung – waren Inhalt des Praxis- und Theorieprogramms der zweitägigen Veranstaltung in der Bauakademie Salzburg.

Künftige Anforderungen an Material und Ausführung

So zeigte Arch. BM DI Helmut Schober eindrucksvoll, wie die Klimaprognosen bis zum Jahr 2050 aussehen und welche Auswirkungen das veränderte Klima auf die Projektplanung hat. So könnten Gebäude mit schwellenfreien Türübergängen bei zunehmenden Hochwasserereignissen ein hohes Risiko darstellen. DI Dr. Peter Maydl hatte intensiv recherchiert und erörterte die zukünftige Komplexität für Verarbeiter*innen, Baustoffe auszuwählen, die einerseits ökologisch vertretbar und andererseits für eine lange Nutzungsdauer geeignet sind. Auf den informativen und sehr offenen Beitrag von Werner Kopp von Ursa gab es viele Reaktionen, da die Entsorgung von Mineralwolle viele Unternehmer*innen betrifft.

Die Vorteile von hinterlüfteten Fassaden

DI Miroslav Pavelka, Vorstand des ÖFHF, erklärte die Vorteile von hinterlüfteten Fassaden gegenüber WDVS-Systemen als sommerlicher Überhitzungsschutz. Ing. Michael Strasser gewährte Einblicke in die Ergebnisse eines aktuellen Forschungsprojekts, das die positiven Eigenschaften einer hinterlüfteten Fassade in Bezug auf Schallreduktion bestätigte. Ing. Werner Linhart informierte in seinem plakativ aufbereiteten Vortrag zum Einbau von Fassadenbahnen als Schutz der Dämmschicht und stellte fest, dass Windsperren in hinterlüftete Fassaden nicht zwangsweise notwendig sind. DI Dieter Werner, Leiter des Bauphysiklabors der Prüf-, Inspektions- und Zertifizierungsstelle Magistratsabteilung 39, zeigte spektakuläre Brandversuche und informierte sehr detailliert wie Brandschutz bei hinterlüfteten Fassaden herzustellen ist.

DI Miroslav Pavelka, Vorstand des ÖFHF, erklärte die Vorteile von hinterlüfteten Fassaden gegenüber WDVS-Systemen als sommerlicher Überhitzungsschutz.
DI Miroslav Pavelka, Vorstand des ÖFHF, erklärte die Vorteile von hinterlüfteten Fassaden gegenüber WDVS-Systemen als sommerlicher Überhitzungsschutz.

Handwerkstechnik live erleben

Im Praxisteil am Nachmittag wurde die Schnittstelle Flachdach/hinterlüftete Fassade an einem Modell live bearbeitet. Sämtliche Arbeitsschritte wurden dabei von Expert*innen moderiert. Großer Dank gilt den Firmen Coverit (Flachdach) und Schmidhofer (Fassade) für die Zurverfügungstellung der Materialien. Für die handwerkliche Verarbeitung standen Ausführungsprofis österreichischer Dachdecker-, Spengler- und Bauwerksabdichtungs- sowie Fassadenbauunternehmen zur Verfügung. Dazu gehörten der erfahrene Dachdecker und Spengler Hermann Buchmeier, der ruhig und besonnen perfekte Ausführungen zeigte. Außerdem Herr Karl, einer der ältesten Spengler und Dachdecker der Firma Strasser, sowie Lehrling Fabian, der erst seit einem Monat den Doppelberuf bei der Dachdeckerei und Spenglerei Strasser erlernt und schon toll mitgearbeitet hat.
"Es waren tolle Leistung der Handwerker, denen der Respekt aller Zuseher*innen sicher war. Eine besonders hohe Wissensvermittlung, da Theorie und Praxis vereint wurden", zieht Veranstalter Wolfgang Hubner vom IFB ein positives Resümee dieses wichtigen Teils des Symposiums.

Die Handwerksprofis im praktischen Programmteil der Veranstaltung zeigten Verarbeitungsdetails. Experten moderierten alle Arbeitsschritte und beantworteten Fragen.
Die Handwerksprofis im praktischen Programmteil der Veranstaltung zeigten wichtige Verarbeitungsdetails an der Schnittstelle Fassade/Flachdach. Experten moderierten alle Arbeitsschritte und beantworteten Fragen.

Luftdichtheit am Flachdach

Am zweiten Veranstaltungstag, dem 13. Oktober, wurde der innovative Prototyp einer Lernplattform vorgestellt, die gerade in einem Erasmus-Forschungsprojekt, an dem auch das IFB mitarbeitet, entwickelt wird. Außerdem zeigte DI Hanns-Christoph Zebe das weite Betrachtungsfeld des Begriffs Nachhaltigkeit auf. Im Rahmen der Umweltauflagen werden auch Emissionen und Auswaschungen aus Fassaden und Dachbaustoffen untersucht. Feuchtemonitoring ist hier ein wichtiger Schritt zur verlängerten Nachhaltigkeit.
DI Johann Spiessberger vom Institut für Bauphysik, Bautechnik und Schallschutz stellte verblüffende physikalische Eigenschaften von Luftströmungen in Rohrsystemen dar, die im Zuge seiner Forschungsarbeit bei der Unterlüftung von Dachsystemen wesentliche Fortschritte gebracht haben. DI Benjamin Zauner zeigte eindrucksvoll, wie Luftundichtheiten Holzkonstruktionen innerhalb kürzester Zeit zum Kompostieren bringen und stellte Lösungen für Luftdichtheit im Flachdach aus Sicht der Bauphysik vor, die sich bewährt haben.
Wolfgang Hubner schloss das IFB-Symposium 2022 mit praktischen Themen zu An- und Abschlüssen ab. Er kündigte auch schon das nächste IFB-Symposium an, das eintägig Ende April 2023 in der Bauakademie Übelbach stattfinden wird. Die Schwerpunkte werden auf Feuchtraumabdichtung, feuchtetoleranten Flachdächern, Dichtheitsmonitoring, der Risikoklassifizierung von Dächern in der Planung, Praxis u. v. m liegen.
(bt)

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