Messewesen

Budget lieber in Nachwuchs investieren?

Wichtiger Showroom oder Gigantismus? Beim zweiten „SHK DonnersTALK“ auf Clubhouse zur Bedeutung von Branchenfachmessen kam es unter den Gästen zu harten Kontroversen.

24.02.2021
Fachmesse
Redaktion Gebäudeinstallation
© GettyImages

Seit kurzem bieten Knut Maria Siebrasse, Chefredakteur des Branchendienstes „SHK Tacheles“ und Christian Klobucsar, Chefredakteur des Fachmagazins GEBÄUDE INSTALLATION einen regelmäßigen Branchentalk auf dem Socialmedia-Portal Clubhouse. Zuletzt ging es um die Frage nach der künftigen Daseinsberechtigung von Großveranstaltungen wie der Weltleitmesse ISH. Dazu wurden federführende Vertreter der beteiligten Seiten in den Ring geholt. Entsprechend nahm das Thema ab Minute eins ordentlich Fahrt auf und wurde erstaunlich emotional diskutiert. (cr)

Wortreiche Gesprächspartner

Die beiden Moderatoren haben bei der Einladung ihrer namhaften Gäste bewusst auf Konfrontation gesetzt: Entsprechend kontrovers verlief dann auch der Wortwechsel zwischen Jens Wischmann (Geschäftsführer VDS und in seiner Funktion Mitträger der ISH), Kristijan Cacic (SHK-Meister und Influencer im Handwerk) und Rudi Rieder (Seniorchef eines der bekanntesten Installationsunternehmen in Österreich). Dabei zeigte sich einmal mehr, dass es in der Wertschöpfungskette der Branche einen immer lauter werdenden Ruf nach Schulterschluss gibt.

Nachdem seit knapp einem Jahr keine Messe mehr in analoger Tradition stattfinden kann, besteht Redebedarf. Zumal auch die nahe Zukunft keine Rückkehr zur bis dato praktizierten Leistungsschau vorsieht und der digitale Notbehelf vor allem das Handwerk immer weiter abzuhängen droht. Als Sprachrohr der Innung hatte Kristijan Cacic deshalb auch eine klare Meinung zu großen Messen wie der ISH: „statt dieses Wettrüstens der Industrie wäre es besser, man würde die Millionenbeträge für die fünf Tage in die Nachwuchsförderung investieren.“ Ein ordentliches Product Placement lieferten schließlich heute schon das Internet und die sozialen Medien, so Cacic. Daraus bediente sich längst informell das Handwerk, das sich vom Branchenüberbau trotzdem immer noch als „Flaschenhals beschimpfen“ lassen müsse.

Volksfestcharakter von Messen?

Damit lag der Ball wie ein Sprengsatz vor den Füßen von Jens Wischmann, der als Mitträger der ISH die Gegenseite vertrat: Die Branche sei viel weiter als viele noch meinen, man habe schon vor Jahren die Diskussion um ein zeitgemäßes Format angeregt. Gerade auch um nicht nur die High-Performance-Betriebe, sondern auch die Handwerker verstärkt anzusprechen, meinte der VDS-Geschäftsführer. Dass sich internationale Schauplätze wie die ISH bis zur Corona-Zäsur dem erklärten Ziel aber noch nicht wirklich überzeugend genähert haben, ließ in der Runde Unmut aufkommen. Und noch mehr Redebedarf. Auf die Frage nach dem einstmaligen Volksfestcharakter von Messen und ihrer Entwicklung bis zum Shutdown brachte es Rudi Rieder auf den Punkt: Diese Großveranstaltungen hätten heutzutage vor allem Eventcharakter statt dass hier noch Waren ausgestellt würden und Verkauf stattfände. Für Letzteres fehle einfach der Nutzen. Messen seien vielmehr zu einem Ort geworden, so Rieder, wo man alte Geschäftspartner wiedertrifft und neue Kontakte knüpft. Bestätigung von Wischmann: Messen seien in erster Linie Diskussionsplattformen und Inspiration für das marktrelevante Neue wie Green Deal, Hygiene und Renovation.

Schluss-Statement kam von WeBuild-Chef Schneider

Ansätze in Richtung eines Konsenses zeichneten sich zum Schluss ab. Indem sich alle Diskutanten darin einig waren, dass der soziale Kontakt bei der künftigen Ausrichtung nicht hoch genug gehängt werden kann, die Nachwuchsförderung mehr Fokus braucht und das Handwerk überzeugender ins Boot muss. Fazit nach 40 Minuten Schlagabtausch: Spätestens seit Corona wird der Gigantismus der Messen einem neuen Leitbild weichen. Der Wurm muss dem Fisch schmecken. In dieser gemeinschaftlichen Überzeugung kamen die Seiten wieder zusammen. Das letzte Statement gehörte Robert Schneider, Geschäftsführer der WEBUILD Energiesparmesse Wels, der die Bedeutung der Messen vor allem auch in der Generierung von Leads sieht. Bei der Entwicklung dieser Foren hätte man schon seit über zehn Jahren die Vision eines Gegenentwurfs mit zeitgemäßem Mehrwert im Auge. 

(Text: Stefanie Luy)

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