Wiener Innungstagung: ein ereignisreiches Jahr

Innungstagung
27.10.2016

Der Rückblick auf die Kollektivverhandlungen, ein Plädoyer für die betriebliche Ausbildung und die Vorschau auf den Bundeslehrlingswettbewerb 2017 waren zentrale Themen der Innungstagung der Wiener Tischler und Holzgestalter.

Die Wiener Innungstagung der Tischler und Holzgestalter fand heuer im Festsaal der Berufsschule Holz, Klang, Farbe und Lacke statt.

Das Team der Wiener Landesinnung: GF Georg Lintner, Katharina Dutschmann, Susanne Paradeiser, LIM Johann Burgstaller.

LIM Johann Burgstaller und die Wiener Spartenobfrau Maria Smodics-Neumann – im Bild mit Maria-Theresia Bretschneider – ehrten Unternehmer, die seit vielen Jahren kontinuierlich Lehrlinge ausbilden.

Nach einer informativen Führung durch die Berufsschule Holz, Klang, Farbe und Lacke mit BS-Direktor Christoph Hrabe eröffnete LIM KommR. Johann Burgstaller die Wiener Fachgruppentagung 2016, die vor rund 90 Gästen im eindrucksvollen Schul-Festsaal stattfand.

In seinem Rückblick berichtete Burgstaller über die konstruktiven Ergebnisse der Kollektivvertragsverhandlungen: „Die Umwandlung der alten Störzulage in eine den heutigen Anforderungen gerechte und trotzdem steuerschonende Taggeldregelung ist durchaus ein Erfolg.“ Der begünstigte Stadttarif und die Fünf-Stundenregelung blieben als Vorteil für die Wiener Betriebe weiterhin erhalten.

Im Rahmen der neuen Lohnordnung wurden einige Ungerechtigkeit beseitigt: Durch die Schaffung einer Gruppe für Facharbeiter mit Lehrabschlussprüfung werden diese nun höher bezahlt als Mitarbeiter ohne LAP, die die gleich Schulbesuchsdauer vorweisen können. „Ein großer Wurf ist uns in Sachen flexible Arbeitszeiten gelungen“, führte Burgstaller weiter aus. Nunmehr besteht die Möglichkeit, „kurz-lang“ zu arbeiten. Das heißt, dass zum Beispiel in einer Woche nur 35 Stunden und während der darauffolgende 45 Stunden gearbeitet werden dürfen – und zwar, ohne dass in der langen Woche Überstunden zu bezahlen sind.

News aus der Bundesinnung

Aus der Bundesinnung berichtete Burgstaller über die geplante neue Werbelinie, durch die die Tischler moderner auftreten und gezielt Schwerpunkte bewerben wollen. Über Details werde man Anfang 2017 informieren. Ein „großer Brocken“ für die Zukunft ist für den IM die weitere Vereinfachung von Normfit, der Lizenzvergabe für die CE-Kennzeichnung von Fenstern für Tischler.

In Sachen geplanter Liberalisierung der Gewerbeordnung bekräftigte auch der Wiener Innungsmeister: „Eine Entrümpelung ist zu begrüßen, allerdings kann das Tischlerhandwerk kein freies Gewerbe werden. Ohne eine fundierte Ausbildung ist es unmöglich, die gewohnt hohe Qualität zu garantieren.“

Neue Sprechstunde

„Die heiße Überprüfungsphase durch Arbeits- und Gewerbeinspektorat haben wir fürs Erste überstanden“, erklärte IM Stv. Ludwig Weichinger-Hieden. Aus der intensiven Beratungstätigkeit während der letzten beiden Jahre ist eine Informationssammlung entstanden, die ab sofort allen Mitgliedern während einer Sprechstunde der Technischen Beratung – jeden Dienstag in der Innung – zur Verfügung steht. Ist weitere Unterstützung vor Ort gefragt, sind Betriebsbesuche auf Anfrage jederzeit möglich.

Ein Appell für die duale Ausbildung

Einen großen Teil seines Berichts widmete Burgstaller einem persönlichen „Herzens-Thema“: Der dualen Ausbildung. Die Situation werde immer dramatischer, seit 2010 sei die Zahl der Lehrlinge nochmals um 40 Prozent gesunken. Daher wiederholte der Innungsmeister seinen Appell, trotz der nicht immer einfachen Situation selbst auszubilden, denn nur so „sichern wir unseren eigenen Mitarbeiterstand.“ Durch die geringe Zahl der Lehrlinge in Betrieben sei auch der Blockunterricht als zusätzliches Angebot zum Jahresunterricht in der Berufsschule gefährdet.

Im Anschluss stellte dann LIM Stv. Martin Pöll das neue Konzept für die sinnvolle Weiterverwendung der Lehrabschlussstücke vor: Was mit Nistkästen für die Vogelschutzorganisation Birdlife begann, findet ab 2017 in einer Kooperation mit der Caritas seine Fortsetzung. Die Prüfungs-Möbel werden gespendet und z. B. als Nachttische in verschiedenen Einrichtungen verwendet.

Toller Event für Jugendliche

Nach neun Jahren ist wieder Wien an der Reihe, den Bundeslehrlingswettbewerb der Tischler zu organisieren. Dieser wird am 23. und 24. Juni 2017 stattfinden, die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Ort und Programm werden in Kürze präsentiert, eines ist allerdings jetzt schon fix: „Der Bewerb wird die Lehrlinge und deren Können in den Mittelpunkt stellen. Und das werden wir aktiv vor einer großen Öffentlichkeit präsentieren“, so Burgstaller.

Nach dem Bericht von Innungsgeschäftsführer Mag. Georg Lintner, einer Fragerunde und der Vorstellung der Jungmeisterinnen und -meister folgte im Sinne des Schwerpunktes Ausbildung eine Premiere: Die Ehrung von Betrieben, die sich seit vielen Jahren der Lehrlingsausbildung verschrieben haben.

Bevor die Tagungsteilnehmer zum Abendbuffet gebeten wurden, brachte der Zauberkünstler Christian Christian die Zuseher mit seinen Tricks und Pointen zum Staunen. Tatkräftig unterstützt wurde er dabei u.a. von LIM Stv. Martin Pöll, der als „Magic Martin“ den Grundstein für eine zweite Karriere legte.

Branchen
Tischler