Bohrtechnik

Von Spezialbohrer bis Allrounder

Metallbearbeitung
20.10.2019

Aktualisiert am 01.01.2021

Bei Bohrarbeiten bestehen je nach Umständen verschiedene Anforderungen. Das Sortiment der Bohrwerkzeug-Hersteller für die Metallbearbeitung reicht daher von Wendeschneidplatten-, über Vollhartmetallbohrer bis hin zu digitalen Lösungen.

Zum Bohren ins Volle stehen Vollhartmetall-, HSS- oder Wendeschneidplattenbohrer zur Verfügung. Entweder als Standardlösung oder man konstruiert und entwickelt mit einem Hersteller sein eigenes anwendungsspezifisches Sonderbohrwerkzeug: Zum Beispiel für Mikrobohrungen mit kleinen, mittleren Durchmessern bis hin zu großen Durchmessern und sehr tiefen Bohrungen. Bearbeiten kann man praktisch alle Werkstoffe, angefangen vom "klassischen" Stahl bis hin zu hochfesten, höherlegierten Werkstoffen, Gusswerkstoffen, Superlegierungen, Titan oder Aluminium.

Digitales Bohren per Software

Die Digitalisierung ist bei den Werkzeugherstellern schon lange angekommen: Neben der "Hardware" sorgen softwarebasierte Tool-Management-Systeme für eine übersichtliche digitale Verwaltung der Werkzeuge. Und mit Apps kann man am Smartphone oder Tablet die optimalen Bearbeitungsparameter für die Bohrungen berechnen, Werkzeuge auswählen und teilweise auch CNC-Programme generieren.

Vollbohren in der CNC-Metallbearbeitung

Nachfolgend findet sich ein Überblick über aktuelle Bohrwerkzeuge zum Vollbohren in der CNC-Metallbearbeitung. Praktisch alle Anbieter haben informative Webseiten mit detaillierten Werkzeugdaten, Praxistipps und teilweise auch konkreten Bearbeitungsbeispielen.

Der Werkzeughersteller Arno nennt seine universell einsetzbaren "Haifisch"-scharfen Hochleistungsbohrer "Shark-Drill", das sind Schneidplattenbohrer mit einer zähen PVD-Mehrlagenbeschichtung für 9,5 bis 114 mm Durchmesser. Mit zwölf Varianten und drei Geometrien kann man maximal 32xD oder 290 bis 939 mm tief bohren, in sämtliche Gusswerkstoffe, NE-Metalle, Titan- und Titanlegierungen und natürlich Stahl, teilweise auch rostfrei.

Intelligent gelöst hat Boehlerit die Dreh-Bohrbearbeitung mit dem "Quattrotec"-Werkzeug. Und hilft damit den Anwendern, bei einem noch viel breiteren Werkstoffbereich Kosten zu sparen. Wie funktioniert das im Detail? Die vier Bearbeitungsoperationen Bohren ins Volle, Innenausdrehen, Plandrehen und Längsdrehen können durch das spezielle Design des Trägerkörpers vibrationsarm und mit nur einem Werkzeug durchgeführt werden.

Hochleistungsbohrer für verschiedenste Werkstoffe

Aus dem Hause Ceratizit kommen die Marken Komet und WNT. Der Wendeplattenbohrer "KUB 100", für Hochleistungsbohrungen in Stahl, rostfreien Stahl und Gusswerkstoffe. Große, asymmetrisch angeordnete Spankanäle sorgen für optimale Spanabfuhr. Die extreme Steifigkeit erlaubt die Aufnahme hoher Querkräfte. Das Besondere: Der KUB 100 wird mit nur einer Sorte in nur einer Wendeschneidplatten-Geometrie bestückt. Behauptet wird eine 30 Prozent höhere Standzeit gegenüber herkömmlichen Wendeplattenbohrern.

Von WNT kommt der Vollhartmetall-Hochleistungsbohrer "WTX-Ti". Dabei vertragen die Schneiden durch ihre hohe Warmhärte und thermische Beständigkeit die starke Beanspruchung bei der Titanbearbeitung. Neben Titan können auch Inconel, austenitische und martensitische Edelstähle sowie Hastelloy gebohrt werden.

Die Spiralbohrer "EF-Drill Modular" von Emuge Franken sind durch verschiedene Schaftformen flexibel einsetzbar, haben austauschbare Schneidköpfe, die Durchmesser von 14 bis 32 mm bohren können. Und zwar in Stahl- und Gusswerkstoffe, in nichtrostende Stahlwerkstoffe und Aluminium-Gusslegierungen.

Gühring hat einen sehr stabilen Bohrer für rostfreie Stähle, Gusseisen, Sonderlegierungen und gehärtete Stähle entwickelt. Extrem hart, absolut bruchfest soll der Hartmetallbohrer RT 100 XF sein. Der Hersteller schafft durch die spezielle Kombination aus Wolframcarbid und Kobalt die Gratwanderung zwischen Härte und Zähigkeit. Das spezielle Gefüge dieses Verbundschneidstoffes besitzt sogar einen Nachschärfeeffekt. Große Ausbrüche, die den Verschleiß am Werkzeug beschleunigen, finden nicht mehr statt. Die Beschichtung nanoFire zeichnet sich durch hohe Härte sowie gute thermochemische Beständigkeit aus.
Die Hoffmann Group präsentiert den neuen Gewindebohrer "Garant Master Tap Inox", der speziell für die Hochleistungszerspanung von Edelstahl entwickelt wurde und auch in Duplex und hochlegierten Edelstählen prozesssicher und präzise Gewinde schneidet. Für die Arbeit in hochlegierten Edelstählen hat man die Schneidkanten steigungsabhängig verrundet, Ausbrüche an den Schneidkanten werden dadurch vermieden und eine gleichmäßige Abnutzung gewährleistet. Eine ultraharte und reibungsarme TiAIN-Multilayer-Gleitschicht schützt den Bohrer vor extremer Prozesshitze und vorzeitigem Verschleiß.

Kleine Wechselkopfbohrer und dreifache Standzeiten

Bei der Hannoveraner Metallbearbeitungsmesse EMO zeigte Iscar zwei Bohrer: Das dreischneidige Wechselkopfbohrsystem "Logiq 3 Cham". Im Vergleich zu konventionellen Bohrwerkzeugen mit zwei Schneiden sollen hier um bis zu 100 Prozent höhere Vorschubwerte möglich sein. Iscar spricht "vom kleinsten Wechselkopfbohrer der Welt", wenn vom Sumo Cham die Rede ist. Den gibt es für Durchmesser von 4 bis 6 mm. Die Bohrwechselköpfe sind aus einer Titanaluminiumnitrid (TiAlN) PVD-beschichteten Nano-Schneidstoffsorte hergestellt und spielen ihre Stärken bei allen Stahlund Gusswerkstoffen aus. Sie sind besonders verschleißfest und ermöglichen lange Standzeiten.

Speziell für schwierige Vollbohrungen, etwa bei Querbohrungen oder schrägem Bohrungseintritt, hat Mapal den "Tritan-Drill", einen dreischneidigen Bohrer, entwickelt. Im Vergleich zu zweischneidigen Stufenbohrern können damit mehr Bohrungen gemacht sowie deutlich höhere Vorschubwerte realisiert werden, bei gleichzeitigen höheren Standzeiten. Die vier neuen Mitglieder dieser Bohrerfamilie wurden hinsichtlich der Werkzeuggeometrie weiterentwickelt und bearbeiten Stähle, Aluminium, rostfreie Legierungen und Gusswerkstoffe. Eine verschleißfestere Beschichtung erhöht die Standzeit laut Hersteller bis um das Dreifache. Als Standard ist ein Durchmesserbereich von 4 bis 20 mm für 5xD und 8xD verfügbar.

Mikron, Sandvik und Seco Tools mit Innovationen

Mikron Tool löst eine langjährige Problematik beim Bohren von Inox: Es ging zu langsam, die Prozesse waren zu unsicher, die Bearbeitung daher extrem teuer. Der neue Kleinbohrer "CrazyDrill Cool SST-Inox" arbeitet tief und schnell bei rostfreien, säure- und hitzebeständigen Stählen sowie CrCo-Legierungen. Und das im Durchmesserbereich von 1 bis 6 mm und in sechs Bohrtiefen von 6xD bis 40xD an. Laut Hersteller genügt ein einziger Bohrstoß, um die volle Bohrtiefe ohne Entspänen zu erreichen.

Sandvik Coromant präsentiert mit dem "CoroDrill DS20" seinen ersten Wendeschneidplattenbohrer, der - ohne Pilotbohrung - Bohrungstiefen von bis zu 7xD erreicht. Man habe mit Kunden umfangreiche Tests durchgeführt, die sehr gute Vorschubgeschwindigkeiten bei Bohrungstiefen von 4 bis 7xD, damit kürzere Taktzeiten und niedrigere Kosten ergaben. Der CoroDrill DS20 bohrt Durchmesser von 15 bis 65 mm.
Seco Tools bietet mit "Feedmax" Vollhartmetallbohrer ab 0,1 bis 26 mm Durchmesser, die sich durch Stahl sowie schwer zerspanbare Werkstoffe arbeiten. Mit "Crownloc" ist ein Bohrer mit austauschbaren Kronen im Sortiment, der bei wechselnden Werkstoffen und Anforderungen den benötigten Werkzeugbestand reduzieren helfen soll. Die Wendeplattenbohrer "Perfomax" wiederum verfügen über vier Schneiden und eine reibungsarme Beschichtung.

Neue Allround-Bohrer bei Walter und Widia

Einen Allrounder für alle Werkstoffe und Bohranwendungen präsentiert Walter mit dem Vollhartmetallbohrer "DC160 Xtreme Evo Advance". Dieser ist in dreifacher Hinsicht universell einsetzbar: In allen ISO-Werkstoffgruppen, für unterschiedliche Anwendungen wie schräge Ein- und Austritte, Bohrungen nah an der Werkstückkante oder ballige und konkave Oberflächen. Die Stärken des Xtreme Evo liegen laut Walter in seiner hohen Standzeit, Produktivität und Prozesssicherheit. Neu am Xtreme Evo ist eine zähe, Mehrlagen-Beschichtung. Damit wird der Bohrer überaus verschleißfest, schafft hohe Standzeiten bei gleichzeitig flotten Schnittwerten.

„All-Star“ nennt Widia sein Bohrportfolio. Darin enthalten: Vollhartmetall-Bohrer, modulare Bohrer sowie Wendeschneidplatten-Bohrer für Stahl, rostfreien Stahl, Gusseisen und Superlegierungen. Je nach Modell für Durchmesser von 1 bis 68 mm.

[Quelle: METALL 10/2019]

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