Sanitär

Sanitärmarkt bleibt herausfordernd

Warum das kommende Jahr für die heimische Sanitärbranche besonders herausfordernd wird, und mit welcher Strategie dennoch gepunktet werden könnte, verrät das Österreich-Management des Sanitärkeramikmarktführers Laufen im Interview.

17.12.2020
Sanitär
Christian Klobucsar
17.12.2020
© Laufen Austria

Laufen Austria Management (v.l.): Christian Schäfer (Vorstand), Michael Bauer (Sales Director), Melanie Berger (Leitung Marketing & Kommunikation)

Während wir dieses Interview führen, befindet sich Österreich gerade in einer zweiten Lockdown-Phase. Unsere Branche ist zwar großteils von den scharfen Einschränkungen ausgenommen, dennoch dürfte zumindest das Objektgeschäft darunter leiden/gelitten haben. Wie sieht das Geschäftsjahr 2020 bei Ihnen aus?

Christian Schäfer: Die österreichische Bauwirtschaft hat sich nach den Ereignisse im Frühjahr sehr gut erholt. Das heißt der Dämpfer, den die gesamte Branche im Frühling durch den ersten Lockdown erfahren hat, konnte erfreulicherweise im Laufe des restlichen Jahres kompensiert werden. Es scheint, dass solange Gewerbetreibende arbeiten dürfen, die Bauwirtschaft nicht durch die Einschränkungen leidet. Das Projekt- und Privatgeschäft läuft durchaus gut.

Welche Herausforderungen im Sanitärmarkt sehen Sie mittelfristig auf Ihre Branche zukommen? Wie könnte man dem aus Ihrer Sicht entgegenwirken?

Michael Bauer: Die mittelfristige Zukunft dürfte für den Sanitärmarkt aus mehreren Gründen sehr herausfordernd werden. Ein Thema wird sicherlich die Heizungssanierungsoffensive sein, welche Montagekapazitäten abziehen wird, die dann für Sanitärinstallationen fehlen werden. Um dem Installateur ein möglichst zeiteffizientes Arbeiten zu ermöglichen, arbeiten wir an innovativen Lösungen für noch einfachere Montageoptionen. Parallel muss die Wahrnehmung und Bedeutung des Badezimmers weiter gestärkt werden. Hierbei engagieren wir uns in unserer eigenen Kommunikation oder unterstützen zum Beispiel tatkräftig das ‚Oasebad‘, das genau dieses Ziel verfolgt.

Auf der anderen Seite sollte der Trend zum sogenannten „Cocooning“, also dem dauerhaften Zurückziehen in die eigenen vier Wände, dem Sanitärmarkt eigentlich einen Umsatzturbo bescheren. Denn wenn ich keinen Urlaub machen kann, investiere ich dieses Budget eben in meine Badezimmer-Wellnessoase daheim. Ist das so?

Michael Bauer: Dieser Trend ist gegenwärtig ganz klar zu erkennen und hat zur positiven Entwicklung dieses Jahres vermutlich beigetragen. Es ist abzuwarten wie sich dieser Trend in den kommenden Jahren entwickelt.

Der Großhandel bietet seit kurzem Serviceteams für einfache Montagearbeiten an, um Installationsbetriebe im aktuell überhitzen Auftragsmarkt zu entlasten. Denkt die Industrie auch über eine derartige Unterstützung nach? 

Christian Schäfer: Zwar setzen wir unseren  Fokus auf den Ausbau unseres Service-Teams, das ist richtig, dies jedoch in erster Linie zur Unterstützung des Installateurs, und nicht um Montagearbeiten von diesem zu übernehmen. Wir haben ein klares Bekenntnis zum dreistufigen Vertrieb und setzten weiterhin auf die Kompetenz des Installateurs als qualifizierten Partner und Bindeglied zum Endverbraucher.

Zuletzt haben Sie auch Mineralguss-Brausetassen in Ihr Produktportfolio aufgenommen. Warum war Ihnen das wichtig? Was ist deren besonderes Kaufargument im Vergleich zu den bereits am Markt verfügbaren Modellen?

Michael Bauer: Wir haben im Konzern eine eigene Produktionsstätte, in der wir Brausetassen (und auch Badewannen) aus den innovativen Materialen Marbond und Sentec herstellen. Im Vergleich zu bereits am Markt verfügbaren Modellen fühlen sich die neuen Materialien warm und behaglich an. Die Oberfläche ist antibakteriell und pflegeleicht. Das Material ist UV-beständig und formfest. Die Duschflächen passen perfekt ins Fliesenraster und schließen exakt mit den Duschabtrennungen ab. Unsere klaren Designs kommen ausgesprochen gut beim Kunden an und das mit einem wirklich sehr attraktivem Preis- Leistungsverhältnis.

In der Sanitärkeramik sind Sie Marktführer, daneben bieten Sie aber auch Badmöbel, Armaturen & Co an. Was fehlt aus Ihrer Sicht noch im Sortiment? Womit könnte Laufen demnächst den Markt überraschen?

Christian Schäfer: Wir arbeiten in unserem Laufen Forschungs- und Entwicklungszentrum in Gmunden an einer Vielzahl von Innovationsprojekten, wobei wir uns auch auf die Weiterentwicklung unserer bestehenden Produktkategorien konzentrieren. Im Moment stehen Oberflächen und Funktionalität im Fokus, diesbezüglich werden wir in absehbarer Zukunft Ergebnisse präsentieren können.

In einer Aussendung verweisen Sie auf über 100 teilweise "grüne" Innovationsprojekte, an denen Laufen dran ist, wie etwa die Separationstoilette "Save". Warum ist Ihnen das Thema Nachhaltigkeit so wichtig?

Christian Schäfer: Als Unternehmen, das Produkte für den Umgang mit der kostbaren Ressource Wasser herstellt, fühlen wir uns verpflichtet, diese natürliche Lebensgrundlage zu schützen. Wir sind davon überzeugt, dass nachhaltiges, zukunftsorientiertes Denken ein entscheidender Erfolgsfaktor für Unternehmen sein wird und sein muss. „Save“ hat das Potenzial, die Abwasserwirtschaft weltweit zu revolutionieren. Es ist ein Sanitärsystem für eine nachhaltige Zukunft und hat eine integrierte Urinabtrennung, die Urin unter Ausnutzung der Oberflächenspannung in einen getrennten Ablauf leitet. Dank dieses getrennten Abwassermanagements können 80 Prozent des im Abwasser enthaltenen Stickstoffs entfernt und in Düngerkonzentrat umgewandelt werden. Dadurch werden nicht nur Stoffkreisläufe geschlossen und Flüsse und Meere geschont, sondern auch die Abwasserwirtschaft in großen Städten entlastet werden

In unserer aktuell sehr herausfordernden Zeit konnten viele analoge Tätigkeiten durch digitale Alternativen kompensiert werden. Wie stellt sich das für den Verkauf ästhetischer Produkte dar, die ja im wahrsten Wortsinn auch begriffen werden müssen, um einen entsprechenden Kaufreiz auszulösen?

Melanie Berger: Es hat sich sehr schnell gezeigt, dass die Verschiebung von Events und Kommunikation auf die elektronische Ebene sehr schnell erfolgte und gut funktionierte. Ich bin der Meinung, dass diese für den Moment eine gute und notwendige Alternative darstellen und auch in Zukunft gestärkt genutzt werden. Langfristig wird die Branche auf Messen und Events nicht verzichten können und wollen, der persönliche Kontakt und Gespräche sind nach wie vor wertvoll und durch digitale Formate nicht vollständig zu ersetzen.

Laufen setzt bei der Entwicklung vieler Serien auf die enge Zusammenarbeit mit namhaften Designern wie Konstantin Grcic, Marcel Wanders oder Patricia Urquiola. Ist künstlerischer Anspruch für den Massenmarkt geeignet?

Melanie Berger: Die Zusammenarbeit mit international renommierten Designern ist außerordentlich spannend, da wir dadurch in der Realisierung der Entwürfe die Grenzen des Werkstoffes Keramik immer aufs Neue ausloten. Unser Anspruch ist allerdings nicht künstlerische Stücke zu kreieren, sondern alltägliche Gebrauchsstücke - wie wir sie im Badezimmer antreffen - in herausragender Funktionalität und klarem sowie zeitlosem Design anzubieten – die Stücke verweilen immerhin knapp 20 Jahre in unseren Badezimmern.

Kürzlich sorgte ein Keramik-Kunstwerk aus SaphirKeramik, das in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro „Love architecture and urbanism“ entstanden ist, für Aufsehen. Werden künstlerische Exponate ein neues Geschäftsmodell für Laufen?

Christian Schäfer: [lacht] vielleicht, wer weiss! Spass bei Seite, schon seit den frühen 60er Jahren unterstützen wir in Gmunden Künstler und Kreative in der Realisierung ihrer Kunstobjekte, sodass wir uns in gewissem Sinne dieser Tradition verpflichtet fühlen. Die Installation ‚n186‘ ist ein großartiges Beispiel dafür, welche herausragenden Formen wir heute im Stande sind in unserem Werk in Gmunden aus SaphirKeramik zu fertigen. Speziell für unser Innovations-Team war die Umsetzung des Projektes eine Herausforderung, jedoch genau diese Herausforderungen sind es, die uns in der Fertigkeit im Umgang mit der Materialität Keramik vorantreiben. Dass wir die Möglichkeit hatten ‚n186‘ nun in unserem Laufen-Space in der Wiener Innenstadt im Rahmen der Vienna Design Week als erstes der Weltöffentlichkeit präsentieren zu dürfen, ehrt uns natürlich sehr.

Die von Ihrem Haus entwickelte Saphirkeramik gilt in Expertenkreisen als bevorzugter Werkstoff, wenn es um die Realisierung außergewöhnlicher Formen geht. Warum ist das so?

Christian Schäfer: Die besondere Stärke der SaphirKeramik ist die herausragende Biegefestigkeit wodurch feine Linien realisierbar werden, die mit herkömmlicher Keramik nicht umsetzbar wären. Wir nutzen die Eigenschaften der SaphirKeramik in der Realisierung von sehr außergewöhnlichen Entwürfen wie beispielsweise die von Star-Designerin Patricia Urquiola der Serie Sonar. Auf der anderen Seite kommt SaphirKeramik mittlerweile auch vor allem bei Kollektion zur Anwendung, die industriell in sehr hohen Stückzahlen gefertigt werden, wie die Waschtische der Serie VAL. Durch den Einsatz von SaphirKeramik wirken auch ganz einfache Formen besonders elegant.

Einstweilen werden aus diesem exklusiven Werkstoff Ihre Produkte ausschließlich in Gmunden gefertigt, da Saphirkeramik viel Fingerspitzengefühl benötigt und dieses Fachwissen eben nur dort vorhanden ist. Bleibt das so? 

Christian Schäfer: Mit seiner Spezialisierung auf die patentierte Materialinnovation der Saphirkeramik steht Gmunden für völlig neue Gestaltungsmöglichkeiten im Keramikbereich sowie hohe Handwerkskunst und Qualität. Dank der starken Nachfrage nach SaphirKeramik werden wir in Gmunden unsere Kapazitäten im diesem Bereich mit einer vollautomatisierten Druckgussanlage 2021 verdoppeln.

Laufen Austria

Seit mehr als 125 Jahren wird unter der Marke Laufen der älteste plastische Werkstoff der Menschheit zu Sanitärprodukten verarbeitet. Aus dieser Keramikkompetenz hat sich das Know-how fürs komplette Bad entwickelt. Als Premium Brand unter dem Markendach von Roca ist Laufen einer der international führenden Hersteller mit weltweiter Distribution. Seit 1923 wird in Gmunden Keramik produziert. Mit der Kompetenz in der Keramik-Produktion hat das Unternehmen starken Einfluss auf die historische Entwicklung der österreichischen Badkultur genommen.

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