Marktanalyse

Baupreisentwicklung in der DACH-Region

Branchenradar
16.02.2022

Die Bauwirtschaft hat 2021 bei den Produktionswerten in der gesamten DACH-Region zugelegt. Doch bei der Baupreisentwicklung und den realen Bauleistungen gibt es im Ländervergleich, wie die Marktanalysen von Branchenradar.com zeigen, deutliche Unterschiede.
Blick von unten auf einen Neubau mit rotem Kran im Vordergrund.

Es ist kein Geheimnis, dass die Bauwirtschaft zu jenen Branchen gehört, die der Coronakrise erfolgreich getrotzt haben. Sowohl in Deutschland als auch in Österreich und der Schweiz ist die Baubranche ohne große Schrammen durch das Krisenjahr 2020 gekommen. Auch wenn am Beginn einige Großbaustellen in Bedrängnis kamen, der Materialfluss ins Stocken geriet und die Einreisebeschränkungen sowie Grenzkontrollen da wie dort zu Erschwernissen führten. Im Großen und Ganzen ist der Betrieb auf den Baustellen dennoch planmäßig weitergelaufen.

Wachstum durch Preissteigerungen

Das Corona-Jahr 2021 sieht auf den ersten Blick für die DACH-Region noch erfreulicher aus. Bei genauerer Betrachtung der Marktanalysen von Branchenradar.com lassen sich jedoch einige interessante Details und Unterschiede erkennen.

Die Schweizer Bauwirtschaft ist nach drei rückläufigen Jahren wieder gewachsen und schaffte den Turnaround. Der Aufschwung fiel mit einem Plus von 3,24 Mrd. Euro (+4,8%) laut den Experten sogar weit kräftiger aus, als von vielen vermutet wurde. Trotzdem konnten die Eidgenossen beim Bauproduktionswert weit weniger zulegen als Deutschland (+27,4 Mrd. Euro / +6,9%) und Österreich (+5,1 Mrd. Euro / +11%). Doch ein Großteil der Zuwächse beider Länder ist auf Preissteigerungen zurückzuführen.

Im Hochbau erhöhten sich 2021 die Baupreise in Deutschland um rund acht Prozent, in Österreich um fast zehn Prozent (+9,8%). Nicht ganz so hoch fielen die Steigerungen im Tiefbau aus, wo es in Deutschland ein Plus von etwas weniger als vier Prozent (+3,7%) und in Österreich von etwas mehr als zwei Prozent (+2,2%) gab. Für die Schweiz veröffentlichte Branchenradar eine durchschnittliche Baupreisentwicklung von plus 2,5 Prozent. Kostentreiber waren aber weniger die Löhne und Gehälter, sondern vielmehr die massiv steigenden Materialpreise. Diese zogen gegenüber 2020 in Österreich um rund gut achtzehn Prozent, in Deutschland um rund acht Prozent und in der Schweiz um 2,5 Prozent an.

Markante Unterschiede bei Bauleistungen

Die reale und somit preisbereinigte Bauleistung weicht daher in der gesamten DACH-Region markant von den Bauproduktionswerten ab.  Im Wohnbau wurde in Deutschland um knapp ein Prozent weniger verbaut als 2020, in Österreich wuchs der Wohnbau um rund zwei Prozent. Beim Nicht-Wohnbau gab es in Deutschland sogar ein Minus von 2,7 Prozent, in Österreich ein Plus von vier Prozent. In der Schweiz liegen die Werte in beiden Bereichen bei durchschnittlich 2,3 Prozent. Nur im Tiefbau gab es in allen drei Ländern ähnliche Werte: In Österreich und Deutschland nahm die Bauleistung jeweils um rund zwei Prozent zu, in der Schweiz auch hier durchschnittlich um 2,3 Prozent.

Tabellen-Übersicht der Marktanalysen

Bauwirtschaft 2021 DACH-Region
Österreich Deutschland Schweiz
BAUPRODUKTIONSWERT
im Vergleich zu 2020
Gesamtwert in Euro 50,9 Mrd. 424 Mrd. 69,8 Mrd. (73,3 Mrd. CHF) 
Steigerung in Euro 5,1 Mrd. 27,4 Mrd. 3,24 Mrd. (3,4 Mrd. CHF)
Steigerung in % 11% 6,90% 4,80%
Wohnbau
Gesamtwert in Euro 23,9 Mrd. 244,9 Mrd. 31,0 Mrd. (32,6 Mrd. CHF)
Steigerung in % 11,90% 7,90% 5,80%
Nicht-Wohnbau
Gesamtwert in Euro 17,9 Mrd. 103,3 Mrd. 22,5 Mrd. (23,7 Mrd. CHF)
Steigerung in % 13,70% 5,30% 3,80%
Tiefbau
Gesamtwert in Euro 9,1 Mrd. 75,8 Mrd. 16,2 Mrd. (17 Mrd. CHF)
Steigerung in % 4,30% 5,90% 4,40%
BAUPREISE
Tiefbau
Steigerung in % 2,20% 3,70% 2,50%
Hochbau
Steigerung in % 9,80% 8,00% 2,50%
REALE BAULEISTUNG
preisbereinigt, Veränderung in %
Wohnbau + 2% -  1% Ø + 2,3%
Tiefbau +  2% +  2% Ø + 2,3%
Nicht-Wohnbau + 4% -  2,7% Ø + 2,3%
MATERIALPREIS
im Vergleich zu 2020
Veränderung in % + 18% + 8% +  2,5%
ARBEITSKOSTEN
im Vergleich zu 2020
Veränderung in % plus 2,1% plus 3,0% keine Angaben
Schweiz - Umrechnung Schweizer Franken: 1 CHF = 0,95 Euro
Quelle: Branchenradar.com

Um die Zahlen besser einordnen zu können, hier einige Vergleichsparameter der drei Länder:

Die Fläche von Österreich (83.879 km2) ist weniger als ein Viertel von Deutschland (357.386 km2). Grob gerechnet ist Deutschland somit 4,2-mal so groß wie Österreich.  Im Vergleich zur Schweiz (41.285 km2) ist Österreich aber etwas mehr als doppelt so groß. In Deutschland leben rund 82,8 Mio. Menschen, in der Schweiz rund 8,3 Mio. und in Österreich sind es laut Statistik Austria seit Jahresbeginn 2022 rund 8,9 Mio. Einwohner.