Aufreger

"Do it yourself" mit Sprengstoffpotenzial

Sanitär
10.02.2022

Seit einigen Wochen stürmt es heftig in den Social-Media-Foren des Handwerks. Grund dafür ist das Video eines führenden Sanitärherstellers, der den simplen Einbau einer Waschtischarmatur auch für Laien auslobt. Die Redaktion des Blauen fasst dieses Thema nun unaufgeregt und versachlicht zusammen.
Einbauvideo von Grohe

Konkret geht es in diesem Spot, der auf dem Youtube-Kanal im Internet abrufbar ist (bzw. als deutschsprachige Version in der Zwischenzeit wieder vom Netz genommen wurde) um das Thema Quickfix von Grohe. Die Dramaturgie des Videos ist darauf ausgerichtet, zu vermitteln, dass Badezimmerarmaturen von Jedermann und im wahrsten Wortsinn von Jederfrau eingebaut werden können.

Mögliche Fehlinterpretation des Videos auf Youtube?

Gerieben haben sich zahlreiche Handwerker*innen vor allem daran, dass jener "Experte", der im Video diese Arbeit in Angriff nehmen sollte, sich so umständlich vorbereite, dass der Einbau in jener Zeit, bis er sich angezogen und seine Werkzeuge sortiert und überprüft habe, längst von einer Frau und ihrem Kind umgesetzt werden konnte. Viele Handwerker*innen interpretierten in dieser Dramaturgie eine Geringschätzung ihres Berufsstandes, da die Person im Blaumann als schwerfällig und langsam in Szene gesetzt wurde.

Grohe Quickfix-Einbauvideo

Dass dies bei einigen in den falschen Hals gekommen ist, dürfte jedoch auf einer Fehlinterpretation dieses im Video gezeigten "Handwerkers" fußen. Denn laut Grohe sollte damit keinesfalls ein Profi-Handwerker gemeint sein, sondern vielmehr der Vater des im Video gezeigten Mädchens. Das ganze Thema fuße laut Grohe-Management auf der neuen Vertriebsstrategie, die im letzten Jahr überarbeitet wurde. Unter anderem seien die Angebote für die unterschiedlichen Marktsegmente neu strukturiert. Mittels dem der Armatur beiliegendem Montagewerkzeug "QuickTool" sowie einer Video-Einbauanleitung zeige Grohe den ambitionierten Heimwerker*innen den Einbauablauf in wenigen Schritten auf.

Wir haben dazu ein Statement der Grohe-Österreich Geschäftsführerin eingeholt – nachzulesen im Interviewkasten weiter unten. Aber auch Bundesinnungsmeister Michael Mattes haben wir zu diesem Thema befragt.

Denn neben der vermeintlich georteten „Geringschätzung gegenüber dem Handwerk“, wie es als Teilfazit aus vielen Social Media-Foren heißt, gehe es hier auch um allfällige Fragen der Gewährleistung sowie ganz generell um das Aufbrechen der seit Jahrzehnten bewährten Aufgaben- bzw. Arbeitsteilung zwischen Industrie, Handel und Handwerk.

Zahlt die Versicherung im Schadensfall auch bei Montage durch Laien?

Lautstark bemängelt wurde jedenfalls auch, dass Konsument*innen aktiv dazu aufgerufen werden, selbst an der Trinkwasserinstallation zu schrauben. Viele Forenteilnehmer*innen orteten darin den Fakt, dass mit diesen Heimwerker-Armaturen der Umsatz über die Sicherheit der privaten Trinkwasseranlage gestellt würde, da jede Änderung an der Trinkwasserinstallation rein rechtlich von qualifizierten Handwerker*innen durchzuführen seien. Sie befürchten zudem nicht vorhersehbare Risiken durch unprofessionell umgesetzte Verbindungen beziehungsweise Beschädigungen der Eckventile. Wie dies im Haftungsfall aussehen könnte, und ob sich die Versicherungswirtschaft dadurch der Leistungspflicht entbunden sieht, bliebe laut einhelligen Forenmeinungen einstweilen unklar.

Jedenfalls hat das Grohe-Management vor allem in Deutschland seither viel zu tun, um allfällige Missverständnisse aufzuklären. So veröffentlichte das Unternehmen unter anderem auch eine schriftliche Stellungnahme, in der sie bereits frühzeitig auf die Kritiken einging und auch das besagte Video vom deutschsprachigen Markt nahmen. Im Wortlaut hieß es darin auszugsweise: "Wir bedauern, dass insbesondere unser Kampagnen-Video für Grohe QuickFix falsche Signale in Richtung des Fachhandwerks gesendet hat. Es war keinesfalls unsere Absicht, die Leistungen unserer Partner*innen herabzuwürdigen. Wir nehmen die Kritik aus der SHK-Branche sehr ernst. Wir haben uns daher entschieden, die Kommunikation noch einmal kritisch zu prüfen. Das Video werden wir in der vorliegenden Form in der DACH-Region zukünftig nicht mehr einsetzen".

Grohe betont Rechtssicherheit

Dennoch beharrt das Grohe-Management nach wie vor auf der technischen Sicherheit bei einer Installation von QuickFix durch ambitionierte Laien – einem der zentralen Reibepunkte des Handwerks. So heißt es etwa im Originalschreiben: "Verbraucher handeln bei der Installation von Grohe QuickFix-Produkten im Einklang mit den bestehenden rechtlichen Rahmenbedingungen – mit § 12 Abs. 2 S. 2 der Verordnung über allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Wasser, mit den technischen Regeln für Trinkwasser-Installationen sowie mit den einschlägigen DIN-Normen (insbesondere DIN EN 806-2 und DIN 1988-200). Demnach sei es für ambitionierte Konsument* innen im Rahmen gängiger Versicherungsverträge zulässig, QuickFix-Produkte zu installieren.“

Aussagen unterscheiden sich

Demgegenüber steht die Meinung der DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches), die Knut Maria Siebrasse von SHK-Tacheles kürzlich exklusiv erfragt hat: Laut dem DVGW weist dieser zitierte § 12 Absatz 2 Satz 2 der AVBWasserV deutlich darauf hin, wer Tätigkeiten am Trinkwassersystem durchführen darf. Nämlich "nur durch das Wasserversorgungsunternehmen oder ein in ein Installateurverzeichnis eines Wasserversorgungsunternehmens eingetragenes Installationsunternehmen."

Die DVGW-Information Wasser Nr. 09 führt unter anderem aus, dass der Austausch von Auslaufarmaturen an den Entnahmestellen nur dann nicht als wesentliche Veränderung anzusehen ist, wenn sichergestellt ist, dass beim Austausch nur gleichwertige Armaturen eingebaut werden, die den geltenden technischen Anforderungen genügen.

Eine wesentliche Änderung liegt nicht vor, wenn z. B. der Austausch von typgleichen Luftsprudlern bei Entnahmearmaturen vorgenommen wird. Aus diesen Gründen rät der DVGW Endverbraucher*innen grundsätzlich davon ab, selbst Hand anzulegen, um eine Auslaufarmatur zu wechseln. "Marke Eigenbau" oder "Do-it-yourself" habe in der Trinkwasserinstallation nichts zu suchen, so der Regelsetzer.

"Wir müssen unsere Strategie noch besser kommunizieren"

Grohe-GF Barbara Kasses

Im Kurzinterview mit der GEBÄUDEINSTALLATION ­erklärt Grohe Österreich-Geschäftsführerin Barbara Kasses ihre Sicht zum QuickFix-Video.

Ging es beim besagten QuickFix-Video aus Ihrer Sicht eher um die dramaturgische Umsetzung, oder ganz generell um die Aussage, dass Ihre Armaturen kinderleicht einzubauen sind?

Barbara Kasses: Wir haben im letzten Jahr unsere Vertriebsstrategie angepasst, mit dem Ziel, unsere Produktsortimente noch besser auf die verschiedenen Zielgruppen im Markt zuzuschneiden. Mit Grohe Professional stärken wir das Fachhandwerk – mit einem maßgeschneiderten Produktsortiment, das von uns nur dem dreistufigen Vertriebsweg angeboten wird und das professioneller Installation bedarf. Die Produktpalette von Grohe QuickFix richtet sich an Verbraucher, die einfache Renovierungen und einen Produktaustausch selbst durchführen möchten. Mit der Marketingkampagne zur Einführung von QuickFix wurde das Video veröffentlicht, das Sie ansprechen. Wir bedauern, dass das Video falsche Signale gesendet hat. Es war keinesfalls unsere Absicht, die Leistungen des Fachhandwerks herabzuwürdigen. Die Kritik nehmen wir sehr ernst. Sie zeigt, dass wir unsere neue Vertriebsstrategie und die Vorteile für das Fachhandwerk im Dialog noch besser erklären müssen. Das Handwerk ist und bleibt unser wichtiger Partner im dreistufigen Vertrieb. Unser Engagement für das Handwerk werden wir auch weiterhin stärken, mit einem Produktportfolio und Services, die den Arbeitsalltag erleichtern sollen.

Der deutschsprachige Raum unterscheidet sich vom Rest der SHK-Welt durch seine mehrheitlich dreistufige Vertriebskultur. Inwieweit bedingt aus Ihrer Sicht die aktuelle Marktsituation ein Nachjustieren des Vertriebssystems?

Kasses: Mit unserer neuen Vertriebsstrategie reagieren wir auf sich ändernde Marktgegebenheiten. Diese Strategie basiert auf einem differenzierten, zielgruppenorientierten Ansatz mit zugeschnittenen Produkten und Services, die über unterschiedliche Kanäle kommuniziert werden. Neben QuickFix liegt ein großer Fokus auf unserem maßgeschneiderten Professional Portfolio, mit welchem wir dem Handwerk eine Möglichkeit zur Differenzierung bieten. Dazu zählen beispielsweise unsere Produktlinien Eurosmart, Grohtherm und Rapido SmartBox. Zusätzlich haben wir im Jahr 2020 mit "Meisterwerker" ein Programm zur Unterstützung des Handwerks gestartet. Dieses beinhaltet u.a. die intensive Betreuung durch den Außendienst und Verkaufsunterstützung durch Produkt- und Montagevideos sowie Trainings unserer "Meister Akademie" und die "Digitalwerkstatt". Darüber hinaus starten wir ab April dieses Jahres unsere große Professional-Kampagne, die unsere bisherigen Maßnahmen für den dreistufigen Vertriebsweg fortsetzen und maßgeblich ergänzen wird. So wollen wir auch weiterhin ein verlässlicher Partner sein und setzen auch zukünftig auf einen vertrauensvollen Dialog mit dem Fachhandwerk.

"Der, der montiert, ist in der Pflicht"

Bundesinnungsmeister Michael Mattes

Bundesinnungsmeister Michael Mattes zur Situation im Falle von Haftungsfragen.

Herr Bundesinnungsmeister, was ist Ihre Meinung zum Thema "kinderleichter Einbau" auch für Laien?

Michael Mattes: Natürlich ist der Einbau "kinderleicht" – wenn es jedoch Unvorhergesehenes gibt (z. B. Eckventile schließen nicht oder werden nach dem Öffnen undicht, oder eine vorhandene Armatur muss zuvor ausgebaut werden, …), dann wird es womöglich zum Problem. Denn wenn es zum Schaden durch Montagedetails kommt, dann geht es erst richtig los, da nützen die 5 + 1 Jahr Garantie nichts.

Zur Garantie – grundsätzlich haben wir Installateure drei Jahre Gewährleistung bei hauptsächlich nur einem Jahr Herstellergarantie auf das Material. Wie sie sicher wissen, sind wir seit der Verlängerung der gesetzlichen Haftung um "Gewährleistungspartner" bemüht. In Österreich haben wir mühsam fünf oder sechs geschafft, wobei in Deutschland sämtliche Industriefirmen dabei sind. Kurz erklärt: Wenn ich das Material ein Jahr auf Lager habe und danach erst einbaue, ist die Herstellergarantie erloschen.

Was ist Ihre Meinung dazu?

Schreiben Sie uns eine E-Mail an: derblaue@wirtschaftsverlag.at

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Haustechnik