Fenstermarkt

„European Windows“ für die USA und Kanada

Fenster
23.02.2021

Von: Redaktion Glas

Der nordamerikanische Markt verzeichnet ein steigendes Interesse an Fenstern „made in Europe“. Zwei neue Studien des Instituts EMU Systems geben europäischen Fensterherstellern grundlegende Informationen über die Besonderheiten in Übersee an die Hand.

Energieeffiziente, hochwertige Fenster aus Europa sind in Nordamerika immer gefragter.

Die USA und Kanada holen in Sachen energieeffizientes Bauen auf. Seit Jahren drängt beispielsweise das International Energy Conservation Code (IECC) darauf, dass Gebäude luftdichter und energieeffizienter geplant und gebaut werden. Dabei rücken die Fenster verstärkt in den Mittelpunkt. Deren Leistungsfähigkeit ist für die Gesamtenergiebilanz relevant und beeinflusst die Temperaturen am Glasrand – und damit den Wohnkomfort. Das US Department of Energy (DoE) weist darauf hin, dass bei Fenstern neben den Rahmenmaterialien und der richtigen Auswahl der Gläser auch auf die Verwendung guter Abstandhalter zu achten sei.

Unterschiedliche Richtlinien, unterschiedliche Berechnungsmethoden

Die Energy Star-Klassifizierung gibt in den USA genaue Grenzwerte für die Effizienz von Fenstern vor – gestaffelt nach Klimazonen.

Laut IECC-Standard müssen Gebäude eine bestimmte Luftdichtheit aufweisen, die mittels eines obligatorischen Blower-Door-Tests überprüft wird. In der Konsequenz ist ein ordnungsgemäßes Feuchtigkeitsmanagement notwendig, um Tauwasserausfall, Schimmel und andere Schäden an Fenstern und Gebäuden zu vermeiden. Dies ist der Haupttreiber für Veränderungen etwa bei der Beseitigung von Wärmebrücken. Zusätzlich angeschürt wird der Trend durch die im amerikanischen Rechtssystem möglichen hohen Schadensersatzforderungen. Das Risiko von Schäden, die durch Kondenswasser verursacht werden, ist vielen Planern und Unternehmen in Nordamerika noch nicht in vollem Umfang bewusst.
Gute Chancen also für Fensterbauer in Europa, den Blick nach Übersee zu wenden. Zwei Studien, die das Institut EMU Systems mit Sitz in Colorado im Auftrag von Swisspacer erstellt hat, liefern hierfür die Basisdaten. Sie listen die Unterschiede der relevanten amerikanischen und europäischen Normen auf und bieten wichtige Einblicke für jene, die sich in Zukunft mit nordamerikanischen und kanadischen Märkten auseinandersetzen wollen.

Deutliche U-Wert-Verbesserungen möglich

In „The Impact of Glass Spacers on Energy Performance and Risk of Condensation in American/Canadian Windows“ wurden fünf Glasabstand­halter mit neun Fensterrahmenprofilen kombiniert. Die Studien untersuchen den thermischen Widerstand am Rahmen, Glasrand und am ganzen Fenster sowie die Oberflächentemperatur am Glasrand auf Basis der lokal geltenden Normen und Berechnungsmethoden. Letztere unterscheiden sich zum Teil deutlich von den europäischen Regelwerken und Bezeichnungen. 

Die Berechnungsmethoden und Bezeichnungen der U-Werte für Fenster zwischen Europa und Nordamerika unterscheiden sich deutlich.

Während zum Beispiel in Europa die Abstandhalter als eigenständiger rein linearer Faktor in die Formel einfließen, wird in Nordamerika der Abstand­halter als „Glass-Edge“-Bereich in der Berechnung berücksichtigt. Dabei wird für eine Fläche mit 63,5 mm Breite (2,5 Zoll) umlaufend ein entsprechender Wert errechnet. Da diese sich mit dem „U-Frame“ überschneidet, bewirkt ein besserer Abstandhalter auch einen besseren Wert für den Rahmen. Basierend auf den nordamerikanischen Rechenmethoden ist eine Verbesserung der U-Werte von Fenstern um bis zu 22 Prozent möglich.

Verringertes Tauwasserrisiko durch effiziente Glasabstandhalter

Mit effizienten Glasabstandhaltern lassen sich U-Werte verbessern und das Tauwasserrisiko verringern.

Relevante Ergebnisse liefern die Studien im Bereich Tauwasserausfall in den unterschiedlichen Klimazonen des nordamerikanischen Kontinents. Mit einem hocheffizienten Glasabstandhalter verringert sich das Tauwasserrisiko deutlich: So lagen die Temperaturen am Glasrand hier im Schnitt über alle Systeme hinweg um 7,2° C höher als bei Alu-Abstandhaltern. In der Spitze sind bis zu 11° C Verbesserung möglich.
Die Studien erläutern zudem die Klassifizierungen für das Energy Star Label für die USA und Kanada. Die Anforderungen sind nach Klimazonen geregelt und messen primär den U-Wert der Fenster sowie die solaren Zugewinne. In Kanada wird zudem bei Neubauten ein Energy-Rating Faktor von mindestens 40 gefordert. Dieser ist selbst bei hochwertigen Profilsystemen nur in Verbindung mit besten Abstandhaltern wie dem „Swissspacer Ultimate“ erreichbar.  

Interview

Europäische Fenster für Übersee – worauf ist zu achten?

Elmar Rastner, Head of Sales & Marketing North America and Central South Europe bei Swisspacer, über Chancen für österreichische Fensterhersteller in den USA und Kanada und was beim Markteintritt zu beachten ist.

USA und Kanada sind weit entfernte Märkte. Welchen Nutzen haben die beiden Studien für österreichische Fensterhersteller, damit der Markteintritt in Übersee besser gelingen kann?

Elmar Rastner:  Generell wird auch in Nordamerika der Druck größer, energieeffizient zu bauen. Dabei rücken die Fenster zwangsläufig stärker in den Fokus. Eine wichtige Orientierungshilfe ist die bekannte Energy Star-Klassifizierung. Sie gibt genaue Grenzwerte für die Effizienz von Fenstern vor – gestaffelt nach Klimazonen. Die Studien wurden in erster Linie für den nordamerikanischen Markt erstellt. Sie zeigen – unter den lokalen Bedingungen und Richtlinien – welches Potenzial allein die Verwendung von hocheffizienten Abstandhaltern bietet.
Diese Berechnungsgrundlagen und Informationen können sich österreichische Fensterhersteller zunutze machen. So erfahren sie, welche Performance in welchen Klimazonen gefordert sind und welche Produkte sich dafür am besten eignen. Neben den lokalen Lösungen werden auch klassische „europäische“ Passivhausfenster-Konstruktionen nach den regionalen Rechenmodellen und Vorgaben verglichen. Dies erleichtert die Einschätzung für Hersteller, die sich mit den etablierten Anbietern vor Ort messen müssen. Wir wissen, dass sich Fensterhersteller in Österreich in den letzten Jahren mit den Anforderungen des amerikanischen Marktes auseinandergesetzt haben. Dabei haben wir sie im Rahmen unseres Kundenservices mit Kontakten zu den jeweiligen Prüfinstituten vor Ort unterstützt.

Ist es für die beiden Märkte relevant, woher die Fenster stammen?

Der Endkunde, hier wie dort, möchte gute Produkte kaufen. Und Passivhausfenster aus Europa haben in den USA und Kanada durchaus einen Namen. Sie stehen für herausragende Energieeffizienz, ausgezeichnete Qualität und Top-Verarbeitung. Selbst Niedrigenergiehaus-Hersteller in Nordamerika kaufen ihre Fenster in Europa, um das Gesamtkonzept solcher Gebäude stimmig darstellen zu können. Darin liegt die Chance einer klaren Positionierung österreichischer Fensterhersteller.

Welche Aspekte sollten Fensterhersteller auf jeden Fall im Blick haben?

Ein ganz zentrales Thema ist das Feuchtigkeitsmanagement und damit die Gefahr von Schimmelbildung. Bereits seit 2012 schreibt der IECC-Standard (International Energy Conservation Code) vor, dass Gebäude eine bestimmte Luftdichtheit aufweisen müssen, die durch einen obligatorischen Blower-Door-Test überprüft wird. Folglich braucht es ein gutes Feuchtigkeitsmanagement, um Kondenswasser- und Schimmelbildung zu verhindern. Das Risiko für Schäden durch Kondenswasser – und damit verbunden für hohe Schadensersatzforderungen – ist vielen Planern und Unternehmern in Nordamerika immer noch nicht in vollem Umfang gewusst. 
Eine klare Erkenntnis aus den Studien betrifft genau diesen Bereich. Obwohl die Verbesserungen bei den U-Werten deutlich sind, sind die Optimierungen bei den Temperaturen am Glasrand für das Tauwasserrisiko viel wahrnehmbarer. So lagen die Temperaturen am Glasrand mit Swisspacer Ultimate im Schnitt über alle Systeme hinweg um 7,2° C höher als bei Alu-Abstandshaltern. In der Spitze sind bis zu 11° C Verbesserung möglich.

Basierend auf den nordamerikanischen Rechenmethoden ist den Studien zufolge eine Verbesserung der U-Werte von Fenstern um bis zu 22 Prozent möglich. Wie kommt es dazu?

Ein wichtiger Grund ist der Abstandhalter. Das nordamerikanische Rechenmodell berücksichtigt diesen nicht nur als reinen linearen Wert, sondern er wirkt in den U-Wert des Rahmens mit ein. Ein knapp 65 mm breiter „Glasrandbereich“ wird umlaufend um das Glas mit einem spezifischen U-Wert berechnet. So wird mit einem besseren Abstandshalter ein großer Anteil des Fensters verbessert. Berücksichtigt man zudem die für die Berechnung üblichen kleineren Standardfenster (0,6 x 1,5 m), ergeben sich klare Vorteile mit einem besseren Abstandhalter.

Weiterführende Informationen

„The Impact of Glass Spacers on Energy Performance and Risk of Condensation in American/Canadian Windows“ stehen auf der Website von Swisspacer bereit.

System- und Objektprüfungen des ift Rosenheim werden in USA und Kanada anerkannt. Hier geht´s zum Artikel.

Branchen
GlasTischler