Neuer Geschäftsführer

Die Liebherr-DNA im Blut

Liebherr
09.11.2021

Wachwechsel bei der Liebherr Österreich Vertriebs- und Service GmbH: Otto Singer und sein Nachfolger Peter Mayr übers Abschiednehmen und Wachstumspläne.

Nach 20 Jahren  übergibt Otto Singer  die Geschäftsführung der Liebherr Österreich Vertriebs- und Service GmbH mit Anfang ­Dezember an Peter Mayr.

Nach 20 Jahren übergibt Otto Singer die Geschäftsführung der Liebherr Österreich Vertriebs- und Service GmbH mit Anfang ­Dezember an Peter Mayr.

Ein Baumaschinen-Urgestein setzt sich zur Ruhe. Nach 45 Jahren in der Baumaschinen­branche, 20 davon als Geschäftsführer des Liebherr-Werks Bischofshofen sowie der neu gegründeten Liebherr Österreich Vertriebs- und Service GmbH, verabschiedet sich Otto Singer in den Ruhestand. Sein Nachfolger Peter Mayr hat ebenfalls seit vielen Jahren die Liebherr-DNA im Blut. Er startete seine Baumaschinenkarriere beim Liebherr-Werk Telfs. Nach einem Zwischenstopp als Managing Director im United Kingdom verantwortete er in den vergangenen neun Jahren als Präsident der Liebherr Construction Equipment den US-amerikanischen Markt. Im Interview mit der Bauzeitung sprechen Otto ­Singer und Peter Mayr übers Abschiednehmen, Wachstumspläne und Antriebstechnologien. 

Herr Singer, nach so vielen Jahren in der Baumaschinenbranche: Fällt Ihnen der Abschied schwer?

Otto Singer: Es ist schön, wenn man seine ­Karriere in einem Jahr beenden darf, in dem man sensationelle Zahlen abliefert und man sich keine Sorgen um ­Arbeitsplätze machen muss. Und noch ­beruhigender macht das Ganze, dass mein Nachfolger die ­Branche seit vielen Jahren kennt und seine Führungsqualitäten im In- und Ausland bewiesen hat. Wir haben in ­Bischofshofen eine tolle Mannschaft, die einen ­Kapitän verdient, der dieses Schiff – so bezeichne ich Liebherr gerne – durch die Gewässer lotsen wird. Und den haben wir mit Peter Mayr gefunden.

Von den USA zurück in die Heimat ist ein großer Schritt. Welche Erfahrungswerte nehmen Sie mit?

Peter Mayr: Es ist schön, wieder in der Heimat zu sein. Natürlich lassen sich die USA und Österreich allein aufgrund der Größe nur schwer miteinander vergleichen. Auch die Voraussetzungen sind ganz andere. In den USA mussten wir erst ein Händlernetz aufbauen, hier in Österreich läuft das meiste über den Direkt­vertrieb. Außerdem ist Liebherr in Sachen ­Technik, Qualität und Preis seit vielen ­Jahren sehr gut am österreichischen Markt positioniert. Ausbaupotenzial sehe ich generell noch in der Vermietung, in diesem Bereich ist man in UK oder den USA schon um einiges weiter. Was aber egal auf welchem Kontinent gleich bleibt, sind die Grundwerte von Liebherr – und da steht der Mensch an ­oberster Stelle.

Sie haben es vorher schon angedeutet – Liebherr steuert 2021 wieder auf ein sehr gutes Ergebnis zu. In welcher Größenordnung spielt sich das ab?

Singer: Wenn die Rohstoffversorgung mitspielt, liegen wir bei der Liebherr Werk ­Bischofshofen GmbH bei einem Zuwachs von ca. 15 Prozent. Die neu gegründete ­Liebherr Österreich Vertriebs- und Service GmbH wird eine Umsatzsteigerung von ca. 20 Prozent erreichen können. Zu diesem Ergebnis hat nicht nur die tolle Performance unseres Teams beigetragen – eine wesent­liche Rolle haben auch Maßnahmen wie die Investitionsprämie gespielt. Aber man muss schon auch Realist sein. In diesem Tempo wird es in den nächsten zwei Jahren nicht weitergehen können. Österreich ist ein relativ überschaubares Absatzgebiet, und es wurden sehr viele Baumaschinen auf den Markt gebracht. Zeitgleich wurden aber gar nicht so viele neue Bauprojekte gestartet. Wohin also mit den ganzen Maschinen? Noch dazu sehe ich auch im Bereich des Mietgeschäftes eine Dynamik – da gebe ich Peter Mayr recht. Hier wird es Verschiebungen geben. 

Sie haben gerade Stückzahlen angesprochen. In den vergangenen Jahren wurde in Bischofshofen viel investiert. Wie weit kann Liebherr an diesem Standort noch wachsen?

Singer: Mit den aktuellen Investitionen am Standort Bischofshofen können wir problemlos bis zu 7.000 Radlader produzieren. Das Missing Link war ein hochmodernes Logistikzentrum, das sich gerade im Bau befindet. In der Endausbaustufe soll eine voll­automatische Versorgung der Teile bis in die Produktion gewährleistet werden. Zusätzlich ist eine vierte Produktionslinie in ­Planung. Das Fernziel in den nächsten zehn Jahren liegt bei rund 10.000 Einheiten. Eine weitere Steigerung wird aus geografischen Gründen nicht möglich sein. Das heißt, in weiterer Folge werden wir ­stärker über Vorfertigung nachdenken müssen – was wir heute schon teilweise im Bereich der ­Kabinen machen. 

So leidig das Thema mittlerweile ist, an der Rohstoffkrise ist man in den vergangenen Monaten nicht vorbeigekommen. Wie geht es Liebherr damit?

Mayr: Ich möchte gar nicht groß von Krise sprechen. Die Situation betrifft alle, und wir müssen uns Lösungen überlegen. Was ­Liebherr definitiv zugutekommt, ist, dass wir mit einem sehr hohen Anteil an Eigenkomponenten arbeiten. Der Motor kommt von Liebherr, die Elektronik-Komponenten, auch die Hydraulik. Die Halbleiter-Knappheit ist nach wie vor eine Herausforderung, und vielleicht werden wir auch nicht alle Maschinen pünktlich ausliefern können. Aber wir lernen in der jetzigen Situation viel dazu und werden unsere Prozesse anpassen – sowohl in bei der Versorgung als auch beim Design der einzelnen Komponenten, um künftig flexibler agieren zu können. 

Im kommenden Jahr steht wieder die Bauma vor der Tür. Können Sie uns schon einmal einen Ausblick geben, wo bei Liebherr die technologische Reise hingehen wird?

Mayr: Die Neuheiten auf der Bauma 2022 sind so neu, dass wir sie noch nicht mal wissen (lacht). Generell kann man aber natürlich sagen, dass in den nächsten Jahren der Fokus auf Assistenzsystemen für Fahrer liegen wird. Kurz gesagt, alles, was den Fahrer sicher macht, entlastet und gleichzeitig produktiver sein lässt. Angefangen bei Radarsystemen, 360-Grad-Kameras, Laser- und GPS-Steuerungen etc. Und natürlich sind alternative Antriebstechnologien weiterhin ein zentrales Thema. 

Die Frage ob Elektro oder Wasserstoff wird intensiv diskutiert. Was wird sich Ihrer Meinung nach durchsetzen?

Mayr: Das ist wie ein Blick in die Glaskugel. Ich persönlich bin skeptisch, ob man es in den nächsten Jahren schafft, Batterien für den höheren Leistungsbereich zu entwickeln. Momentan ist die wahrscheinlichere Lösung Wasserstoff – entweder um mit der Wasserstoffzelle Strom zu produzieren oder um direkt mit Wasserstoff den Motor anzutreiben. Was wir aktuell schon anbieten, sind Hybrid-Maschinen. Sechs Stück sind zum Beispiel schon im fix auf dem Erzberg im Einsatz. Allerdings hängen diese Hy­brid­maschinen großteils am Netz und laufen nicht mit Batterie. Liebherr arbeitet klarerweise in allen Bereichen und wird auf jeden Fall fertig sein.

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