Lage der Bauunternehmen

Hochbau auf Talfahrt

Konjunkturprognose
18.12.2023

Auch beim diesjährigen Baugipfel in Salzburg standen die schwierige Lage und die Prognosen für das kommende Jahr im Mittelpunkt der Gespräche. Die Teilnehmenden sehen vor allem die Politik gefordert.
bauvolumen oesterreich

Die Baukonjunktur in Österreich hat sich in den vergangenen zwei Jahren unverkennbar eingebremst. Angesichts der deutlichen Rückgänge insbesondere im Hochbau sieht sich die heimische Bauwirtschaft mit steigenden Herausforderungen konfrontiert. Die aktuelle Lage und die Prognosen für das kommende Jahr wurden Anfang Dezember im Rahmen des alljährlich von der Wirtschaftskammer Salzburg veranstalteten Baugipfels diskutiert.
Während Baugewerbe und Bauindustrie in den schwierigen Jahren der Pandemie zweifellos zu den stärksten Konjunkturmotoren der heimischen Wirtschaft zählten, sehen sich die Unternehmen nun mit den Folgen hoher Zinsen, hoher Inflation, hohen Baustoffpreisen, hohen Löhnen, hohen Energiepreise und, und, und konfrontiert. Gerade im Hochbau spitzt sich die Lage dramatisch zu.

Konjunkturspitze 2022

Seit 2018 ist das Bauvolumen mit zum Teil zweistelligen Zuwachsraten laufend gestiegen und erreichte 2022 im Bundesland Salzburg einen Rekordwert von über zwei Milliarden Euro. "Das zeigt, wie wichtig der Massivbau für die Wirtschaftsleistung und die regionale Arbeitsplatzsicherung in Salzburg ist", zeigt sich Karl Scheliessnig, Innungsgeschäftsführer Sparte Gewerbe und Handwerk der Wirtschaftskammer Salzburg überzeugt.
Österreichweit hat im Rekordjahr 2022 das Bauvolumen über 27 Milliarden Euro betragen und ist im heurigen Jahr um rund acht Prozent gesunken. Für 2024 erwartet das Wirtschaftsforschungsinstitut einen weiteren Rückgang, wobei erneut insbesondere der Hochbau betroffen sein wird. Für das Bundesland Salzburg wird im kommenden Jahr im Hochbau ein weiteres Minus um rund fünf Prozent vorhergesagt. Zu den größten Auftraggebern zählen das Land, die Gemeinden und die gemeinnützigen Bauträger, wobei letztere den größten Anteil am Hochbauvolumen im Bundesland Salzburg haben. In der Sanierung erwarten die Experten derzeit noch ein leichte Plus, was den Verlust im Neubau aber nicht ersetzen werde können.

Einfamilienhaus-Markt eingebrochen

Im Bereich des Neubaus von Einfamilienhäusern ist heuer mit Auftragsrückgängen von bis zu 30 Prozent zu rechnen, bei einzelnen Unternehmen liege der Rückgang mit minus 80 bis 100 Prozent dramatisch über dem Durchschnitt. Branchenvertreter führen diesen Absturz in erster Linie auf die aktuell hohe Zinsbelastung, die KIM-Verordnung und gestiegene Herstellungskosten zurück.

Karl Scheliessnig (links) und Peter Dertnig
Karl Scheliessnig (links)und Peter Dertnig fordern für 2024 die Umsetzung aller geplanten baulichen Maßnahmen und Investitionen.

Tiefbau in Salzburg boomt

Dagegen völlig konträr zum Hochbau entwickelt sich der Tiefbau im Land Salzburg. Während das Wifo für 2023 österreichweit von einem Rückgang um rund fünf Prozent ausgeht, "rechnen wir mit einem Zuwachs von knapp über 20 Prozent und für 2024 wird eine weitere Steigerung um rund 39 Prozent erwartet", so Peter Dertnig, Landesinnungsmeister Bau Salzburg. Zu dem prognostizierten starken Anstieg im kommenden Jahr werden in erster Linie Aufträge des Landes Salzburg und der Asfinag beitragen. Vom Land rechnet man mit über 90 Prozent mehr Aufträge und bei der staatlichen Infrastrukturgesellschaft Asfinag mit einer Zunahme um über 50 Prozent im Vergleich zum heurigen Jahr.

Jetzt ist die Politik gefordert

Die heimische Bauwirtschaft hat einen großen Anteil am Bruttoinlandsprodukt und trägt wesentlich zur Sicherung von Arbeitsplätzen und der Kaufkraft in unserem Land bei. "Die sich abzeichnende Entwicklung ist derzeit im Hochbau besorgniserregend, wenn sie auch von einem sehr hohen Niveau ausgeht. Es gilt aber zu verhindern, dass der so wichtige Konjunkturmotor der Salzburger Bauwirtschaft stärker 'ins Stottern´ kommt. Wir richten daher an die Landes- und Kommunalpolitik sowie die Gemeinnützigen Wohnbauvereinigungen den Appell, uns bei unseren Forderungen entsprechend zu unterstützen", so Landesinnungsmeister Dertnig. Ein Alarmzeichen ist auch der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Jahr 2023 nach den Rückgängen 2021 und 2022.

KIM Verordnung lockern

Um privaten Darlehensnehmern den Erwerb einer Eigentumswohnung wieder zu ermöglich, fordert die Bauwirtschaft schon seit längerem ein vorzeitiges Auslaufen der von der Finanzmarktaufsicht erlassenen KIM-Verordnung. Diese Restriktionen bei der Aufnahme von Krediten zum Kauf von Wohnungseigentum bzw. dem Bau eines Wohnhauses durch Private sind noch bis 30. Juni 2025 aufrecht. Damit ist es sogar für Familien mit gutem Einkommen praktisch unmöglich geworden, einen Kredit für die Finanzierung von Wohnraum zu bekommen. WKO Salzburg Präsident Peter Buchmüller fordert deshalb eine "bestmögliche Einflussnahme auf Bundesebene zur Lockerung der KIM-Verordnung, um insbesondere den Markt mit den privaten 'Häuslbauern´ und Wohnungskäufern, der im Moment komplett wegzubrechen droht, wieder zu beleben. Hier herrscht dringender Handlungsbedarf!"

Bei der KIM-Verordnung droht dringender Handelsbedarf

Peter Buchmüller, Wirtschaftskammer Salzburg Präsident

Peter Buchmüller, Wirtschaftskammer Salzburg Präsident
Peter Buchmüller, Wirtschaftskammer Salzburg Präsident

Zugleich fordert die heimische Braubranche eine praxisgerechte und möglichst rasche Neustrukturierung der Wohnbauförderung. "Eine effizient wirkende, unbürokratisch abwickelbare Wohnbauförderung ist die wesentliche Grundlage für den Wohnbau, sowohl im privaten als auch im öffentlichen Bereich. Wichtig ist in dem Zusammenhang auch eine volle Zweckwidmung der Wohnbaufördermittel", ist Dertnig überzeugt und ergänzt: "Derzeit herrscht ein eklatanter Mangel an Wohnungen. Es ist daher unabdingbar, dass ehestmöglich die nötigen Rahmenbedingungen geschaffen und die nötigen finanziellen Mittel zur Errichtung dieser Wohnungen zur Verfügung gestellt werden. Nur so kann verhindert werden, dass die Wohnungsnot in zwei oder drei Jahren noch größer wird. Durch die kontinuierliche Errichtung von Wohnbauten vermeidet man auch eine kurzfristige Überlastung der Bauwirtschaft."
Um gerade der heimischen mittelständischen Bauwirtschaft einen Impuls zu verleihen, plädiert WKS-Präsident Buchmüller für eine "KMU-gerechte Vergabepraxis für öffentliche Aufträge im Sinne des Fairnesskataloges mit besonderer Gewichtung auf dem Faktor Regionalität und Auswahlkriterien, denen regionale KMUs auch gerecht werden können."
Landesinnungsmeister Peter Dertnig geht noch einen Schritt weiter und fordert eine baustoffneutrale Ausschreibung öffentlicher Bauten: "Die Entscheidung für eine bestimmte Bauweise ist nach Vorliegen der Angebote unter Abwägung aller Kriterien bei der Vergabe zu treffen. Es kann und darf nicht sein, dass Land oder Gemeinden sich schon in der Ausschreibung auf einen Baustoff festlegen und damit einen Wirtschaftszweig komplett von der Angebotslegung ausschließen. Im Zuge der Angebotsprüfungen und anschließenden Vergabe sind dann die Entscheidungen nach ökologischen und nachhaltigen Kriterien zu treffen."
Letztendlich gibt es allerdings nur einen Weg aus der Krise: Die Umsetzung aller für 2024 geplanten baulichen Maßnahmen und Investitionen.

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