Konjunkturprognose

Österreich steuert auf eine Stagflation zu

Konjunktur
07.10.2022

Noch profitiert Österreich vom Konjunkturaufschwung im ersten Halbjahres 2022, aber nicht mehr lange. Sowohl Wifo als auch IHS rechnen für 2023 mit einem Null-Wachstum. Vor allem die Industrie wird besonders stark zu kämpfen haben.
Wifo und IHS rechnen für 2023 mit einem kräftigen Konjunkturabschwung und einem Null-Wachstum.

Laut Wifo-Prognose ist damit zu rechnen, dass der Konjunkturaufschwung in Österreich jäh endet. Im ersten Halbjahr 2022 befand sich die Wirtschaft noch in einer Hochkonjunktur-Phase, die bereits im Herbst 2022 begonnen hat. Mittlerweile setzt jedoch ein Abschwung ein. Die Indikatoren lassen vermuten, dass dieser Abschwung kräftig ausfällt.

Von der Konjunkturabschwächung sind sämtliche Wertschöpfungsbereiche betroffen. Doch das verarbeitende Gewerbe dürfte in eine Rezession schlittern. Vor allem die Industrie bekommt die exorbitanten Energiepreise besonders stark zu spüren. Dadurch wird die Gesamtwirtschaft in eine Stagnation gedrückt. Aber es ist insgesamt gesehen keine Rezession, wie Wifo-Direktor Gabriel Felbermayr bei der Pressekonferenz am 7. Oktober 2022 betonte. Gleichzeitig geht Felbermayr davon aus, dass die Industrie-Rezession nur sehr kleine Spuren am Arbeitsmarkt hinlassen wird.

Hohe Energiekosten immer problematischer

Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird 2022 voraussichtlich 4,8 Prozent wachsen. Da die Inflation jedoch auch 2023 hoch bleiben wird, steuert die heimische Wirtschaft erstmals seit den 1970er-Jahren auf eine Stagflation zu. Für 2023 rechnet das Wifo mit einem Null-Wachstum von  0,2 Prozent. Minimal optimistischer ist das Institut für höhere Studien (IHS), dass ein Wachstum von 0,3 Prozent erwartet. Für 2022 geht das IHS dagegen nur von 4,7 Prozent beim Wirtschaftswachstum aus.

„Die Rahmenbedingungen für Investitionen verschlechtern sich. Allgemein ist ein Wohlstandsverlust absehbar, der insbesondere in den gestiegenen Ausgaben für Energie gründet“, meint IHS-Direktor Klaus Neusser. Gesamtwirtschaftlich gesehen rechnet Neusser aber damit, dass Österreich nur mit ein paar Schrammen gut durch den Winter kommt.

Die Inflationsrate könnte 2023 sinken

Es sind vor allem die dämpfenden Einflüsse des internationalen Umfeldes, die sich stärker auf die Gesamtwirtschaft durchschlagen, allem voran die extrem gestiegenen Weltmarktpreise für Rohstoffe und Energie. Das halte den inländischen Preisauftrieb hoch und verursache Real-Einkommensverluste, die den privaten Konsum dämpfen. Dem entgegen wirken staatliche Konsumstützungsausgaben.

Die heimische Inflationsrate dürfte, so die IHS-Einschätzung, heuer im Jahresdurchschnitt 8,5 Prozent betragen und könnte 2023 auf 6,8 Prozent sinken. Das Wifo erwartet 2022 eine durchschnittliche Inflationsrate von 8,3 Prozent und für 2023 6,5 Prozent. Auf jeden Fall kann man für 2022 von Rekordwerten bei der Inflation reden, denn es gab in den letzten fünfzig Jahren nur in zwei Jahren eine ähnlich hohe bzw. höhere durchschnittliche Inflationsrate als heuer, nämlich 1974 (9,52 %) und 1975 (8,46 %). Der Grund dafür war die Ölpreiskrise.

Zusätzliche Belastungen des Budgets sollten aus Sicht des IHS aber vermieden werden, da einige der bereits gesetzten Maßnahmen, wie beispielsweise die Indexierung der Sozialleistungen, die Abschaffung der kalten Progression und die Strompreisbremse, im kommenden Jahr Wirkung zeigen sollten.