KSV1870

Betriebe scheitern an operativen Mängeln

Insolvenz
13.04.2021

Von: Redaktion Handwerk + Bau
Aktualisiert am 13.04.2021

Der Hauptgrund für Firmenpleiten in Österreich ist derzeit nicht die Corona-Krise. Auslöser sind zum Großteil operative Probleme. Mit Ende der Pandemie und dem damit verbundenen Stopp der staatlichen Förderungen werden aber zusätzlich viele Betriebe in finanzielle Turbulenzen geraten.

Seit über einem Jahr hat die Corona-Krise Österreich Wirtschaft fest im Griff. Durch die staatlichen Förderungen halten sich pandemiebedingte Insolvenzen aber in Grenzen. Seit dem ersten Lockdown im vorigen Jahr ist die Pandemie nur für knapp 14 Prozent der Firmenpleiten verantwortlich.

Operative Mängel sind Haupttreiber

Nach wie vor sind vor allem operative Ursachen der häufigste Auslöser für betriebliche Insolvenzen in Österreich. Der Anteil liegt derzeit bei 39 Prozent, was gegenüber 2019 ein kleines Minus von 3,5 Prozent bedeutet. Zu den operativen Mängeln zählen Absatz- und Finanzierungsschwächen, eine schlechte Kostenstruktur aufgrund einer fehlerhaften Organisation, mangelndes Controlling und Fehler in der Auswahl oder Führung von Mitarbeitern. Erst auf Platz zwei der Insolvenzgründe rangieren mit 19 Prozent „Unbeherrschbare Umstände“,  in denen mit knapp 14 Prozent auch die Firmenpleiten aufgrund der Corona-Krise enthalten sind. Natürlich tritt die Pandemie zum Teil als Beschleuniger von Insolvenzen in Erscheinung, deren ursächliche Gründe aber eigentlich andere sind.

Ein Faktor, der zahlreiche Betriebe in die Insolvenz schlittern lässt, sind mit etwas mehr als 17 Prozent (2019 waren es 20,9%) gravierende Gründungsfehler seitens der Unternehmer selbst. Hier sind vor allem fehlendes Branchen-Know-how, das Fehlen jeglicher Eignung als Unternehmer oder zu geringes Eigenkapital zu nennen. Knapp dahinter auf Position vier rangiert mit knapp 15 % persönliches Verschulden bzw. Fahrlässigkeit. Zu dieser Kategorie zählen strafbare Handlungen, die Nachlässigkeit der Geschäftsführung oder zu hohe Entnahmen.

Rechtzeitige Sanierung statt Ruin

Strategische Ursachen für den betrieblichen Ruin sind im Gegensatz zu den Jahren davor mit derzeit knapp 6 Prozent (- 4,6% gegenüber 2019) etwas seltener geworden. Als Hauptgrund ist hier eine mangelhafte oder zu späte Reaktion auf etwaige Marktveränderungen zu nennen. Darüber hinaus sind externe Vorkommnisse (knapp 4 %) in Form von plötzlich auftretenden rechtlichen Änderungen, kurzfristig veränderten Finanzierungsrahmen oder einem zahlungsunfähigen Geschäftspartner weiterhin jene Ursachen, die in den seltensten Fällen zu einer Insolvenz führen.

Unabhängig der Ursachen appelliert der KSV1870 an finanziell gefährdete Unternehmen, sich frühzeitig mit den Möglichkeiten einer Sanierung zu beschäftigen und damit den vollständigen Ruin des Betriebes zu vermeiden. „Am Ende des Tages muss das Hauptaugenmerk darauf gerichtet werden, möglichst viele Jobs zu retten, um die Existenzgrundlage der Menschen nicht zu gefährden“, erklärt Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz. Außerdem geht es auch darum, dass nicht noch mehr Betriebe in eine finanzielle Instabilität geraten, die aktuell auf wirtschaftlich gesunden Beinen stehen. Das würde aus volkswirtschaftlicher Sicht eine weitere nachhaltige Schwächung des gesamten Wirtschaftsstandortes Österreich bedeuten.

Insolvenzen werden steigen

Dennoch: Der heimischen Wirtschaft geht es angesichts der anhaltenden Corona-Krise deutlich schlechter, als es die derzeitigen Insolvenzzahlen vermuten lassen. „Es ist zu erwarten, dass der Faktor Corona ab jenem Moment steigen wird, in dem die staatlichen Hilfsgelder ein Ende finden. Spätestens ab diesem Zeitpunkt müssen auch jene Unternehmen der finanziellen Realität ins Auge blicken, die aktuell künstlich am Leben gehalten werden“, so Götze. Dann wird für viele Betriebe der Schuldenberg nicht mehr zu stemmen sein und es besteht vielerorts die Gefahr einer vollständigen Liquidation. (ar)