Interview

Laufen Austria: "Das kann sonst keiner"

Sanitär
20.04.2022

Im Gespräch mit dem Fachmagazin GEBÄUDEINSTALLATION erklärt das Laufen Austria Management nicht nur, welches Alleinstellungsmerkmal ihre Armaturen halten, sondern beantwortet auch Fragen zu seiner Unternehmensstrategie.
Christian Babinetz (Produktmanager Armaturen, links) Michael Bauer (Verkaufsleiter) und Christian Schäfer (Vorstand, rechts)
Christian Babinetz (Produktmanager Armaturen, links) Michael Bauer (Verkaufsleiter) und Christian Schäfer (Vorstand, rechts)

Laufen hat einen weltweit ausgezeichneten Ruf als Keramikhersteller. Bei Armaturen denkt man jedoch nicht sofort an Ihr Haus. Was haben Sie vor, damit sich dies ändert?

Michael Bauer (Bildmitte): Keramikprodukte zählen zweifelsfrei zu unseren Wurzeln. Wir haben uns jedoch in den letzten Jahrzehnten längst als Komplettbadanbieter positioniert. Schließlich bieten wir in nahezu allen Badezimmerbereichen entsprechende Produkte an – sowohl hinter der Wand, als auch davor. Und im Gegensatz zu vielen anderen Marktteilnehmern produzieren wir die meisten unserer Produkte in unseren eigenen Werken. Wir sind also keine Händler sondern verfügen über Herstellerkompetenz – auch bei unseren Armaturen. Sie werden in unseren Schweizer Werken (Anmerkung: Arwa, SimilorKugler, Sanimatic) seit diesem Jahr alle mit Laufen gebrandet. Denn unser zentrales Asset ist das langjährige Vertrauen der Konsument*innen und Handwerkspartner*innen in unsere Marke. Dieses Vertrauen in unser Qualitätsversprechen überträgt sich natürlich auf das gesamte Portfolio – vom Vorwandsystem über unsere Keramik und Badmöbel bis hin zu den Armaturen. Zudem sind wir in diesen Bereichen streng dem dreistufigen Vertrieb verschrieben.

Christian Babinetz (links im Bild): Der Armaturenmarkt ist bekanntlich übersättigt. Es hat also niemand auf einen weiteren Hersteller gewartet. Doch unsere Armaturen sind Teil unseres Gesamtkonzeptes. Neben den bereits erwähnten Argumenten gilt die harmonische Perfektion eines einheitlichen Designs, das sich in allen Badezimmerprodukten widerspiegelt, als zentrales Kaufargument sowohl bei Endkonsument*innen als auch bei Planer*innen und Architekt*innen.

Christian Schäfer (rechts im Bild): Wir haben sämtliche Vorteile unserer Armaturen in unserem neuen umfassenden Armaturenkatalog zusammengefasst und mit zahlreichen Fotos und Gestaltungsbeispielen ergänzt. Er ist dieser Tage druckfrisch erschienen. In den einzelnen Bäder-Schauräumen werden unsere Komplettbäder selbstverständlich inklusive der passenden Armaturen präsentiert. Werblich begleiten wir unsere Armaturenkollektionen mit speziellen Anzeigensujets bevorzugt in Architektur- und Designmedien. Außerdem sind das ganze Jahr über Google-Ads-Kampagnen geplant.

Was muss man als "Neuer" bieten, um am Armaturenmarkt rasch signifikante Erlöse einfahren zu können?

Babinetz: Ganz so neu sind wir ja nicht. Schließlich bieten wir unsere Armaturen bereits seit sechs Jahren in Österreich an. Und in Wirklichkeit verfügen wir sogar über eine 150jährige Armaturenkompetenz, da unsere Schweizer Armaturen-Töchter auf eine lange Tradition zurückblicken können. Unsere Installateurpartner*innen kennen also das Armaturenportfolio. Und sie wissen, dass wir als einziger Anbieter am Markt keramikserienübergreifend die passenden Sanitärarmaturen anbieten können. Das kann sonst keiner. Wir sind also viel breiter aufgestellt, als jeder andere Marktbegleiter. Gemeinsam mit unserem umfassenden Service sind das Argumente, die für sich sprechen.

Bauer: Während wir in Österreich von vielen Menschen vor allem als Hersteller mit Keramikkompetenz gesehen werden, ist dies in der Schweiz auch im Bereich der Bad- und Küchenarmaturen gegeben. Dort waren unsere Armaturen bislang unter den Marken Similor, Arwa und Kugler bekannt. Seit diesem Jahr werden alle Armaturen auch in der Schweiz unter dem Markendach von Laufen geführt.

Schäfer: Unser Ziel bzw. unsere Strategie mit unserem Armaturensortiment ist es nicht, kurzfristig schnell zu wachsen, sondern unsere Kunden*innen vielmehr langfristig zu gewinnen, durch die hohe Qualität unserer Produkte, unterstützt durch unseren direkten Service vor Ort, und das zu einem einzigartigen Preis-Leistungs-Verhältnis. Das ist jene Strategie, die uns auch bisher Erfolg gebracht hat.

Was sehen Sie als zentrales Kaufargument, warum Kund*innen zu Laufen-Armaturen greifen sollten?

Bauer: In einem Satz zusammengefasst: Wir produzieren selbst – die Keramik und die Armaturen kommen oft sogar vom selben Designer. Ein besseres Argument für ästhetische Badplanung, die über eine sehr lange Zeit viel Freude bereitet, kann es nicht geben.

Dieselbe Frage - jedoch mit dem Fokus auf Architekt*innen/Planer*innen: Was antworten Sie denen auf die Frage, warum sie Laufen-Armaturen in ihre Projekte einbeziehen sollten?

Babinetz: Im Kern ist es die gleiche Antwort: Alles aus einer Hand – alles von einem Hersteller. Außerdem stimmt das Verhältnis von Qualität und Preis. Wir sind sozusagen ein One-Stop-Shop mit dem Qualitätsversprechen einer traditionsreichen Marke, auf die man sich seit 1892 verlassen kann.

Wie sieht es mit Garantie, Ersatzteilen & Co aus - also all den Dingen, die für Installateur*innen besonders interessant sind?

Bauer: Unsere fünfjährige Garantie auf Armaturen geht weit über die gesetzlichen Vereinbarungen hinaus. Sie wurde bereits vor langer Zeit für die Marke Laufen mit der Bundesinnung vereinbart. Unsere Armaturen und selbstverständlich auch deren Ersatzteile sind in unserer Zentrale in Wilhelmsburg lagernd und auch über den Großhandel verfügbar. Zudem verfügen wir über ein schlagkräftiges After-Sales-Team. Es ist somit alles vorhanden, was zur Vertrauensbildung in eine Armaturenmarke erforderlich ist.

In welcher Preisrange befinden sich Ihre Armaturen?

Schäfer: Unsere Armaturen bewegen sich von "preisbewusst" bis in den vergleichsweise mittelhohen Bereich. Auf den Punkt gebracht: Die Breite des Armaturensortiments ist ähnlich der unserer Keramik-Preisgestaltung.

Am Keramiksektor arbeiten Sie traditionell mit international renommierten Designer*innen zusammen. Bekommen diese jetzt also ein erweitertes Aufgabengebiet von Ihnen?  

Bauer: Jene Armaturen, die wir am besten verkaufen, sind stets von Designern gemacht und serienübergreifend ausgelegt. Bei uns gibt es im Übrigen keinen Creative Director oder hauseigene Designabteilung. Dies war für uns eine ganz bewusste Entscheidung, um nicht "betriebsblind" zu werden. Es sind also bei uns immer externe Designer*innen, die sich für die Gestaltung unserer Serien verantwortlich zeichnen. Somit sind all unsere Produkte Designerware.

Mit speziellen Beschichtungen sorgen Sie bei Ihren Keramikprodukten für einen hohen Hygienestandard sowie leichte Pflege. Wie sieht dies bei Ihren Armaturen aus?

Babinetz: Die Verchromung gilt schon von Haus aus als dankbare Legierung für die Pflege. Im Unterschied zu anderen Anbietern verfügen unsere Armaturen jedoch über eine deutlich höhere Verchromungsdicke. Unsere beliebten PVD-Beschichtungen werden übrigens zusätzlich auf die bestehenden Chromlegierungen aufgetragen. Um dem besonderen Hygieneaspekt in sensiblen Bereichen gerecht zu werden,  bieten wir auch berührungslose Armaturen an.

Welche Farben sind derzeit bei Sanitärarmaturen im Trend?

Bauer: Chrom gilt seit jeher als Standardfarbe bei Armaturen und hält somit den größten Anteil. Doch die Farben Schwarz, Anthrazit oder Edelstahl sind aktuell absolut im Trend mit stark steigendem Absatz. Auch die Sonderfarben wie Rosé oder Gold werden derzeit immer beliebter.

Bekanntlich sind Kalkflecken auf Armaturen eines der zentralen Ärgernisse für Konsument*innen. Sind hier dunkle Farben nicht eher im Nachteil?

Babinetz: Als Analogie dazu brauchen Sie sich nur auf den Straßen umzusehen, wie viele schwarze oder dunkle Autos unterwegs sind – obwohl diese bereits nach kurzer Zeit in die Waschstraße müssen. Jeder, der sich für eine dunkle Farbe entscheidet, weiß wie er damit umzugehen hat. Generell lässt sich aber auch im kompletten Einrichtungsbereich ein Trend zu dunklen Farben erkennen. Das beschränkt sich nicht nur auf das Badezimmer.

Inwieweit fließen bei der Entwicklung von Keramik-Produkten die Gegebenheiten Ihrer Armaturen in die Gestaltung ein?

Schäfer: Wenn wir neue Produkte entwickeln, dann tun wir dies aus einer ganzheitlichen Betrachtung heraus und stellen dadurch sicher, dass alle Produkte einer Serie, d.h. von der Keramik über die Armaturen, Möbel und Accessoires, bis hin zu den Badewannen  aufeinander abgestimmt sind. So zum Beispiel bei den Serien "The New Classic" oder "VAL". Gleichzeitig versuchen wir jedoch, die Armaturendesigns möglichst generisch zu halten, damit diese auch serienübergreifend problemlos einsetzbar sind. Deshalb erfährt beispielsweise unsere Armatur aus der "LaufenKartell"-Serie so großes Gefallen mit einer entsprechend starken Absatzentwicklung.

Der Preis für Messing hat sich im letzten Jahr nahezu verdoppelt. Wie wirkt sich dies auf Ihre Produktion bzw. Ihre Preisgestaltung aus?

Schäfer: Natürlich ist die momentane Verteuerung der Rohstoffe ein Thema, jedoch nicht nur für uns, sondern für die gesamte Branche. Dennoch bleiben wir bei den erforderlichen Preiserhöhungen relativ moderat, da der Kostenanteil des Rohstoffs Messing im Verhältnis zu den gesamten Produktionskosten überschaubar ist. Den Bärenanteil hält nach wie vor die Arbeitsleistung, da für unsere hohe Qualität nach wie vor viel Handarbeit notwendig ist.

Inwieweit spielen die aktuellen Montageengpässe im Handwerk beim Absatz Ihrer Armaturen eine Rolle?

Bauer: Wir haben in vielen Bereichen unsere Produktionskapazitäten ausgebaut – auch bei Armaturen. Die aktuelle Nachfrage können wir derzeit also gut bedienen. Wir haben aufgrund unserer vorausschauenden Kapazitätsplanung auch in der Vergangenheit die vereinbarten Lieferzeiten großteils einhalten können. Unser Standardsortiment ist im Großhandel ausreichend eingelagert und somit tagesaktuell verfügbar.

In China läuft der Post-Corona-Aufschwung bereits in vollem Umfang an. Liefern Sie Ihre Armaturen auch nach Asien? In welchen Gebieten sind Sie generell mit Ihren Armaturen präsent?

Schäfer: Der Hauptabsatzmarkt unserer Armaturen liegt nach wie vor in der Schweiz – dort sind wir seit jeher unangefochten Marktführer im Bereich der Armaturen – wie auch bei der Keramik.  Doch auch in Österreich sehen wir mit unseren Armaturen großes Potenzial, da der österreichische Kunde – ähnlich wie der Schweizer – einen sehr hohen Qualitätsanspruch aufweist und insbesondere auch auf lokal regionale Produktion vertraut. Somit wollen wir in den kommenden Jahren unser Armaturengeschäft zu einer weiteren, tragenden Säule machen -  ähnlich wie wir dies bereits bei unseren Traggestellen, Möbeln oder der Keramik getan haben. Ganz generell sind wir im gesamten "D.A.CH-Raum" sehr gut unterwegs. D.h. um auf Ihre Frage zurückzukommen, auch wenn wir nach wie vor sehr stark im DACH-Raum unterwegs sind mit unseren Armaturen, liefern wir natürlich auch nach China, denn auch die Chinesen schätzen hohe Qualität.

Bauer: Ein Thema, das noch ein bisschen unter dem Radar läuft, sind Küchenarmaturen. Das wird spätestens ab 2023 für uns in Österreich ein großes Thema sein. Küchenarmaturen werden mit hoher Wahrscheinlichkeit als Gamechanger unsere Strategie in Österreich mitbeeinflussen.

Warum erst 2023?

Schäfer: Wir haben viel vor, wollen aber auch bei den Armaturen unserer Devise treu bleiben und nicht einfach nur ein Produkt auf den Markt bringen, sondern ein Gesamtpaket liefern, was neben der hohen Verfügbarkeit beim Handel auch einen hervorragenden Service bedingt. Dies braucht eine gute Vorbereitung mit umfangreichen Vorarbeiten, auf die wir uns zur Zeit konzentrieren.

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