Zahlungsfähigkeit

5 Tipps einem Konkurs zu entgehen

Mit Mitte des Jahres droht eine Pleitewelle. Finanzexperte Peter Androsch verrät, wie Betriebe ihre Liquidität verbessern und so einen Konkurs vermeiden können.

22.02.2021
Liquidität
Redaktion Handwerk + Bau
© Getty Images
Der beste Schutz vor einem Konkurs ist die Verbesserung der Zahlungsfähigkeit.

Seit dem März 2020, also dem ersten behördlich verfügten Lockdown, hat die Anzahl der eröffneten Insolvenzen in Österreich sukzessive abgenommen. Laut Statistik des Alpenländischen Kreditorenverbandes (AKV) gab es im vergangenen Jahr um 41,4 Prozent weniger eröffnete Firmeninsolvenzen. Grund dafür sind die staatlichen Coronahilfen und zusätzlichen Schutzmaßnahmen wie Stundungen, Stopp der Insolvenz-Anträge seitens der öffentlichen Hand und die Corona-Kurzarbeit.

Aufgrund des extremen Rückstaus an Insolvenzen erwartet der Alplenländische Kreditorenverband daher eine Insolvenzwelle - ungewiss ist lediglich, wann diese Welle losbrechen wird. Man rechnet jedoch damit, dass es spätestens in der zweiten Jahreshälfte 2021 sein wird. Über das Ausmaß gibt es seitens des AKV keine Einschätzung.

Aufbau von Liquidität

Finanzexperte Peter Androsch, Geschäftsführer des Austrian Credit Insurance Counsel (A.C.I.C.), rät daher nicht nur angeschlagenen, sondern auch soliden Betrieben zum Aufbau von Liquidität: „Niemand sollte sich zu sehr auf den Staat oder die Kulanz der Banken verlassen.“  Er sieht ungeahntes Cash-Potential in den Lieferforderungen sowie den Verbindlichkeiten, und hat 5 Tipps für Unternehmen, wie sie sich gegen eine mögliche Insolvenz schützen können.

1. Keine neuen Schulden aufnehmen

„Bankkredite sind aufgrund der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank zwar historisch günstig, aber diese muss man aufgrund des unsicheren Umfelds erst einmal bewilligt bekommen und in weiterer Folge natürlich auch abstottern“, mahnt Peter Androsch. Bei Liquiditätssorgen sollten die Unternehmen daher nicht immer sofort reflexartig an die Aufnahme neuer Kredite denken, denn dadurch werde die Misere nur noch größer. Vor allem bei Unternehmen, die weiter relativ solide Umsätze generieren, schlummert in den Bilanzen oft Liquiditätspotenzial, dem in der Praxis meist viel zu wenig Beachtung geschenkt wird.

2. Liquiditäts-Potenzial in der Bilanz heben

Bei KMU entfallen im Schnitt mehr als 20 Prozent der Bilanzsumme auf Forderungen aus Lieferungen und Leistungen. Damit sind diese die größte Einzelposition auf der Aktivseite der Bilanz. Alle Unternehmen, die ihren Kunden laufend Zahlungsziele einräumen, tragen daher ein besonders hohes Risiko für Zahlungsausfälle, das daher unbedingt abgesichert werden muss. Umgekehrt ist derzeit in einigen Branchen schon einiges an Geschick notwendig, um von den Kreditversicherern noch neue Deckungszusagen zu bekommen.

3. Zahlungsausfälle absichern

„Probieren Sie einmal in der Textilbranche eine neue Kreditversicherung zu bekommen. Das ist derzeit bereits eine enorme Herausforderung“, erzählt Androsch. Wobei die Textilbranche nur die Spitze des Eisbergs ist. Anders ist die Situation hingegen in der Industrie, der Lebensmittelbranche und anderen Wirtschaftszweigen. Dort ist die Absicherung der Lieferforderung gegen Zahlungsausfälle weiterhin möglich. Das wird auch rege genutzt, weil es ein bewährtes Mittel ist, um das Risiko für die Unternehmen massiv zu begrenzen und dadurch den Wirtschaftskreislauf am Laufen zu halten.

4. Eigenkapitalquote erhöhen

„Wer eine Kreditversicherung abgeschlossen hat, kann im zweiten Schritt seine Forderungen laufend oder einmalig an Factoring-Banken übertragen und bekommt dafür sofort Geld. Sollte der Kunde die vom Unternehmen an die Bank übertragenen Forderungen nicht begleichen können, springt die Versicherung ein“, erklärt der Experte. Die durch den Forderungsverkauf generierte Liquidität kann in weiterer Folge unter anderem zur Begleichung eigener Verbindlichkeiten genützt werden. Das verkürzt die Bilanz, erhöht die Eigenkapitalquote und verbessert die Bonität.

5. Skonto trotz Zielkauf

Ein ähnliches Prinzip zur Liquiditätsgenerierung kann auch beim Einkauf von Waren genutzt werden. „Die Unternehmen bezahlen dabei ihre Waren wie gewohnt erst rund 60 Tage nach der Lieferung. Trotzdem können sie alle im aktuellen Niedrigzinsumfeld besonders attraktiven Skonti und Sofortzahlungsrabatte nutzen, weil eine Factoring-Bank das Geld vorstreckt und die Lieferanten sofort bezahlt. Eine Win-Win-Situation für alle Seiten“, rechnet der Experte vor. Bei Unternehmen mit hohen Lagerbeständen sollte zudem auch eine Lagerfinanzierung geprüft werden, weil dadurch weiteres Umlaufvermögen in Liquidität verwandelt werden kann. „Cash ist King. Wer jetzt möglichst viel davon aufbaut, der wird bei der sich anbahnenden Konsolidierungswelle nicht nur viele Übernahme-Gelegenheiten vorfinden, sondern diese auch tatsächlich nützen können, denn damit werden Finanzierungslinien frei für langfristige Engagements“, ist Androsch überzeugt. (ar)

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