Heizung

Marktübersicht Wärmepumpen

Heizungswärmepumpe
31.03.2021

Von: Redaktion Gebäudeinstallation
Aktualisiert am 24.03.2022
Rund acht von zehn der zuletzt knapp 30.000 in Österreich verkauften Heizungswärmepumpen waren Luft/Wasser-Wärmepumpen. Wir stellen eine Auswahl jener Modelle vor, deren Vorteile uns in diesem Jahr besonders aufgefallen sind (Update: 2022).
Waermepumpe
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Bekanntlich stellen Wärmepumpen im Neubau längst die dominierende Energie-Technologie beim Heizen dar - nicht erst seit Ausbruch der Gaskrise mit explosionsartigen Preiserhöhungen. Auch schon davor war jede vierte in Österreich verkaufte Heizung eine Wärmepumpe. Nicht zuletzt, da diese Technologie nun auch in Bestandsgebäuden zuverlässig funktioniert und ökologisch vorteilhaft ist (... neuerdings übrigens auch in Wohnungen von Mehrfamilienhäusern in Ballungsräumen. Nachzulesen hier: Wärmepumpen für Wohnungen). Zu diesem Ergebnis kommt unter anderem auch ein Forschungsprojekt des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE. In dessen Rahmen untersuchten die Wissenschaftler*innen die Funktionsweise in 56 bestehenden Gebäuden mit Wärmepumpen. Die Geräte lagen in Bezug auf CO₂-Emissionen im Vergleich zu Erdgas-Brennwertheizungen um bis zu 57 Prozent niedriger.

Wie auch im Neubau wird die Energie-Effizienz der Heizung maßgeblich von der erforderlichen Heizkreistemperatur beeinflusst, die aufgrund der unterschiedlichen spezifischen Heizwärmebedarfe und Wärmeübergabesysteme eine große Bandbreite aufweist. Das Wärmequelle-Monitoringprojekt lief über fünf Jahre, Projektpartner waren acht Wärmepumpenhersteller und drei Energieversorger.

Geringere Heizkreistemperaturen bei Wärmepumpen

Die maximal für das Heizen bzw. zur Warmwasserbereitung erforderlichen Vorlauftemperaturen lagen für die 27 Außenluft-Wärmepumpen im Durchschnitt bei knapp 44 Grad Celsius, bei den elf Erdreich-Wärmepumpen waren es etwas über 45 Grad Celsius (jeweils ohne Ausreißer)."Im Bestandsgebäudebereich werden oft die erforderlichen Heizkreistemperaturen im Normauslegungspunkt diskutiert, also die Heizkreistemperaturen bei äußerst geringen Außentemperaturen um minus zwölf bis minus 16 Grad Celsius", so Marek Miara, Koordinator Wärmepumpen am Fraunhofer ISE.

So bitterkalte Tage treten jedoch nur äußerst selten auf. "Ausschlaggebend für die Effizienz dieser Wärme sind daher vor allem die erforderlichen Temperaturen, wenn am meisten geheizt wird, also bei Temperaturen knapp über null Grad Celsius", erklärt der Wärmepumpen-Experte die Funktionsweise.

Wärmepumpen eignen sich auch in der Sanierung

Für Richard Freimüller, Präsident des Verbandes Wärmepumpe Austria, ist "die Wärmepumpe auch in der Sanierung zu 90 Prozent effizient einsetzbar". Welche Art der Wärme gewählt wird, ist von den örtlichen Gegebenheiten abhängig, und "die Vorlauftemperatur muss zur Wärmepumpe passen". Bei der Umrüstung der Heizung auf erneuerbare Energie ist der Experte "nicht um jeden Preis für die Installation einer Wärmepumpe", es gebe auch Ausschließungsgründe beim Heizen, wie ein Einleitersystem, das noch in vielen Altbauten zu finden ist. Ähnlicher Meinung ist Anton Berger, steirischer Landesinnungsmeister und Unisan-Geschäftsführer: "Die Wärmepumpe ist in all ihren Varianten eine ausgezeichnete Möglichkeit zur Raumheizung. Allerdings müssen die Rahmenbedingungen wie eine geringe Vorlauftemperatur stimmen, um die höchstmögliche Wärme-Effizienz zu erreichen."

Wärmepumpensysteme brauchen wenig Platz

"Mehrheitlich wird als erster Vorzug von erneuerbaren Heizsystemen der positive Einfluss auf unsere CO₂-Bilanz genannt. Die Gründe, die in der Praxis Menschen veranlassen, eine Wärmepumpe zu kaufen, sind aber sehr vielfältig", sagt Roland Kerschbaum, Vertriebsleiter bei Panasonic für Österreich und die Schweiz. Die Systeme brauchen wenig Platz (kein Heizraum, kein Brennstofflager), die Komplexität in der Hausplanung ist geringer (kein Kamin, keine Brandschutzauflagen, keine Zuleitungen von etwa Gasrohren durchs Grundstück), sie sind effizient im Betrieb sowie einfach zu warten. Auch die geringen Anschaffungskosten für Heizung und Warmwasserbereitung sind ein Vorteil. Durch die Varianten Monoblock und Split, die Möglichkeit zur Innen- und Außenaufstellung, integrierte oder zurüstbare Warmwasserbereitung und Kühlfunktion ebenso wie die Integrierbarkeit in andere Energiegewinnungssysteme (Stichwort PV) ist eine hohe Flexibilität gegeben.

Die Umwelt als Wärmequelle für Wärmepumpen

Die Hauptenergiequelle der Wärmepumpe ist die Umgebungswärme, entsprechend den Wärmequellen unterscheidet man zwischen Sole-Wasser-(Erdwärme), Wasser-Wasser-(Grundwasser) und Luft-Wasser-WP. Zudem gibt es Luft-Luft-Wärmepumpen, die ausschließlich im Passivhaus zum Einsatz kommen. "Bis vor zehn Jahren war die Erdwärmepumpe mit Flächenkollektoren die am weitesten verbreitete Variante", sagt Richard Freimüller. Durch die Verknappung von Baugrund und die Qualitäts- bzw. Effizienzsteigerung bei Luft-Wasser-Wärmepumpen hat sich das Verhältnis stark verändert, der Marktanteil der Luft-Wasser-Systeme liegt derzeit bei über 70 Prozent. Das heißt, dass bald drei von vier in Österreich neu installierten Heizungswärmepumpen inklusive Wohnraumlüftungs-Wärmepumpen die Wärmequelle "Luft-Wasser" nutzen. Der am häufigsten nachgefragte Leistungsbereich beim Heizen und zur Warmwasserbereitung liegt dabei zwischen fünf und zehn Kilowatt (kW). Die Vorteile für diese gängigste Variante sind vielfältig: Luft ist überall unbegrenzt vorhanden, die Anschaffungskosten vergleichsweise niedrig, die Installation einfach, und die Leistungswerte werden durch technische Entwicklungen laufend besser. "Die Technologie der Luft-Wasser-Wärmepumpen hat in den letzten Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht. Seit einigen Jahren erobert diese Heizung durch die gute Nachrüstbarkeit auch den Sanierungsmarkt", sagt Roland Kerschbaum von Panasonic.

"Luft-Wasser-Wärmepumpen sind in den letzten Jahren noch effizienter geworden und verfügen daher über ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis beim Heizen. Die Installationskosten sind im Vergleich zu anderen Wärmepumpensystemen geringer, da keine Grab- oder Bohrarbeiten und grundsätzlich keine Genehmigungen notwendig sind", ergänzt Alexander Springler, Sales Manager Residential bei Daikin Österreich.

Erdwärme bei Wärmepumpen auf Platz zwei

An zweiter Stelle liegt das Sole-Wasser-System, das als Wärmequelle das Erdreich nützt. Dieses ist zwar sehr effizient, aufgrund der örtlichen Gegebenheiten jedoch nicht überall einsetzbar und bedarf eines größeren Aufwandes in der Vorbereitung - Stichwort Tiefenbohrung oder Flächenkollektoren. "Erdwärme hat aus meiner Sicht gerade im Großprojekt viele Vorzüge, welche genutzt werden sollten. Zumal hier auch eher Energie verschoben oder gespeichert werden kann", so Herstellervertreter Kerschbaum.

Für eine Heizleistung von rund fünf Kilowatt ist eine Bohrung in 70 bis 80 Meter ausreichend. Soll für die Heizung eine Leistung von an die zehn Kilowatt erreicht werden, braucht es zwischen 100 und 150 Metern im Erdreich. Was natürlich die Investitionskosten um einiges erhöht - und viele abschreckt. Ob eine Tiefenbohrung verboten ist, nur nach der Vorlage eines geologischen Gutachtens möglich ist oder genehmigungsfrei durchgeführt werden kann - alles ist in Österreich möglich - ist von Bundesland zu Bundesland bzw. teilweise sogar von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich geregelt und ist je nach Anlassfall zu erfragen. Ist eine Genehmigung aber einmal erteilt, gilt diese "auf ewige Zeiten", sagt Experte Freimüller.

Abgeschlagen im Ranking ist die Grundwasser-Wasser-Version: Im zweiten Quartal 2019 wurden 51 Stück verkauft, Luft-Wasser-Wärmepumpen gingen im gleichen Zeitraum 1.812 Mal "über den Ladentisch". Obwohl Wasser aufgrund seiner konstant hohen Temperatur eine sehr effiziente Energiequelle darstellt, ist die Verfügbarkeit - es geht zum Beispiel um einen konstanten Grundwasserspiegel - nur selten gegeben. Eine weitere Hürde stellt die behördliche Genehmigung dar, die in jedem Fall eingeholt werden muss. Diese wird in der Regel für 20 bis 25 Jahre erteilt, ein neues Ansuchen nach Ablauf dieses Grundkonsenses birgt ein gewisses Risiko in sich. "Ist eine Heizleistung von rund zehn Kilowatt gewünscht, wäre die Wasser-Wasser-Wärmepumpe grundsätzlich die effizienteste Lösung, da man die Temperatur am wenigsten anheben muss", so Richard Freimüller. Geht man von einer durchschnittlichen Temperatur des Grundwassers von plus zehn Grad Celsius aus, muss diese für eine Vorlauftemperatur von 40 °C nur um 30 °C angehoben werden.

Aktuelle Fördersituation für Heizsysteme

Für 2022 wurde der "Raus aus dem Öl"-Bonus neu aufgelegt. Alle Details zu dieser Förderung sind hier nachzulesen: "Raus aus Öl und Gas". Damit wird der Umstieg von einer alten Ölheizung auf ein umweltfreundliches Heizsystem mit bis zu 7.500 Euro gefördert. Zusätzlich gibt es Unterstützung vonseiten der Bundesländer, über die z. B. auf der Webseite vom Verband Wärmepumpe Austria informiert wird.

Fachkräftenachwuchs ist längst Wärmepumpenaffin

 "Das Ende von Öl- und Gasheizungen ist nicht aufzuhalten, daher beschäftigen sich die Fachleute auch intensiver mit den Vorteilen von Alternativen wie der Energie aus Umweltwärme und Biomasse", gibt sich Richard Freimüller überzeugt. Dass das Bewusstsein gestiegen ist, zeigt sich für den Experten nicht in der großen Nachfrage nach Zertifizierungen und Schulungen, sondern bereits in der Lehrlingsausbildung. Auch wenn die Lehrinhalte eher langsam an die aktuellen Bedingungen angepasst werden, ist der Nachwuchs stark sensibilisiert. "Ich halte seit einigen Jahren Vorbereitungskurse für die Installateur-Meisterprüfung in Oberösterreich. Und der Fachkräftenachwuchs ist hier sehr gut informiert, zukunftsfit und lässt sich immer besser in Sachen Wärmepumpe abholen."

Text: Gudrun Haigermoser & Christian Klobucsar

Wärmepumpenmarkt in Zahlen

Der Europäische Wärmepumpenmarkt wuchs 2019 in den 21 untersuchten EU-Staaten um über 1,6 Million Geräte, was einem Anstieg um 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Derzeit befinden sich mehr als 13,27 Millionen Wärmepumpen in Europa in Betrieb. Somit konnten 40,6 Megatonnen an Treibhausgas-Emissionen eingespart werden.

In Bezug auf die gesamte abgesetzte Stückzahl von 31.986 Anlagen lag Österreich 2020 an 13. Stelle im europäischen Ländervergleich. Diese teilen sich auf in 24.715 Heizungswärmepumpen, 6.721 Brauchwasserwärmepumpen sowie 237 Wohnraumlüftungswärmepumpen und 48 Industriewärmepumpen. In Österreich wurden 8,5 Wärmepumpen pro 1000 Haushalte verkauft.

Europaweite Spitzenreiter sind Norwegen und Finnland mit 41,7 bzw. 39 verkauften Wärmepumpen pro 1000 Haushalten.

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