Rohstoffknappheit

Rohstoffsituation prekär

Chemie
03.03.2021

Aktualisiert am 22.04.2021

Die Lackindustrie kämpft mit einer prekären Rohstoffsituation. Die Unternehmen der österreichischen Lack- und Anstrichmittelindustrie stehen seit Jänner 2021 wegen Preissteigerungen enorm unter Druck.

Eine aktuelle Verknappung sowie weltweit drastische Preissteigerungen führen besonders bei Epoxidharzen, einem wichtigen Bindemittel für Farben und Lacke, aber auch bei anderen Rohstoffen der Lackindustrie, zu Problemen. Logistische Schwierigkeiten verschärfen die Lage zusätzlich.

Die Zahl der Produktionsstätten von Epoxidharz ist weltweit begrenzt, wodurch Stör- oder gar Ausfälle schnell negative Auswirkungen auf den Rohstoffmarkt haben. Sicherheitstechnische Optimierungen und Neuaufsetzungen der Produktionsabläufe in asiatischen Epoxidharzproduktionen sowie ihren Zulieferfirmen drosseln aktuell die Verfügbarkeit des wichtigen Bindemittels. Die Berufsgruppe der österreichische Lackindustrie im FCIO berichtet, dass die Branche diese Verknappungen seit Dezember 2020 in Preissteigerungen bis zu 50 Prozent spürt, die Versorgungssituation ist mittlerweile sehr angespannt. Besonders bei Pulverlacken machen Kunstharze bis zu 60 Prozent der Rezepturen aus.

Durch einen länderübergreifenden Konjunkturaufschwung in Südostasien, allen voran China, kam es zusätzlich zu einem Anstieg bei der Nachfrage, wodurch die vorhandenen Rohstoffe gar nicht nach Europa exportiert werden, sondern bei den Bestbietern in Asien bleiben.

Mängel bei Transportkapazitäten verschärfen Lage

Wenn es einem Unternehmen gelingt, die erforderlichen Rohstoffe einzukaufen, ist der Transport das nächste Hindernis. Denn zu allem Überdruss herrscht momentan auch noch eine Containerknappheit, die die Exportkapazitäten stark einschränkt. Die Seefracht von Asien nach Europa ist dadurch so begrenzt, dass Importe aus Asien unzureichend und teuer werden.

Auch andere Rohstoffpreise gestiegen

Doch nicht nur Verknappungen bei Epoxidharzen belasten die Branche. Einzelne Lösemittel verzeichnen Preissteigerungen von über 100 Prozent innerhalb von zwei Monaten. Grund dafür sind Force Majeure-Fälle bei Produzenten von Basisprodukten. Ähnlich verhält es sich mit Isocyanaten. Auch Titandioxid, das wichtigste Weißpigment der Lackindustrie, ist von Verknappungen und Preisanstiegen betroffen, aus China kommen hier aktuell gar keine Importe.

Auch die Preise für Kunststoffe und Stahl steigen weiter, wodurch Verpackungen zunehmend teurer werden. Beim wichtigsten Rohstoff für die Bitumenemulsionsproduktion, dem Straßenbaubitumen, hat sich der Einkaufspreis zwischen Ende 2020 und April 2021 um zirka 50 Prozent erhöht. Gleichzeitig war die Verfügbarkeit nicht immer gegeben. Auch wichtige Zuschlagstoffe wie Polymere, Latex und Emulgatoren sind nicht immer kurzfristig verfügbar und aufgrund von Verknappungen ebenso einer Kostensteigerung unterworfen.
Diese Produkte müssen dadurch frühzeitig einkauft werden, womit sich zusätzliche Lagerkosten ergeben.

Rohstoffkosten sind für die Lack- und Anstrichmittelindustrie entscheidend, da sie mehr als die Hälfte der Produktkosten ausmachen. Die Mehrbelastung für die Branche wird zunehmend prekär. Obwohl die Preiserhöhungen teilweise schon am Markt weitergegeben werden mussten und die Unternehmen alle Effizienzpotenziale ausnützen, sieht der Verband momentan kein Ende der angespannten Lage.

In Kürze erste Preiseffekte bei Endprodukten

Georg Blümel, CEO der Synthesa-Gruppe

Eines der betroffenen Unternehmen ist die Synthesa-Gruppe, zu der die Unternehmen Synthesa, Capatect und AvenariusAgro gehören. Der oberösterreichische Produzent steht darüber hinaus vor einer ähnlichen Situation beim Rohstoff Polystyrol für die Dämmstoffplatten der Wärmedämmverbundsysteme. Um die Lieferfähigkeit zu gewährleisten hat Synthesa die eigenen Rohstofflager vorsorglich gut gefüllt. Anders sieht es jedoch bei den starken Kostensteigerungen aus.  Trotz kompensierender Maßnahmen werden sich bereits ab Ende März erste Preiseffekte bei Endprodukten wie Beschichtungsprodukten und Dämmstoffen abzeichnen, erklärt die Firmengruppe. Die Auswirkungen unterscheiden sind je nach Produktgruppe und chemischer Zusammensetzung. „Wichtig ist in diesen turbulenten Zeiten Verlässlichkeit. In den nächsten Monaten ist mit Preisanpassungen zu rechnen und bitten um Verständnis und entsprechender Vorsorge“, so Georg Blümel, CEO der Synthesa-Gruppe.

Kein Ende in Sicht

Ein Ende der weltweiten Rohstoffverknappung ist noch nicht absehbar. Europäische Fachleute sprechen sogar von einer prekären Rohstoffsituation, wie sie in jüngerer Geschichte noch nicht dagewesenen war. Er wird erwartet, dass sich die Versorgungslage über den Sommer 2021 noch zuspitzen wird. Viele Produzenten der Bauchemie sind gezwungen, trotz Ausschöpfen aller Rationalisierungspotentiale, die Preissteigerungen an ihre Kunden weiterzugeben. Den Unternehmen ist unter den gegebenen Umständen die Abgabe von verbindlichen Preis- oder Terminangeboten im Rahmen eines üblichen, die kaufmännischen Sorgfalt wahrenden unternehmerischen Risikos daher faktisch unmöglich, so der Fachverbands der Chemischen Industrie Österreich. (dd)

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