Starkregen

Eine Katastrophe – auch fürs Trinkwasser

Sanitär
09.08.2021

Von: Redaktion Gebäudeinstallation
Aktualisiert am 09.08.2021

Die kürzlich erfolgten Flutkatastrophen haben Spuren der Verwüstung hinterlassen. Auch bezüglich des Trinkwassers. Martin Taschl vom Forum Wasserhygiene mit einer Einschätzung des Status quo.

Hochwasser

Trinkwasser ist ein höchstsensibles Gut. Auf seinem gesamten Weg vom Einzugsgebiet für die Gewinnung bis zur Bereitstellung am Wasserhahn ist Sorgfalt geboten, um die Reinheit und Sicherheit dieses wichtigen Lebensmittels nicht zu gefährden. Dazu ist in der EU-Trinkwasserrichtlinie ein umfassendes Risikomanagement vorgesehen.

Bislang gab es keinen Anlass, dieses Risikomanagement auf Katastrophenfälle wie diese auszulegen. Die unvorstellbaren Wassermassen haben die Landschaft unterspült, Oberflächengewässer und Kläranlagen überflutet und alles mitgerissen, was sie erfasst haben. Entstanden ist ein gefährlicher Cocktail mit toxischen und krebserregenden Substanzen sowie Krankheitserregern. Gelangt dieser Cocktail auf welchem Weg auch immer in die Trinkwasser­installation, ist das Wasser für den menschlichen Gebrauch nicht mehr geeignet.

Wochenlanger Trinkwasserengpass

Bei außergewöhnlichen Ereignissen wie im Juli kann es durch die gewaltigen Schäden an der Infrastruktur dazu kommen, dass bereits das vom Versorger angelieferte Trinkwasser kontaminiert ist. In einem ersten Statement äußerte die Bürgermeisterin von Altenahr (Deutschland) die Befürchtung, dass es in einigen Orten vielleicht über Wochen oder sogar Monate kein Trinkwasser geben könnte. Diese Befürchtungen bestätigen Erfahrungen vom Hochwasser 2002 in Deutschland, Tschechien und Österreich, bei dem noch drei Monate nach dem Hochwasser eine unsichere Rohwasserqualität festgestellt wurde.

Im Falle einer Eigenwasserversorgung reichen mitunter bereits kürzere Starkregenschauer, um eine Kontamination auszulösen. Wenn Keller oder andere Gebäudeteile unter Wasser stehen, können Krankheitserreger, Giftstoffe und Schmutzpartikel über die überfluteten Bauteile in die Hausinstallation eindringen. Ganz besonders betroffen sind Bauteile mit Öffnungen für Abläufe, Überläufe, Belüftungen und Entlüftungen (zum Beispiel Systemtrenner, Sicherheitsventile).

Auf Baustellen und in Lagerhallen kann es auch vorkommen, dass noch nicht fertiggestellte oder gelagerte Bauteile für Trinkwasserinstallationen überflutet werden. Unabhängig davon, auf welchem Weg die Überflutung erfolgt ist und welche Bauteile mit dem Hochwasser in Kontakt gekommen sind: In jedem Fall ist größte Vorsicht geboten! Neben der Kontamination des Trinkwassers können auch Korrosionsprozesse an Rohren und Bauteilen verursacht 
werden.

Verbindliche Informationspflicht

Gemäß der Trinkwasserverordnung ist der Wasserversorger zu unverzüglicher Information verpflichtet, wenn keine uneingeschränkte Trinkwasserqualität bereitgestellt wird. In diesem Zusammenhang hat er auch auf etwaige Vorsichts- und Behandlungsmaßnahmen hinzuweisen wie beispielsweise Nutzungsbeschränkungen oder Abkochen bei Siedetemperatur, die zumindest drei Minuten gehalten werden muss.

Dennoch sollte unbedingt mit dem Wasserversorger Rücksprache gehalten werden, welche Informationen ihm über eine Kontamination des von ihm bereitgestellten Wassers bekannt sind. Je nach Ausmaß und Art der Überflutung kann es darüber hinaus sinnvoll sein, Beprobungen aus der Hausinstallation vorzunehmen, um sich einen Überblick über mögliche chemische und mikrobiologische Belastungen zu verschaffen. Danach ist die Hausinstallation vollständig zu entleeren.

Lückenlose Spülung des Systems

Nach Abschluss der erforderlichen Instandsetzungs­arbeiten sollte wie im Zuge der Errichtung eine Spülung der gesamten Hausinstallation nach Abschnitt 5.5 der ÖNORM B 2531:2019, beginnend vom Hausanschluss weg, vorgenommen werden. Um negative Auswirkungen durch Stagnation zu vermeiden, ist der regelmäßige Wasseraustausch durch einen provisorischen Betrieb sicherzustellen, sobald die Hausinstallation wieder mit Wasser befüllt ist. Vor der tatsächlichen Inbetriebnahme sollte eine mikrobiologische Beprobung durch ein akkreditiertes Labor erfolgen. Nach einer Überflutung ist die Kontrolle auf Escherichia coli, coliforme Bakterien, Enterokokken sowie auf Pseudomonas aeruginosa besonders wichtig. Bei Wertüberschreitung sollte – wie in Abschnitt 16.8 der ÖNORM B 5021:2020 beschrieben – die Ursache der mikrobiologischen Belastung ermittelt, nach Möglichkeit beseitigt und im Anschluss daran eine Systemdesinfektion vorgenommen werden. Wenn der Nachweis vorliegt, dass das Trinkwasser mikrobiologisch unbedenklich und die Hausinstallation fit ist, kann der reguläre Betrieb wieder aufgenommen werden.

Lokale Starkregen nehmen zu

Seit 1960 zeigt der Temperaturtrend in Österreich klar nach oben, 2010 gab es das letzte kühlere Jahr. Für die nächsten Jahre heißt das: Die Jahresniederschläge werden in etwa gleichbleiben, lokale Starkregen und Überflutungen werden zunehmen. Diese Naturgewalten werden uns wohl weiterhin zu schaffen machen. Wahrscheinlich muss das bestehende Risikomanagement überdacht werden. 

Branchen
Haustechnik