Klima

Wachsender Markt für Luftreinigungssysteme

Zukunftsforscherin und Wohnexpertin Oona Horx-Strathern analysiert in ihrem neuen „Home Report“ die wichtigsten Trends für Architektur, Bauen und Immobilien und geht dabei unter anderem auch auf das Thema Raumluft ein. Nachfolgend ein (gekürzter) Auszug dieses Kapitels.

17.12.2020
Raumlüftung
Redaktion Gebäudeinstallation
© GettyImages

Leider lässt sich feststellen, dass die Außenluft – auch in den Städten – häufiger gesünder ist, als die Luft in den Innenräumen. Das hat jedoch weniger mit mangelnder (Innenraum-)Hygiene zu tun als mit Schadstoffen, die in Gemäuern, Möbeln und sonstigen Baumaterialien sowie allerlei technischen (Haus-)Geräten stecken. Es ist also höchste Zeit, die Wohngesundheit vor allem in Hinblick auf die Verbesserung der Luftqualität zu fördern.

Luftqualität analysieren

Das Sick-Building-Syndrom ist ein von der WHO anerkanntes Phänomen, bei dem die Bewohner eines Gebäudes Krankheitssymptome vorweisen, die auf eine gesundheitsschädliche Situation, verursacht durch die schlechte Luftqualität des Wohnraums, zurückzuführen sind. Zudem lässt sich nachweisen, dass schlechte Qualität der Raumluft zu einer verminderten Produktivität führt und die Lernbedingungen in Schulen negativ beeinträchtigt. Eine Studie des Bundesamts für Gesundheit in der Schweiz zur Luftqualität in Schulzimmern ergab beispielsweise: „In rund zwei Dritteln der Schulen ist die Luftqualität ungenügend“ (BAG 2019). Schüler können sich schlechter konzentrieren und ihre Leistungen lassen nach. Im European Lung White Book findet sich die Schätzung, dass zwischen 1,5 und 2 Millionen Todesfälle weltweit auf schlechte Raumluftqualität zurückzuführen sind.

Technische Lösungen für gesunde Luft

Es ist nicht verwunderlich, dass sich Luftreinigungsgeräte einer wachsenden Beliebtheit erfreuen. Zwar macht der Markt in China aufgrund der schlechten Luftqualität in den Städten einen Großteil dieses Anstiegs aus, jedoch gibt es auch auf dem westlichen Markt immer mehr Geräte. Unternehmen wie Betterair beanspruchen für sich, den „weltweit ersten organischen, probiotischen Luft-, Flächen- und Objektreiniger“ anzubieten. Es behauptet, dass seine Reinigungssysteme dort hinkommen, wo andere Geräte nicht hinkommen – nämlich dass sie in Objekte und Oberflächen eindringen können. Auch für Asthmatiker geeignet ist der TruSens, eine 360-Grad-Luftreinigung mit Feedback, die verspricht, die Luft zu überwachen und sauber zu halten. Luftreinigungssysteme wie Mila überzeugen nicht nur durch ihre Story – drei Väter aus Shanghai wünschten sich bessere Luft für ihre Kinder und gründeten aus diesem Grund das Start-up Mila –, sondern durch ihre Leistung: Es bietet „ein mehrstufiges Filtersystem“ und entfernt nach eigenen Angaben „nachweislich bis zu 99,97% der Schadstoffe wie Feinstaub, Allergene, Pollen, Formaldehyd und Haushaltsgerüche“. Kein Wunder also, dass auch das innovative Unternehmen Dyson einen Luftreiniger und Ventilator in einem für den persönlichen Gebrauch mit Namen Pure Cool Me auf den Markt gebracht hat.

Markt für Luftverbesserungsgeräte wächst

Die Auswahl von Air Purifiern wächst folglich stetig. Während ein Großteil der Versprechen und Claims von Luftreinigern für den Durchschnittsverbraucher verwirrend sein kann, ist es ebenso schwierig, den Nutzen dieser Geräte zu messen, insbesondere wenn es um gefährlichere Schadstoffe geht. Um die Verwirrung zu verringern, hat die US-Umweltschutzbehörde 2018 den Leitfaden „Residential Air Cleaners“ herausgegeben. In diesem als Metastudie angelegten Leitfaden wird zusammengefasst, dass in privaten Haushalten eingesetzte portable Luftreinigungsgeräte die Innenraumbelastung durch Grob- und Feinpartikel durchgehend signifikant reduzieren. Jedoch konnte eine Reduktion der Allergene im Staub nur teilweise und von gasförmigen Schadstoffen nicht konsequent nachgewiesen werden. Zudem zeigen die meisten Studien zwar einen Zusammenhang zwischen dem Einsatz von portablen Luftreinigungsgeräten und einer verbesserten Gesundheit der Bewohner, doch die Verbesserungen waren in der Regel gering.

Die komplette Ausgabe des Home Report "Zukunft des Wohnens und Bauens" von Oona Horx-Strathern kann zum Preis von 150,- Euro über die Website www.zukunftsinstitut.at bestellt werden.
(CK)

Haustechnik

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