Gewusst wie mit KI
KI ist angesagt. Auch am Bau. Doch viele Unternehmen wissen nicht, wo und wie sie anfangen sollen. Die ZAB bietet hier Unterstützung an.
„Wo können wir anfangen?“ Diese Fragen hört Georg Hanstein, Bereichsleiter für Digitalisierung und Innovation bei der Zukunftsagentur Bau (ZAB), sehr häufig, wenn es um das Thema KI geht. Die Erwartungen sind groß, aber die Baubetriebe wisse nicht so recht, wie sie das Thema angehen sollen. „Die Herausforderung liegt darin, sinnvolle Einsatzfelder zu identifizieren, ohne vorschnell Heilsversprechen zu machen. Wir müssen genau hinschauen, wo tatsächlich ein Nutzen entsteht“, meint Hanstein.
Studie zur KI am Bau
Die ZAB hat im vergangenen Jahr gemeinsam mit der Universität für Weiterbildung Krems eine Studie samt Praxistipps für den Einsatz von KI erstellt. Ihr Titel: „Anwendung von Künstlicher Intelligenz im Baugewerbe.“ Die Erhebung zeigt, dass die heimische Bauwirtschaft im internationalen Vergleich noch deutliches Aufholpotenzial hat, wenn es um den Einsatz von KI geht. Während in den USA, Japan oder den nordischen Ländern großflächige Pilotprojekte bereits Realität sind, stehen heimische Betriebe oft noch am Anfang. Doch genau darin liegt laut den Studienautor*innen auch eine Chance: Wer jetzt mit gezielten Projekten und Weiterbildungsinitiativen beginnt, kann Standards mitgestalten und eigene Lösungen entwickeln.
Um den Betrieben den Start zu erleichtern, startet die ZAB im April ein neues Projekt. Sie begleitet und berät Betriebe bei der Einführung von KI. „Ziel ist es, Pilotprojekte zu schaffen, die zeigen, wie der Einsatz konkret aussehen kann. Viele informieren sich, setzen aber noch nichts um. Wir wollen dabei helfen, dass sich das nun ändert“, so ZAB-Experte Hanstein.
Drei Dinge sind Hanstein zufolge besonders entscheidend, wenn ein Unternehmen mit KI starten will. Erstens brauche es eine Strategie – kein komplexes Konzept, aber zumindest ein klares Ziel. „Viele probieren KI-Tools aus und überlegen dann, wie sie sie im Betrieb nutzen können. Das geht oft schief, weil die Prozesse und Bedürfnisse im Unternehmen nicht mitgedacht werden“, erklärt er. Oft reiche bereits ein A4-Blatt, um Zielsetzung und Strategie im Umgang mit KI zu klären: Wo sie konkret unterstützen soll, welche Aufgaben sie erleichtert und welche Werkzeuge den Mitarbeiter*innen dafür sinnvoll zur Verfügung gestellt werden.
Nicht nur Chat GPT
Zweitens sollten Unternehmen seiner Ansicht nach nicht nur auf Tools wie Chat GPT schauen, sondern bestehende Möglichkeiten besser nutzen. Vor allem im Datenmanagement steckt viel Potenzial. „KI-Tools wie Microsoft Copilot können zum Beispiel auf vorhandene Datenablagen in Microsoft Sharepoint und One Drive zugreifen und konkrete Suchanfragen beantworten oder Aufgaben erledigen – ohne dass man neue Software kaufen muss“, meint Hanstein. Drittens ist das Thema Datensicherheit zentral. Wer KI-Systeme verwendet, müsse wissen, wo die Daten landen. Hanstein: „Ein abgeschottetes System, das nur mit internen Daten arbeitet, schützt vor Datenabfluss und rechtlichen Problemen.“
Bestehende KI-Tools von der Stange ermöglichen es Baubetrieben, relativ einfach Lösungen zu programmieren, die Ihnen den Arbeitsalltag erleichtern – beispielsweise ein System, das nur auf angegebene Quellen aus öffentlich zugänglichen Dokumenten wie die Bauordnungen und OIB-Richtlinien zugreift. Per App können die Bauleiter*innen Informationen abfragen, diesie auf der Baustelle benötigen. „Man stellt eine Frage, etwa zur Gangbreite, und bekommt eine verlässliche Antwort mit Quellenangabe zur Prüfung der Richtigkeit“, betont Hanstein. Technisch basieren solche Systeme auf vorhandenen Tools wie Google Notebook LM oder geschlossenen SharePoint-Umgebungen. Das Schöne: Dafür ist kein großer IT-Aufwand nötig.
Ein weiteres Beispiel betrifft den Alltag im Büro. KI kann Termine automatisch im Kalender eintragen, Texte strukturieren oder E-Mails kategorisieren. Das klingt simpel, zeigt aber, wie sehr KI bereits in gängigen Tools integriert ist – oft, ohne dass es den Usern bewusst ist. „Schon heute verwenden viele Mitarbeiter*innen KI, ohne es zu merken“, so Hanstein. Genau deshalb sei es wichtig, ein grundlegendes Verständnis für die Technologie zu schaffen.
Der rechtliche Rahmen dafür ist mit dem EU-AI-Act seit 2. August 2024 in Kraft. Seit dem 2. Februar 2025 müssen alle Mitarbeiter*innen, die KI im Rahmen ihrer Tätigkeit nutzen – selbst wenn es sich nur um Kalenderfunktionen handelt – eine Teilnahmebestätigung an einer entsprechenden Schulung vorweisen können. Das gilt für alle Unternehmen in der EU. „Das ist vielen nicht bewusst. Es geht nicht um eine Prüfung, sondern um den Nachweis, dass man über Risiken, Datenschutz und Systemtypen informiert wurde“, erklärt ZAB-Experte Hanstein. Eine zweistündige Schulung reicht dafür meist aus. Die ZAB bietet gemeinsam mit den Bauakademien in Österreich solche Schulungen unter dem Namen „KI-Führerschein“ kostenlos an.
Sieben Regeln für den KI-Einsatz:
Der strukturierte Einsatz von KI im Betrieb wird mit dem EU-AI-Act zur Pflicht. Diese sieben Regeln helfen Ihnen dabei, KI im Betrieb sinnvoll einzusetzen.
- Einen Überblick schaffen: Erfassen Sie alle bestehenden KI-Anwendungen im Betrieb– auch integrierte Funktionen in Softwarelösungen oder alltägliche Tools wie Textgeneratoren.
- Das Ziel festlegen: Halten Sie für jede KI-Anwendung fest, wofür sie eingesetzt wird, welche Aufgaben sie übernimmt und welche Entscheidungen bei Menschen bleiben. Kurz: Was ist das Ziel?
- Risiken bewerten: Ordnen Sie ein, ob die KI nur unterstützt oder sicherheitsrelevante und rechtliche Entscheidungen beeinflusst. Faustregel: Je höher das Risiko, desto strenger die Anforderungen.
- Zuständigkeiten festlegen: Klären Sie Verantwortlichkeiten für Auswahl, Einführung und Überwachung von KI-Systemen und definieren Sie Prozesse für Änderungen.
- KI-Kompetenz aufbauen: Schulen Sie Ihre Mitarbeiter*innen und erstellen Sie Leitlinien, damit sie KI-Systeme sicher und reflektiert nutzen können.
- Transparenz und Dokumentation sicherstellen: Dokumentieren Sie Einsatzbereiche, Bewertungen und Schulungen – für interne Qualitätssicherung und externe Nachweise.
- KI gezielt nutzen: Setzten Sie KI dort ein, wo sie Prozesse effizient unterstützt – etwa bei Dokumentation, Analyse oder Organisation. Wichtig: Die fachliche Verantwortung bleibt beim Menschen.




