Baustoffe

„Ein absoluter Schwachsinn“

05.02.2026

Baumit-Chef Georg Bursik kritisiert das Förder-Aus für thermische Sanierungen scharf: Das sei kurzsichtig und fahrlässig. Trotz der schlechten Nachrichten zeigt man sich beim heimischen Baustoffhersteller verhalten zuversichtlich für 2026. Die Talsohle am Bau scheint durchschritten.

„Ich kann dazu nur sagen, ein absoluter Schwachsinn.“ Georg Bursik, Geschäftsführer des heimischen Baustoffhändlers Baumit, nimmt sich kein Blatt vor dem Mund. Bei dem, was er als Ergebnis einer kognitiven Beeinträchtigung bewertet, handelt es sich um einen überraschenden Beschluss der Regierung: Die Förderung von thermischen Sanierungen wird für heuer gestoppt – die dafür vorgesehenen Gelder kommen stattdessen zur Gänze dem Tausch von Heizungen zugute. Das Umweltministerium begründete diese Entscheidung damit, dass der Kesseltausch eine „deutlich höhere CO₂-Einsparung pro eingesetztem Euro erzielt“.

Kurzsichtig und fahrlässig

Bursik kann diese Argumentation nicht nachvollziehen. Das sei „kurzsichtig und fahrlässig“, meint der Baumit-Chef. „Die Schwerpunktsetzung greift zu kurz, weil sie die Sanierung der Gebäudehülle als zentralen Hebel der Energieeffizienz verkennt. Was wir heute nicht investieren, zahlen wir morgen doppelt – mit hohen Energiekosten und drohenden Klimastrafzahlungen.“

Advertorial

Thermische Sanierung sei dabei nicht nur ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz, sondern ein klarer Wirtschaftsfaktor. Bursik weist auf eine Studie aus dem Jahr 2025 hin. Sie zeigt, dass Investitionen in die Einzelbauteilsanierung von Außenwänden bereits bei einem Fördervolumen von einer Million Euro einen BIP-Effekt mit dem Faktor 3,8 erzielen. „Thermische Sanierung ist damit nicht nur ein klimapolitisches Instrument, sondern ein wirksamer Konjunkturhebel – gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten. Das muss in die Köpfe. Energieverbrauch reduzieren und heimische Wirtschaft stärken. So funktioniert es“, so Bursik.

Und es muss funktionieren – jedenfalls aus Sicht des Baumit-Managers. „Eine bewusst konservative Baumit-Berechnung“ zeige, dass über ungedämmte und schlecht gedämmte Fassaden jährlich mehr als 9,6 Terawattstunden Energie verpuffen – ein Einsparpotenzial von zumindest 1,25 Milliarden Euro pro Jahr. „Das entspricht rund 13 Prozent des gesamten österreichischen Stromverbrauchs oder der jährlichen Stromproduktion von sieben Donaukraftwerken der Größenordnung Ybbs-Persenbeug“, rechnet der Baustoffhersteller vor.

Nicht nur schimpfen

Bursik glaubt zwar nicht, dass die Regierung ihre Entscheidung zum Förderstopp für heuer revidiert, aber er hofft auf ein Einsehen der Politik in der Zukunft. „So was sollte bitte nicht noch einmal passieren.“ In der Zwischenzeit will man es bei Baumit aber nicht beim „schimpfen“ belassen. „Wir haben natürlich, was die Sanierung anbelangt, auch Lösungsansätze“, meint Bursik. Einer dieser Ansätze ist das „Baumit Sanierungsnavi“ – eine Website, auf der sich interessierte Bauherr*innen ihr Sanierungsvorhaben planen können: baumit.at/sanierungsnavi.

Ein Anziehen der Sanierungen würde der Bauwirtschaft guttun. „Der Neubau kommt nach wie vor nicht in Schwung, während der Gebäudebestand unsaniert altert. Eine toxische Kombination“ meint Bursik. Trotz der angespannten Lage am Bau konnte Baumit seinen Umsatz im Geschäftsjahr 2025 auf dem Niveau des Vorjahres halten – konkret bei 290 Millionen Euro gegenüber 287 im Vorjahr.  „2025 war für die gesamte Bauwirtschaft ein hartes Jahr. Umso wichtiger war es, konsequent Kurs zu halten und auf Effizienz und zukunftsrelevante Themen zu setzen“, sagt Bursik.

Maßnahmen gegen die Flaute

Für 2026 setzt Baumit auf ein Bündel von Maßnahmen. Ein Markenrelaunch soll den Auftritt schärfen und die Positionierung weiter stärken. Parallel dazu werden Produkt- und Service-Schwerpunkte auf jene Anwendungen ausgerichtet, die in der Praxis unmittelbar relevant sind – etwa dort, wo Automatisierung und Systemlösungen Abläufe vereinfachen und Effizienz auf der Baustelle erhöhen.

Trotz der schlechten Nachrichten aus der Politik zeigt sich Bursik verhalten optimistisch. Für die gesamte Baumit-Gruppe inklusive ihrer Auslandstöchter erwartet er 2026 eine leichte Steigerung. Er geht zudem davon aus, dass der Neubau in Deutschland und Österreich leicht anziehen wird. „Das wird jetzt kein Boom sein, aber die Talsohle ist durchschritten.“