Dachhandwerk im Gegenwind
Die Konjunkturdaten des vierten Quartals 2025 zeigen für das Dachhandwerk ein differenziertes Bild. Während sich die Stimmung bei den Dachdeckern leicht stabilisiert, geraten insbesondere der Holzbau und teilweise auch die Spengler stärker unter Druck.
Die Konjunkturbeobachtungen der KMU Forschung Austria für das vierte Quartal 2025 zeigen im Dachhandwerk ein differenziertes, insgesamt aber angespanntes Bild. Während sich die Dachdecker leicht stabilisieren konnten, geraten Spengler und insbesondere der Holzbau zunehmend unter Druck. Der Wohnneubau bleibt die zentrale Schwachstelle, die Sanierung fungiert als tragende Säule – kann den Rückgang jedoch nicht vollständig ausgleichen. Die aktuellen Daten der KMU Forschung Austria bestätigen damit eine strukturelle Verschiebung im Markt: Weg vom Neubau, hin zum Bestand. Gleichzeitig nehmen freie Kapazitäten zu, und die Personalplanung wird deutlich vorsichtiger.
Neubau schwach, Sanierung trägt
Bei den Dachdeckern sanken die Auftragseingänge von ersten bis dritten Quartal 2025 nominell um 4,7 Prozent, real – nach einer Preisanhebung von durchschnittlich 3,4 Prozent – sogar um 7,9 Prozent. Besonders deutlich zeigt sich die Schwäche im Neubau: Im dritten Quartal meldeten 58 Prozent der Betriebe rückläufige Auftragseingänge. Deutlich stabiler entwickelte sich das Segment Sanierung/Reparatur.
Ähnlich die Situation bei Spenglern und Kupferschmieden: Nominell betrug das Minus 3,1 Prozent, real lag der Rückgang bei 7,0 Prozent. 63 Prozent der Betriebe berichteten im Neubau von sinkenden Auftragseingängen. Die Sanierung erwies sich hingegen als Stütze – 40 Prozent der Betriebe konnten hier Zuwächse verzeichnen.
Im Holzbau bleibt der Neubau die größte Baustelle. Die Auftragseingänge gingen nominell um 2,2 Prozent zurück, real um 4,8 Prozent. Besonders stark betroffen ist die Fertighauserzeugung: 65 Prozent der Betriebe meldeten im dritten Quartal 2025 Rückgänge. Auch Dachneubau und Dachausbau zeigen ein deutlich negatives Bild.
Stimmung driftet auseinander
Im vierten Quartal 2025 beurteilen 16 Prozent der Dachdecker ihre Geschäftslage als gut, 12 Prozent als schlecht – per Saldo ergibt sich ein leichter Positivwert von +4 Prozentpunkten. Das Stimmungsbarometer hat sich gegenüber dem Vorquartal verbessert.
Bei den Spenglern überwiegen hingegen die negativen Einschätzungen: 21 Prozent bewerten die Lage als gut, 26 Prozent als schlecht (Saldo –5 Prozentpunkte).
Am angespanntesten ist die Lage im Holzbau: 43 Prozent der Betriebe sprechen von einer schlechten Geschäftslage, nur 10 Prozent von einer guten. Der Saldo liegt bei –33 Prozentpunkten.
Auftragsbestände schrumpfen
Die durchschnittliche Vollauslastung beträgt bei Dachdeckern zehn Wochen (–10,2 Prozent gegenüber Vorjahr). Spengler verfügen im Schnitt über elf Wochen, verzeichnen jedoch den stärksten Rückgang (–18,4 Prozent). Im Holzbau liegt der Auftragsbestand bei 10,1 Wochen (–11,1 Prozent), wobei 12 Prozent der Betriebe überhaupt keinen Auftragsbestand melden – ein deutliches Warnsignal.
Gleichzeitig steigt die kurzfristige Verfügbarkeit: 29 Prozent der Dachdecker, 34 Prozent der Spengler und bereits 42 Prozent der Holzbaubetriebe könnten sofort zusätzliche Aufträge übernehmen. Der Markt dreht damit spürbar von Kapazitätsengpässen zu Überkapazitäten.
Vorsichtiger Blick nach vorne
Für das laufende erste Quartal 2026 bleiben die Erwartungen in allen drei Gewerken negativ. Der Saldo aus positiven und negativen Auftragserwartungen liegt bei –34 Prozentpunkten bei Dachdeckern, bei –22 Prozentpunkten bei Spenglern und bei –30 Prozentpunkten im Holzbau. Besonders skeptisch werden öffentliche Auftraggeber eingeschätzt – vor allem im Holzbau rechnen 49 Prozent der Betriebe mit rückläufigen Auftragseingängen.
Personal wird angepasst
Die Personalplanung unterstreicht die unterschiedliche Branchenlage. Dachdecker rechnen im Durchschnitt mit einem Beschäftigtenrückgang von 3,8 Prozent. Im Holzbau fällt die Anpassung mit –6,9 Prozent deutlich stärker aus – 19 Prozent der Betriebe planen einen Personalabbau. Spengler hingegen zeigen sich moderat expansiv: Hier ist im Schnitt ein Plus von 1,5 Prozent vorgesehen.
Sanierung bleibt Stabilitätsanker
Die Konjunkturdaten zum Jahreswechsel 2025/26 zeigen klar: Das Dachhandwerk befindet sich in einer Phase struktureller Anpassung. Der Neubau – insbesondere im Wohnbereich – bleibt der Schwachpunkt.
Sanierung, Reparatur und Modernisierung stabilisieren die Betriebe, können den Neubaurückgang jedoch nicht vollständig kompensieren. Für 2026 deutet sich damit keine rasche Trendwende an – wohl aber eine zunehmende Verschiebung der Marktanteile zugunsten des Bestandsmarktes.




