SolCubeGraz: wenn Glas Energie formt
Mit dem Projekt SolCubeGraz ist erstmals gelungen, ein echtes Plusenergiehaus auf einer Grundfläche von nur zehn mal zehn Metern zu realisieren. Was zunächst nach einem Experiment klingt, ist in Wahrheit ein visionäres Zusammenspiel aus Architektur, Energietechnik und Glasinnovation. Für diese außergewöhnliche Leistung wurde das ausführende Unternehmen Glas Meisl mit dem Austrian Glastechnik Award 2025 in der Kategorie „Außenraum“ ausgezeichnet.
Herzstück des SolCubeGraz ist die vollständig aktive Gebäudehülle. Rund 300 Quadratmeter Glas-Glas-Module in der Fassade und auf dem teiltransparenten, geschwungenen PV-Dach verwandeln die Außenhaut des Einfamilienhauses in ein autarkes Energiekraftwerk. Die Photovoltaik-Elemente sind nicht additiv aufgesetzt, sondern vollständig in die Architektur integriert – als gestaltprägendes, technisches und energetisches Element zugleich. „Unser Ziel war, zu zeigen, dass sich auch in dichter urbaner Umgebung ein Plusenergiehaus realisieren lässt, das sich selbst und Teile der Nachbarschaft versorgt“, erklärt Bauherr Bernd Humpl, der das vom Land Steiermark geförderte Projekt gemeinsam mit seiner Frau Sylvia entwickelt hat und inzwischen mit seiner Familie bewohnt. Der SolCubeGraz speist nicht nur Strom ins Netz, sondern deckt auch Wärme, Warmwasser und Elektromobilität ab. Die installierte Leistung der Photovoltaikanlage liegt bei 35 kWp, wobei die Ost- und Westfassaden gezielt die Tagesrandzeiten nutzen, während die Südfassade die Wintererträge maximiert. Die Abwärme der PV-Module wird über ein innovatives Wärmepumpensystem zur Beheizung und Warmwasserbereitung genutzt.
PV-Dach als Lebensraum
Besonderes Augenmerk verdient das teiltransparente PV-Dach, das gleich mehrere Funktionen vereint: Es ist Energieerzeuger, Aufenthaltsort und Klimapuffer zugleich. Seine geschwungene Form erzeugt durch den sogenannten Venturi-Effekt eine natürliche Strömung, die die Belüftung des Hauses unterstützt und gleichzeitig Windlasten reduziert. Durch die Teiltransparenz entsteht ein lichtdurchfluteter Dachgarten – ein wohnlicher Freiraum mit Nutzgartenqualität. Das Regenwasser wird über die Dachkonstruktion gesammelt und im Kreislauf geführt. So wird das Dach zu einem zentralen Baustein der Energie- und Ressourceneffizienz.

Glas als tragendes und schützendes Element
Der SolCubeGraz zeigt eindrucksvoll, wie vielseitig Glas als Baustoff im energetischen und konstruktiven Kontext eingesetzt werden kann. An der Nordseite öffnet sich eine großflächige, über zwei Geschosse reichende Glasfassade, die den Innenraum mit Tageslicht versorgt und zugleich höchste Anforderungen an Wärmeschutz und Schallschutz erfüllt.
Alle Fenster- und Türsysteme sind als Dreifachverglasung ausgeführt, um den Passivhausstandard sicherzustellen. Die satinierte Oberfläche der PV-Fassadenmodule verhindert Blendwirkungen – ein entscheidender Faktor im dichten Stadtgefüge. Darüber hinaus wirkt die gläserne Außenhaut als hervorragende Abschirmung gegenüber hochfrequenten Strahlungen und sorgt für eine bemerkenswerte Ruhe im Inneren. Auch unter der Oberfläche trägt Glas zum Energiesystem bei: Eine thermisch aktivierte Bodenplatte mit 60 Zentimetern Glasschaumschotter aus Recyclingmaterial sorgt für die optimale Wärmedämmung zum Erdreich.
Handwerkliche Präzision und regionale Wertschöpfung
Die Werksplanung von Dach und Fassade erfolgte durch Ertex Solar, Glas Meisl und Stahlbau Lex. Für die Umsetzung der Glasarbeiten zeichnete das Team von Glas Meisl verantwortlich – mit viel Know-how und handwerklicher Präzision. Die Fassaden- und Dachmodule wurden individuell gefertigt: 200 Quadratmeter blendfreie Glas-Glas Module „Full Black Matt“ wurden an der Fassade verbaut, 100 Quadratmeter bifaziale, teiltransparente Module am Glasdach und den Geländern, sie alle stammen von Ertex Solar. Folgende Glassorten kamen dabei zum Einsatz: Weißglas „Satinex“, Weißglas klar und Floatglas Voll-Email von Ertl Glas wurden in Einzelanfertigung zu 58 individuell gestalteten PV-Modulen als matte bzw. lichtdurchlässige Module kombiniert. Die Befestigung erfolgt über eine verdeckt liegende Edelstahl-Unterkonstruktion, die eine klare, homogene Außenansicht ermöglicht. So bleibt der architektonische Ausdruck ruhig und reduziert – ganz im Sinne des minimalistischen Kubuskonzepts. „Wir wollten zeigen, dass sich Glas nicht nur als Hülle, sondern als aktives Bauelement begreifen lässt – technisch, energetisch und ästhetisch“, betont der verantwortliche Glasbautechniker Emanuel Schuster von Glas Meisl. Alle Module wurden vollständig in Österreich gefertigt – ein bewusster Beitrag zur regionalen Wertschöpfung.
Material mit Zukunft
Obwohl Holz als nachwachsender Baustoff im SolCubeGraz eine zentrale Rolle spielt – die oberen Geschosse bestehen aus einer Holz-Massivkonstruktion –, wurde bewusst nicht auf Glas, Stahl und Beton verzichtet. Für die Bauherr*innen steht fest, dass die nachhaltige Transformation dieser Werkstoffe entscheidend für die Zukunft des Bauens ist. Der SolCubeGraz ist weit mehr als ein Wohnhaus – es ist ein funktionierendes Demonstrationsobjekt für die Energie- und Bauwende im urbanen Raum. Die Kombination aus gebäudeintegrierter Photovoltaik, intelligenter Haustechnik und durchdachter Materialwahl beweist, dass sich Nachhaltigkeit, Komfort und architektonische Qualität nicht ausschließen. Mit seinem gläsernen Energiekörper markiert das Projekt einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu einer Baukultur, in der Glas nicht nur schützt und formt, sondern auch aktiv Energie liefert – und damit zum zentralen Akteur im nachhaltigen Städtebau wird.

Austrian Glastechnik Award 2026 ausgeschrieben
Projekte wie der SolCubeGraz sind Best-Practice-Beispiele moderner Glasbautechnik – und sollen vor den Vorhang geholt werden. Auch dieses Jahr werden wieder die schönsten, kreativsten und herausforderndsten Projekte österreichischer Handwerkskunst mit den Austrian Glastechnik Awards ausgezeichnet.
Achtung: Die Einreichfrist endet bereits am 6. Mai 2026. Erfahren Sie hier alle Details zum AGTA 2026 und zeigen Sie Ihre Projekte!




