Porr setzt KI zur Optimierung von Asphalt und Beton ein
Mit dem Forschungsprojekt „SmartStreet“ will Porr den Recyclinganteil in Asphalt- und Betonmischungen gezielter steuern. Gemeinsam mit der Universität Innsbruck kommt dabei künstliche Intelligenz zum Einsatz, um Materialeigenschaften vorab zu prognostizieren.
Recyclingmaterialien spielen in der Bauwirtschaft eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, Emissionen zu senken und natürliche Ressourcen zu schonen. Werden bei der Herstellung von Asphalt oder Beton natürliche Gesteinskörnungen durch recyceltes Material ersetzt, verändern sich jedoch die Materialkennwerte. Das kann Auswirkungen auf die mechanischen Eigenschaften und die Dauerhaftigkeit der Baustoffe haben.
Bislang konnten die Eigenschaften einer bestimmten Rezeptur laut Unternehmen nur durch aufwendige Produkttests ermittelt werden. Dabei wurden kleine Proben mit unterschiedlichen Anteilen und Körnungen des Rezyklats hergestellt und geprüft.
Mit KI Materialeigenschaften prognostizieren
Das Forschungsprojekt „SmartStreet“ von Porr in Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck, Arbeitsbereich für Materialtechnologie, setzt hier an. Ein neuronales Netz wird darauf trainiert zu bestimmen, welche effektiven mechanischen Eigenschaften Asphalt oder Beton aufweisen, wenn unterschiedliche Mengen und Beschaffenheiten von Rezyklaten beigemischt werden.
„Es ist unseres Wissens das erste Forschungsprojekt dieser Art“, sagt Karl-Heinz Strauss, CEO bei Porr in Wien. Ziel sei es, das Potenzial der Kreislaufwirtschaft bei Beton und Asphalt besser auszuschöpfen und Recyclingprodukte gezielter aufzuwerten. Für das KI-Modell würden verschiedene Datensätze wie Berechnungsergebnisse oder Versuchsdaten herangezogen. Auch zukünftige Datensätze könnten integriert werden, um das Modell weiterzuentwickeln.
Erkenntnisse für künftige Bauprojekte
Strauss betont: „Praktisch jedes Bauprojekt, besonders im Tiefbau, benötigt unterschiedliche Betonrezepturen. Ähnlich ist das bei Asphalt. Natürlich sind wir bestrebt, sowohl die optimale Mischung für den Einsatz als auch den bestmöglichen Recyclinganteil zu erreichen. Wir sehen in der KI großes Potenzial, um den Prozess effizienter zu gestalten und Erkenntnisse für künftige Bauprojekte zu generieren. Zugleich haben wir die Möglichkeit, zukünftige Ergebnisse und Beiträge weiterer Partner miteinfließen zu lassen.“

Nach Angaben des Unternehmens produziert die Gruppe rund 1,5 Millionen Tonnen Recyclingmaterial pro Jahr. Am Standort Wien-Simmering betreibt Porr eine Asphaltmischanlage, die laut Unternehmen einen Recyclinganteil von bis zu 100 Prozent ermöglicht. „SmartStreet“ ist Teil der konzernweiten Innovations- und Nachhaltigkeitsstrategie und soll die Dekarbonisierungsziele im Bereich optimierter Mischverfahren unterstützen.
Die Reduktion von Treibhausgasen bei der Herstellung von Beton und Asphalt gilt international als relevantes Thema. Zement als Bindemittel im Beton ist aufgrund der energieintensiven Herstellung für rund acht Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. In Österreich wurden im Jahr 2024 etwa 12,3 Millionen Kubikmeter Beton produziert.




