Hybrid ist hip
Hybride Heizsysteme erfreuen sich steigender Beliebtheit. Die Kombination einer Wärmepumpe mit einem Gas-Brennwertgerät oder nachhaltigen Energieformen wie Biomassekessel oder Solarthermie bietet zwei Vorteile: niedrige laufende Kosten und hohe Unabhängigkeit vom Energiemarkt.
Hybrid ist hip. Nicht nur bei der Motorisierung von Autos, sondern auch beim Heizen von Häusern. „Gerade der Wohnbau und die Industrie versuchen, hybride Lösungen zu forcieren“, meint Alexander Sollböck. Der Geschäftsführer von Reflex Austria und Obmann des Verbandes der Installations-Zulieferindustrie (VZI) weiter: „Aber auch im Ein- und Zweifamilienhausbereich steigen die Anfragen.“ Und auch Andreas Grimm, Leiter des Produktmarktmanagements bei Hoval, ortet eine steigende Nachfrage nach kombinierten Heizlösungen – wenngleich aus seiner Sicht noch Luft nach oben besteht: „In Österreich befinden sich hybride Heizsysteme aktuell noch nicht in einem klassischen Massenmarkt, die Nachfrage entwickelt sich jedoch spürbar und kontinuierlich nach oben“, so Grimm.
Viele Quellen, eine Steuerung
Hybridheizungen verbinden unterschiedliche Wärmeerzeuger in einem intelligent gesteuerten System, um maximal Effizienz, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit zu erreichen. „Entscheidend für ihre Wirksamkeit ist die kombinierte Nutzung von erneuerbaren Energiequellen und bewährter konventioneller Technik, wobei die Systeme selbstständig je nach Wetter, Energiepreis und Heizlast den jeweils effizientesten Wärmeerzeuger wählen“, erläutert Fachmann Grimm.
Hinter der wachsenden Beliebtheit der Kombi-Heizungen stecken im Wesentlichen zwei Überlegungen. Zum einen lassen sich mit einer cleveren Hybridlösung Kosten sparen. Mit einer Hybridheizung kann man Vergleich zur reinen Öl- oder Gasheizung die laufenden Kosten um bis zu 30 Prozent senken. Zum anderen suchen immer mehr Hauseigentümer eine größere Unabhängigkeit vom Energiemarkt.
Besonders verbreitet sind drei Formen der hybriden Heizungen. Variante eins: Die Kombination einer Wärmepumpe mit einem Gas-Brennwertkessel oder einem Ölkessel. Sie zählt zu den etabliertesten Hybridlösungen. Die Wärmepumpe deckt den Grund- und Übergangsbedarf, vor allem bei moderaten Außentemperaturen, mit sehr hoher Effizienz. Bei sehr niedrigen Temperaturen oder hoher Heizlast schaltet der Gas-Brennwertkessel oder Ölkessel ein, um Spitzenlasten zu decken. Der Clou dabei: Intelligente Regelungen nutzen stets das wirtschaftlichere System. Diese Form ist besonders für Bestandsgebäude geeignet, die nicht vollständig von Wärmepumpentechnik allein versorgt werden können.
Variante zwei: Hybridlösungen aus Pelletheizung und Gas-Brennwertgerät. Der Pelletkessel liefert den Großteil des Wärmebedarfs, während der Brennwertkessel die Spitzenlasten abdeckt. Diese Variante ist besonders effizient, wenn nachhaltige Brennstoffe verfügbar sind und eine hohe Autarkie gewünscht wird. Sie ist aber am Markt weniger häufig zu finden.
Variante drei
Größerer Beliebtheit erfreut sich Variante drei: die Kombination von Wärmepumpe mit Solarthermie oder Photovoltaik. Die Wärmepumpe arbeitet hier besonders effizient, indem sie selbst erzeugten Strom nutzt. Das steigert die Wirtschaftlichkeit im Jahresverlauf, besonders in Übergangszeiten mit moderaten Temperaturen. „Diese Kombination wird oft nicht als klassisches Hybridsystem gesehen, ist jedoch beinahe Standard in Österreich“, so Hoval-Manager Grimm.
Hoval deckt laut Grimm „beinahe das gesamte Spektrum moderner Wärmeversorgung ab“ – von klassischen Wärmeerzeugern bis zu integrierten Systemlösungen. „Unser Portfolio umfasst konventionelle und erneuerbare Technologien wie Öl- und Gas-Brennwertsysteme, Wärmepumpen, Biomasse-Anlagen sowie Fernwärmeanschlüsse, die wir je nach Projektanforderung einzeln oder in Kombination anbieten.“
Bei Hargassner hat man ebenfalls unterschiedliche Hybridsysteme im Lieferprogramm: „Der Klassiker unter diesen Systemen ist der Pellets-Stückholz-Kombikessel. Diese Lösung kommt hauptsächlich von den ursprünglichen Stückholzheizern, welche einfach mehr Komfort haben wollten“, meint Produktmanager Markus Zeilinger. „In den letzten Jahren sehen wir aber auch den Trend, dass Kunden eine Pelletsheizung kaufen, aber eine Kombination mit einem Stückholzkessel zur Krisenabsicherung wünschen. Aus diesen zwei Gründen ist diese Kombination in den letzten Jahren massiv gewachsen.“
Hybrid mit Wärmepumpe
Immer häufiger fragen die Kunden zudem nach einem Hybridsystem mit einer Wärmepumpe. Hier sind Kombinationen mit einer Photovoltaikanlage und/oder mit einem Stückholz- oder Pelletskessel möglich. „Die Hybridfunktion mit einer PV-Anlage gewährleistet eine effiziente Verwertung der überschüssigen Stromproduktion“, erklärt Zeilinger. „Bei den Biomasse-Hybridvarianten wählt die voll integrierte, intelligente Tarifschaltung automatisch den günstigsten Wärmeerzeuger zum jeweiligen Zeitpunkt – egal ob im Neubausektor mit Fußbodenheizung oder bei Bestandsgebäuden mit hohen thermischen Verlusten und Hochtemperatur-Heizsystemen.“
Herz Energietechnik setzt auf die Kombination von Biomasse und Wärmepumpe. Das Sortiment des Herstellers umfasst Stückholz-, Pellets- und Hackgutkessel sowie Wärmepumpen. „Mit einem Holzvergaser- oder Pelletkessel und einer Wärmepumpe wird regenerative Wärme besonders flexibel genutzt. Die Wärmepumpe deckt die Grundlast, während der Biomassekessel bei Spitzenlasten für zuverlässige Wärme sorgt. Diese Kombinationsmöglichkeiten bieten eine nachhaltige Lösung, die auf wechselnde Bedürfnisse und Umweltanforderungen abgestimmt sind“, erläutert man bei Herz.
Für die komfortable Warmwasseraufbereitung offeriere etwa die Kombination Brauchwasserwärmepumpe und Holzvergaserkessel große Vorteile. „Speziell in den Sommermonaten wo kein Heizwärmebedarf vorherrscht bietet die Brauchwasserwärmepumpe eine bequeme, kostengünstige und effiziente Möglichkeit Warmwasser bereits zu stellen, ohne den Holzvergaserkessel anheizen zu müssen“, so der Hersteller.
Alexander Wagner, Produktmanager bei Nibe Wärmepumpen, schwört dagegen ganz auf den Einsatz von Wärmepumpen. „Besonders effizient sind hybride Systeme, die vollständig auf Wärmepumpentechnologie basieren – ohne Kombination mit fossilen Brennstoffen oder Biomasse“, meint er. Im kommerziellen Bereich haben laut Nibe sich Kaskadenlösungen aus Erd- und Luftwärmepumpen bewährt, „da sie flexibel auf wechselnde Quellentemperaturen reagieren“.
Bis zu acht Geräte
Nibe legt daher den Schwerpunkt „auf hybriden und kaskadierten Wärmepumpensystemen, beispielsweise Kombinationen aus einer Erdwärmepumpe und einer Luftwärmepumpe, erweiterbar auf bis zu acht Geräte“. Speziell dafür hat man den neuen SMO S50 Regler entwickelt, der den effizienten Betrieb und die automatische Umschaltung und Zusammenarbeit zwischen den Systemen ermöglicht. „Aktuell arbeiten wir zudem an hybriden Lösungen, die verschiedene Quellen kombinieren – zum Beispiel Tiefenbohrung oder Ringgrabenkollektor in Kombination mit PVT-Kollektoren oder Luftabsorber“, so der Hersteller.
Bosch Home Comfort Österreich-Chef Weinwurm betont die besonders effiziente Teamarbeit hybrider Systeme, die eine Wärmepumpe mit einem Gas-Brennwertgerät kombinieren. „Diese nutzen primär die Wärmepumpe für die Grundlast, was die Umweltwärme effizient einbindet. Das Gasgerät springt intelligent zu, wenn höhere Temperaturen oder Spitzenlasten erforderlich sind. “Unsere intelligente Steuerung optimiert den Betrieb automatisch nach Effizienz und Wirtschaftlichkeit, etwa unter Berücksichtigung der Außentemperatur und den aktuellen Energiepreisen“, so Weinwurm.
Der Hersteller bietet seine Wärmepumpen-Hybridsysteme unter den Marken Bosch und Buderus an. Das Besondere daran: Die neuen Gas-Brennwertgeräte sind so konzipiert, dass sie jederzeit mit einer Wärmepumpen-Außeneinheit zu einem Hybridsystem erweitert werden können. Die nötige Hydraulik und intelligente Steuerung sind bereits integriert. „Wir ermöglichen damit eine schrittweise Modernisierung. Man startet mit einem Gas-Brennwertgerät, das später flexibel zu einem hocheffizienten Hybridsystem oder sogar zu einer reinen Wärmepumpe ausgebaut werden kann. Dies schafft maximale Freiheit und Investitionssicherheit“, so Weinwurm.
Klare Aufgabenverteilung
Beim Mitbewerber KWB legt man einen großen Fokus auf die klare Aufgabenverteilung der einzelnen Komponenten des hybriden Systems sowie deren intelligente Steuerung. Im Zentrum steht das von KWB entwickelte intelligente Energiemanagement Clee, das Biomasse, Wärmepumpe, PV, Speicher und Verbraucher prognosebasiert steuert und – sofern vorhanden – dynamische Stromtarife berücksichtigt. „Unser Schwerpunkt liegt klar auf dem Systemgedanken. Nicht Geräte kombinieren, sondern Energieflüsse intelligent orchestrieren“, so der Anbieter.
Reflex Austria-Chef Sollböck weist darauf hin, dass das Nutzerverhalten berücksichtigt werden müsse: „Nicht überall passen Wärmepumpen, jedoch kann es Anpassungen geben, wo diese auch genutzt werden können, wenn die Planung und auch die verwendeten Komponenten passen“, so der Obmann des VIZ. „Auch muss für mich Kosten-Nutzen passen, nicht alle Hausbesitzer haben das Geld, um eine Totalsanierung umzusetzen.“ Hier müssten auch kleine Maßnahmen, wie Hydraulischer Abgleich oder Hausdämmung, betrachtet werden. Das Unternehmen bietet hier mit seiner Reflex Greenbox „die notwendigen, von der Ö-Norm geforderten Komponenten in einer Box, kompakt und vor allem leistbar“, so Sollböck. Sein Fazit: „Die Kombination von zwei oder mehreren Heizsystemen kann und ist sinnvoll, wenn beide Systeme zum Verwender passen und auch dem Stand der Technik entsprechen.“




