Hol die Sonne ins Haus!
Rudi Rattenberger, Gründer und Geschäftsführer des Haustechnik-Verbunds HSH-Installateure, setzt auf hybride Heizsysteme – vor allem in Kombination mit Solarthermie. Er kritisiert den großen Fokus, der beim Kesseltausch auf Luft-Wärmepumpen gelegt wird.
„Hybride Heizsysteme haben eine enorme Bedeutung, weil der Kunde nur durch sie unabhängiger werden kann. Ein hybrides Heizsystem hilft, die Heizkosten zu reduzieren, und es ist meist die einzige Chance, gratis Solarenergie ins Haus zu bringen.“ Rudi Rattenberger, Gründer und Geschäftsführer des Haustechnik-Verbunds HSH-Installateure, ist ein großer Verfechter von hybriden Heizsystemen – er schwört vor allem auf die Kombination mit Solarthermie.
Gegen Fokus auf Wärmepumpe
Wenig Freude hat Rattenberger dagegen mit dem massiven Fokus, der beim Kesseltausch auf die Luft-Wärmepumpen gelegt wird. „Wenn ein Kunde ein gut erhaltenes Brennwertgerät hat, heißt es oftmals: raus mit dem Brennwertgerät und rein mit der Wärmepumpe“, sagt er. „Viel gescheiter wäre es aber, dieses Brennwertgerät mit einer Solarthermieanlage zu unterstützen.“ Zumindest eine Photovoltaikanlage sei in vielen Fällen sinnvoll. Sein Zugang ist technologieoffen, aber mit eindeutiger Präferenz: „Der verantwortungsvolle Kunde, der langfristig und nachhaltig denkt, hat ein hybrides Heizsystem.“
Der Kärntner Sonnenenergie-Pionier verweist dabei auf die „deutlich bessere Effizienz“ der Solarthermie im Vergleich zu Wärmepumpen. „Bei einer sehr guten Wärmepumpe erziele ich pro Kilowattstunde Pumpenenergie fünf Kilowattstunden Wärmenergie“, erläutert er und hält dem die Solarthermie entgegen, die mit einer Kilowattstunde Pumpenergie bis zu 80 Kilowattstunden Wärme erzeuge. Rattenberger: „Der Unterschied ist gewaltig – eins zu sechs gegen eins zu 80.“
Rattenberger hat mit seinem eigenen Installationsbetrieb Solaris rund 4.000 Solarthermieanlagen errichtet – und ist mit dem Ergebnis mehr als zufrieden: „Die Anlagen sind effizient, günstig und sie halten ewig.“ Auch die gängige Kombination aus Luftwärmepumpe und Photovoltaik sieht er differenziert. „Wir wissen alle, dass die Photovoltaikanlage zwischen November und Februar nicht einmal zehn Prozent der Leistung bringt“, meint er. Solarthermie könne hingegen auch bei tiefen Temperaturen relevante Erträge liefern, etwa bei senkrechter Montage. „Eine gute Anlage kann in fünf bis sechs Stunden Sonnenschein 25 bis 50 Kilowattstunden Wärme bringen.“
Wie eine Kombination von Photovoltaik und Solarthermie praktisch funktioniert, zeigt Rattenberger am eigenen Wohnhaus. Gemeinsam mit seinem Bruder hat er zwei sogenannte „Sonnenhäuser“ als Musterprojekte errichtet. „Dort erreichen wir eine 90-prozentige solare Deckung“, sagt er. Selbst in einem wetterbedingt schwächeren Jahr seien rund 80 Prozent möglich. Sein Haus mit 160 Quadratmetern Wohnfläche arbeitet mit Fußbodenheizung und kontrollierter Wohnraumlüftung. Auf dem Dach und dem Carport befinden sich Photovoltaikmodule. Auf der Südfassade sind senkrechte Solarthermiekollektoren montiert. „Die senkrechte Ausführung deshalb, weil ich im Sommer keine Überschüsse möchte. Im Winter hingegen möchte ich jede Stunde Sonnenwärme optimal ausnutzen.“ Ein zentraler Bestandteil der Anlage ist ein Pufferspeicher mit einem Volumen von 2.000 Litern und die Betonkernaktivierung des Kellers. Eine kleine Wärmepumpe oder ein wassergeführter Pelletofen könnten jederzeit ergänzt werden.
Bei der Steuerung des Systems spielt die Digitalisierung eine zentrale Rolle. „Gerade hybride Heizsysteme brauchen ein abgestimmtes Zusammenspiel“, sagt Rattenberger. Wetterprognosen und variable Strompreise könnten genutzt werden, um Speicher gezielt zu laden. „Ohne Digitalisierung funktioniert das Zusammenspiel mehrerer Wärmeerzeuger nicht, zumindest nicht intelligent.“
Am Markt sieht er für hybride Systeme dennoch noch viel Luft nach oben. „Die Nachfrage ist überschaubar“, sagt er. Im Neubau dominiert fast immer die Wärmepumpe. Solarthermie zusätzlich zu verkaufen, sei schwierig. Förderpoltische Schwankungen hätten den Markt zusätzlich verunsichert. „Der Kunde vergisst nicht, dass der Nachbar seine Heizung fast gratis bekommen hat“, so Rattenberger mit Blick auf frühere Fördermodelle. Aktuell gebe es wieder gute Förderungen für den Kesseltausch und eine kleinere Förderung von rund 2.500 Euro für Solarthermie. Während sein Betrieb vor rund 15 Jahren etwa 150 Solarthermie Anlagen pro Jahr installiert habe, seien es heute rund zehn bis 15 Systeme jährlich, dazu etwa 40 Kesseltäusche, wobei die bestehenden Solarthermieanlagen mit eingebunden werden.
Innerhalb des Verbunds HSH-Installateure setzt Rattenberger auf Know-how-Transfer und strukturierte Unterstützung der mehr als 100 Partnerbetriebe. „Wir pflegen einen intensiven Erfahrungsaustausch“, sagt er. Viermal im Jahr finden Treffen mit Arbeitsgruppen statt, dazu Partnertreffen in den Bundesländern sowie Lehrlings- und Führungskräftetrainings. Ziel sei es, die Mitgliedsbetriebe fachlich und organisatorisch weiterzuentwickeln.
Ein zentrales Werkzeug zur Unterstützung der Mitgliedsbetriebe ist ein eigenes Softwaretool namens „Theo“, das dabei hilft, Heizungsanlagen zu analysieren und zu optimieren. Mit dem Theo by Cristian Frühauf können Anlagen rasch aufgenommen, berechnet und hydraulisch abgeglichen werden. Unterschiedliche Komponentenhersteller sind integriert, die Dokumentation für Kund*innen strukturiert aufbereitet. Gerade bei hybriden Systemen, so Rattenberger, „ist eine präzise Planung entscheidend“. Für ihn steht fest: „Eigentlich dürfte es kein nicht-hybrides Heizsystem mehr geben.“




