Schalung unter Preisdruck
Die heimischen Schalungs- und Gerüstbauanbieter haben kein leichtes Jahr hinter sich. Und die wenig erfreuliche Nachricht: 2026 wird nicht viel besser. Vor allem der harte Preiskampf macht ihnen zu schaffen. Mittelfristig setzt die Branche aber auf Wachstum.
„2025 war kein einfaches Jahr, aber wir sehen eine Stabilisierung.“ So lässt sich in einem Satz zusammenfassen, wie es der heimischen Schalungs- und Gerüstbau-Branche momentan geht. Der Satz stammt von Markus Ringer, Verkaufsleiter und Eigentümer des oberösterreichischen Anbieters Ringer. „In Österreich haben wir ein leichtes Wachstum erreicht. Die Entschärfung der KIM-Verordnung war ein wichtiger Schritt und hat dem Wohnbau zumindest etwas Luft verschafft. Sehr positiv haben sich unsere Exportmärkte entwickelt. Dort sehen wir weiterhin Dynamik und konnten entsprechend zulegen“, beschreibt Ringer den Geschäftsverlauf des vergangenen Jahres weiter.
Infrastruktur hilft
Ähnlich wie Ringer erging es den Mitbewerbern: Die Branche hatte und hat in Österreich mit der Flaute im Wohnbau zu kämpfen. Wenn es Zuwächse gab, dann im Infrastrukturgeschäft. „2025 war für uns stark von Infrastrukturprojekten geprägt“, bestätigt Harald Zulehner, Österreich-Geschäftsführer des niederösterreichischen Schalungskonzerns Doka. „Gerade in diesem Bereich leisten wir mit unseren Lösungen einen wesentlichen Beitrag zur zeitgerechten Umsetzung anspruchsvoller Bauvorhaben von nationaler Bedeutung – etwa bei der Koralmbahn oder beim Wiener U-Bahn-Ausbau, dem größten Klimaschutzprojekt der Stadt.“

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„Hier schätzen unsere Kunden vor allem die Kombination aus technischer Expertise, verlässlicher Planung und abgestimmten Systemlösungen“, so der Doka-Manager weiter. Positiv entwickelt habe sich auch der Online-Shop, „der für unsere Kunden deutlich an Bedeutung gewonnen hat und von unseren Kunden zunehmend als 24/7 verfügbarer, transparenter Beschaffungskanal genutzt wird“.
Peter Radel, Geschäftsführer von Peri Österreich, betrachtet 2025 als Jahr „mit gemischten Rahmenbedingungen, vom operativen Geschäft her aber stabil“. Während der Hochbau weiterhin deutlich hinter den Vorjahren zurückbleibe, habe man durch eine „sehr gute Auslastung im Infrastruktur- und Ingenieurbau“ viele Rückgänge kompensieren können. Radel: „In diesem Bereich waren wir stark in Projekte eingebunden und sind es auch aktuell.“
Hohe Projektaktivität
Trotz der anspruchsvollen Marktsituation, so der Peri-Manager weiter, habe man „eine hohe Projektaktivität und eine gute Auslastung über das Jahr hinweg halten“ können. „Ein wesentlicher Erfolgsfaktor war dabei auch unser Team: Die Zusammenarbeit in Vertrieb, Technik und Logistik hat bestens funktioniert, trotzdem Projekte zunehmend kurzfristiger, komplexer und zeitkritischer werden.“

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Dominik Borac, Geschäftsführer von Hünnebeck Austria, berichtet für 2025 von einem „insgesamt erfolgreichen Jahr“ in einem „herausfordernden“ Umfeld. „Wir konnten wichtige Weichen für die Zukunft stellen, unsere Abläufe effizienter gestalten und unsere Leistungsfähigkeit weiter stärken“, erläutert Borac weiter – und legt den Finger auf einen wunden Punkt, der nicht nur ihm zu schaffen macht: „Herausfordernd war vor allem das Preisniveau am Markt. Höhere Preise werden unumgänglich sein, um unseren Kunden aus der Bauindustrie auch weiterhin einen bestmöglichen Service mit innovativen Produkten und Lösungen bieten zu können.“
Peri Österreich-Chef Radel sieht das ganz ähnlich. Auch er hat wenig Freude mit der Preisentwicklung am Markt. „Herausfordernd war 2025 vor allem die wirtschaftliche Seite des Marktes“, meint Radel. „Im Mietgeschäft ist der Druck durch unsere Marktbegleiter weiterhin sehr hoch, und die Preissituation bleibt angespannt. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Verfügbarkeit, Service und Flexibilität.“
Aggressive Preispolitik
Noch deutlicher äußert sich sein Schalungsunternehmer Ringer: „Was weniger gut läuft, ist die teilweise sehr aggressive Preispolitik im Markt“, so Ringer unverblümt. „Manches Verhalten ist schwer nachvollziehbar und wirtschaftlich nicht immer logisch. Das sorgt für zusätzlichen Druck“, legt er nach. „Wir bleiben trotzdem unserer Linie konsequent treu und setzen auf nachhaltiges Wirtschaften statt kurzfristiger Effekte.“
Und eine echte Erholung ist am österreichischen Markt so schnell nicht in Sicht – weder mit Blick auf die Nachfrage im Wohnbau noch auf das Preisniveau. „Für 2026 erwarten wir in Österreich ein stabiles Geschäft, auch wenn die Preissituation angespannt bleibt und der Markt nur begrenzt planbar ist“, formuliert es Ringer. „Wachstum sehen wir vor allem im Export. Gleichzeitig steigt der Effizienzdruck – Digitalisierung ist für uns daher kein Schlagwort, sondern Voraussetzung für schlanke Prozesse, schnelle Entscheidungen und transparente Abläufe.“

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In Österreich setzt Ringer „weiterhin auf unsere sieben Standorte und die konsequente Nähe zur Baustelle. Handschlagqualität und persönliche Betreuung bleiben für uns zentrale Erfolgsfaktoren – weil Bauprojekte auf Vertrauen und klaren Ansprechpartnern basieren.“ Bis der Markt sich nachhaltig erhole, sei Geduld gefragt. „In Österreich wird es aus heutiger Sicht noch ein bis zwei Jahre dauern, bis man von einer echten Erholung sprechen kann. Der Markt muss erst wieder Vertrauen aufbauen“, meint er. „Wir bleiben dennoch realistisch optimistisch. Der Bedarf ist da, nur die Rahmenbedingungen müssen sich weiter stabilisieren.“
Nur schrittweise Normalisierung
Auch Peri Österreich-Chef Radel erwartet für 2026, „dass sich der Markt in Österreich nur schrittweise normalisiert“ – und nicht in allen Segmenten gleich schnell. Die Nachfrage im Infrastrukturbau sei hoch, aber damit der Hochbau nachhaltig zurückkommt, brauche es aus seiner Sicht „noch etwas Zeit“ – realistischerweise werde das erst 2027 der Fall sein. „Wir setzen daher auf jene Bereiche, die stabil sind, und stärken gleichzeitig unser Angebot für den noch schwächelnden Hochbau“, sagt Radel. „Wir gehen das Jahr mit dem klaren Fokus an, unsere Kund*innen noch besser zu unterstützen“ – und zwar mit praxisnahen Lösungen und einem Team, das sehr nah am Markt arbeite. Radel: „Unser Anspruch ist, dass Projekte für unsere Kund*innen so effizient und planbar wie möglich umgesetzt werden können, und darauf werden wir unser Angebot auch 2026 konsequent ausrichten.“
Doka Österreich-Chef Zulehner hat den Blick ebenfalls auf die Kunden gerichtet: „Unsere Kunden stehen weiterhin unter hohem Kosten- und Termindruck. Effizienz in der Baustellenabwicklung bleibt daher eine grundlegende Voraussetzung“, meint er. „Wir als Schalungs- und Gerüstlieferant bieten unseren Kunden deshalb verlässliche Lösungen, die funktionieren, wenn es darauf ankommt.“ Denn: „Hohe Produktqualität und Sicherheitsstandards sowie Schnelligkeit im Handling „tragen maßgeblich zu mehr Effizienz auf Österreichs Baustellen bei.“
„Für das Jahr 2026 blicken wir insgesamt positiv nach vorne – auch wenn das makroökonomische Umfeld weiterhin herausfordernd ist“, beschreibt Hünnebeck Austria-Geschäftsführer Borac seine Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr. Das Branchenbild bleibe heterogen: „Während einzelne Marktsegmente gut ausgelastet sind, fehlt bei anderen noch Volumen. In der Gesamtheit zieht der Construction Output in Österreich jedoch an, und erfreulich ist, dass insbesondere der Wohnbau erste Anzeichen einer Erholung zeigt. Auch das Infrastruktursegment entwickelt sich weiterhin solide und stabil.“ Vor diesem Hintergrund gehe man das Jahr 2026 „selbstbewusst, fokussiert und mit einer klaren strategischen Ausrichtung“ an. Borac weiter: „Unser Ziel ist es, profitabel zu wachsen. Hohe Qualität bei unseren Produkten, unseren Services und Prozessen, eine hohe Verlässlichkeit, vertrauensvolle Kundenbeziehungen und wirtschaftlich sinnvolle Projekte bleiben für uns die zentralen Leitlinien.“
Erste positive Signale vom Markt
Der Hünnebeck-Manager ortet erste positive Signale am Markt – vor allem der Wohnbau beginne sich zu stabilisieren. Eine substanzielle Erholung erwartet das Unternehmen „jedoch erst dann, wenn sich die gesamtwirtschaftlichen und die politischen Rahmenbedingungen verbessern“. Borac denkt hier zum Beispiel schnellere und vereinfachte Genehmigungsverfahren. Sein Fazit für das laufende Jahr: „Nach aktuellem Stand gehen wir von einer Verbesserung ab 2026 aus, die sich in den Folgejahren mit stärkerer Dynamik fortsetzen wird. Die Infrastruktur – traditionell ein verlässlicher Motor – bleibt dabei ein wichtiger Stabilitätsanker.“
Mittelfristig will das deutsche Unternehmen in Österreich profitabel wachsen und die „starke Marktposition konsequent ausbauen“. Borac: „Ein zentrales Wachstumsfeld bleiben für uns klassische Infrastrukturprojekte. Gleichzeitig evaluieren wir gezielt neue Märkte mit überdurchschnittlichem Potenzial. Produktseitig setzen wir weiterhin auf führende Lösungen im Deckenschalungssegment: Mit unseren Systemdeckenschalungen Topec und Topmax bieten wir die effizientesten und produktivsten Systeme am Markt an.“ In der Wand werde man ab diesem Jahr mit dem innovativen Wandschalungssystem Platinum 80 „einen neuen Benchmark setzen“, meint der Hünnebeck-Manager selbstbewusst.
Mitbewerber Peri hat im vorigen Jahr seine Strategie 2030 ausgearbeitet und ist, so Österreich-Geschäftsführer Radel, „bereits gut auf dem Weg, sie umzusetzen“. Das Ziel sei es, die Marktposition in Österreich nicht nur zu stärken, sondern gezielt auszubauen. „Dabei setzen wir auf starke Köpfe sowie auf ein Dienstleistungs- und Serviceangebot, das unseren Kund*innen nachhaltige Lösungen für ihre Projekte bietet“, erläutert er weiter. Mit diesem Ansatz wolle man sicherstellen, dass die Kund*innen „effizient arbeiten können und wir als verlässlicher Partner langfristig wachsen“.
Wachstum bis 2030
Wachstum steht auch bei Ringer ganz oben auf der Agenda. „Bis 2030 wollen wir neue Segmente im Bereich Gerüste und Schalungen entwickeln und sowohl in Österreich als auch im Export weiterwachsen. Dabei bleiben wir unserem Ringer Versprechen treu. Standortstärke, persönliche Betreuung und Handschlagqualität sind keine kurzfristigen Maßnahmen, sondern unser Fundament“, meint Eigentümer Ringer. „Wachstum bedeutet für uns nicht nur mehr Umsatz, sondern mehr Substanz. Effizientere Strukturen, gezielte Investitionen und eine klare Positionierung als verlässlicher Partner am Bau.“
Doka Österreich will bis 2030 laut Geschäftsführer Zulehner die Position „als Innovationsführer im Bereich Schalung und Gerüst weiter ausbauen und Bauunternehmen Lösungen bieten, mit denen sie Projekte wirtschaftlich kalkulieren und zugleich ressourcenschonend umsetzen können“. Ein zentraler Schwerpunkt sei dabei die Kreislaufwirtschaft – etwa mit der Xlife Top Schalungsplatte, die durch schnelle Reinigung, geringe Sanierungskosten und eine besonders lange Lebensdauer dank innovativer Kunststoff-Verbundtechnik punkte. „Damit verbinden wir ökologische Verantwortung mit wirtschaftlicher Effizienz und helfen unseren Kunden, Materialeinsatz und Lebenszykluskosten nachhaltig zu optimieren“, meint Zulehner.
Ein weiterer Schwerpunkt sei die Digitalisierung und Automatisierung des Schalungsprozesses. Erste Testbaustellen mit dem Dokaxbot Lift, wie etwa beim Bildungszentrum in Völkermarkt, Kärnten, würden zeigen, dass automatisierte Unterstützung, etwa beim Heben und Positionieren von Schalungselementen, die körperliche Belastung reduzieren und Abläufe effizienter gestalten können. Zulehner sieht das als wichtigen Schritt „hin zu produktiveren und sicheren Baustellen“.




