Swisspearl Österreich setzt auf Steildach und Sanierung
Der Dachmaterialhersteller reagiert auf den schwächeren Neubau mit einem stärkeren Fokus auf Sanierung, Steildachlösungen und integrierte Photovoltaik. Gleichzeitig investierte das Unternehmen in den vergangenen drei Jahren rund 9,5 Millionen Euro in seinen Produktionsstandort im oberösterreichischen Vöcklabruck. Im Rahmen eines Pressegesprächs am 5. März 2026 informierte Swisspearl Österreich über aktuelle Entwicklungen im Unternehmen und im Dachmarkt.
Swisspearl Österreich blickt auf mehr als 130 Jahre Industriegeschichte am Standort Vöcklabruck zurück. Seit 1894 wird hier Faserzement produziert – ein Werkstoff, der in Vöcklabruck entwickelt wurde und bis heute die Basis für hochwertige Dach- und Fassadenlösungen bildet. Mit der Umfirmierung von Eternit Österreich zu Swisspearl im Jahr 2023 wurde das Traditionsunternehmen stärker in die internationale Markenstrategie der Swisspearl Group eingebunden. Die Unternehmensgruppe betreibt acht Produktionsstandorte in Europa und beschäftigt rund 2.300 Mitarbeitende. Am Standort Vöcklabruck arbeiten derzeit 287 Beschäftigte, darunter 13 Lehrlinge. 2024 erwirtschaftete Swisspearl Österreich einen Umsatz von 71,6 Millionen Euro.

Trend zurück zum Steildach
Nach Jahren des Neubau-Booms hat sich der Markt deutlich abgekühlt. Laut Swisspearl ist die Zahl der Baubewilligungen 2024 um rund sechs Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig sieht das Unternehmen eine zunehmende Bedeutung von Dachsanierungen und eine Trendwende hin zum Steildach. „Das Steildach wird wieder stärker als langlebige und technisch sinnvolle Lösung wahrgenommen“, sagt Michael Foisel, Marketing- und Vertriebsleiter von Swisspearl Österreich. „Der Boom im Flachdach war stark vom Neubau getrieben. Dieser Markt hat sich abgekühlt. Das Steildach hingegen wird wieder als das wahrgenommen, was es ist: eine langlebige, technisch durchdachte und wirtschaftlich sinnvolle Lösung. Gerade in Österreich mit seinen klimatischen Bedingungen bietet es langfristige Sicherheit, Werthaltigkeit und Energieeffizienz. Unsere Aufgabe ist es, diese Vorteile mit modernen Systemlösungen zu verbinden“, so Foisel.
Fokus auf Dachsanierung
Angesichts des großen energetischen Potenzials im Gebäudebestand sieht Swisspearl in der Dachsanierung einen zentralen Hebel für Energieeffizienz. Schließlich entsteht rund ein Drittel des Wärmeverlusts eines Gebäudes über die oberste Geschoßdecke. „Sanierung beginnt am Dach“, betont Geschäftsführer Hans-Jörg Kasper. Förderprogramme würden bisher häufig bei Einzelmaßnahmen wie Heizsystemen ansetzen, stattdessen sollte die Gebäudehülle – und damit auch das Dach – stärker berücksichtigt werden.
Swisspearl positioniert sich daher zunehmend als Systemanbieter für mineralische Dachlösungen und integrierte Photovoltaik. Mit der Integration der Creaton Steildach GmbH im Jahr 2025 wurde das Portfolio zusätzlich um Tonprodukte erweitert. Im Steildachsegment erreicht das Unternehmen laut eigenen Angaben inzwischen rund 30 Prozent Marktanteil.

Investitionen in Produktion und Nachhaltigkeit
Am Standort Vöcklabruck investierte Swisspearl zuletzt rund 9,5 Millionen Euro in Produktionsmodernisierung, Automatisierung und Umwelttechnologie. Ein Schwerpunkt lag auf der Erneuerung der Beschichtungsanlage für Dachplatten, um Farbqualität, Oberflächenbeständigkeit und Prozessstabilität weiter zu optimieren. Parallel wurden die Verfahren optimiert, um den CO₂-Footprint weiter zu reduzieren. Darüber hinaus erfolgte eine umfassende Automatisierung im Bereich der Zuschnittanlage, wodurch Materialzuschnitte effizienter geplant und Rohstoffe ressourcenschonender eingesetzt werden können. Mit der Investition in eine neue Plattenmaschine mit Einzelanspeisungsverfahren wurden zusätzlich Schritte gesetzt, um die Qualität und Effizienz zu steigern sowie Fehlproduktionen zu minimieren.
Langfristig verfolgt die Swisspearl Group das Ziel, bis 2040 CO₂-neutral zu produzieren. Gleichzeitig soll ab 2030 kein Produktionsabfall mehr auf Deponien landen. Auch am Standort Vöcklabruck werden diese Zielsetzungen konkret umgesetzt. Ein mehrstufiges Energieprojekt hat den Gasverbrauch bereits von 32 auf 26 Gigawattstunden reduziert. Durch den Einsatz von Wärmepumpen soll er in der nächsten Phase auf rund sechs Gigawattstunden sinken. Gleichzeitig steigert Swisspearl den internen Recyclinganteil deutlich: Ab 2026 werden rund 2.000 Tonnen Faserzement vollständig wiederverwertet. Die Recyclingquote steigt damit auf 93 Prozent. „Wir stehen auf 130 Jahren Industriegeschichte, aber wir denken in Jahrzehnten nach vorne“, betont Hans-Jörg Kasper.




