Bautrends 2026: Nachhaltig und sicher
Die Bauwirtschaft in Österreich stabilisiert sich 2026 vorsichtig und steht zugleich vor steigenden Anforderungen an Klima- und Ressourcenschutz. Zirkuläre Standards, modulare Bauweisen und digitale Werkzeuge prägen die Entwicklung hin zu einer nachhaltigeren und planbaren Baupraxis.
Die Bauwirtschaft in Österreich befindet sich in einer Phase vorsichtiger Stabilisierung nach mehreren Jahren rückläufiger Entwicklung. Gleichzeitig verändern steigende Anforderungen an Klima- und Ressourcenschutz die Spielregeln der Branche. Verschärfte Klimaschutzauflagen machen eine ganzheitliche Betrachtung von CO2-Emissionen über den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden hinweg zur Pflicht. Nachhaltiges und energieeffizientes Bauen etabliert sich damit als Standard, nicht mehr nur als Nischenlösung. Ziel ist es, Ressourcen sparsamer einzusetzen, Emissionen zu reduzieren und gleichzeitig Qualität und Wirtschaftlichkeit zu sichern. Technologische Entwicklungen unterstützen dabei künftig eine Bauweise, die planbarer, langlebiger und ökologisch verantwortungsvoller wird.
Nachhaltigkeit und Green Building
Mit der Veröffentlichung des überarbeiteten „klimaaktiv“ Kriterienkatalogs 2025 wurde ein Bezugsrahmen geschaffen, der über die klassische Energieeffizienz hinausgeht. Der Katalog legt strenge Regeln für die Energie- und Versorgungsqualität fest. Darüber hinaus schreibt er vor, wie sich Gebäude über den gesamten Lebenszyklus an den Klimawandel anpassen, die Kreislaufwirtschaft fördern und die Gesundheit der Bewohner schützen. Das bedeutet unter anderem:
- fossile Energieträger wie Öl, Gas und Kohle sind bei Neubauten und größeren Sanierungen ausgeschlossen,
- Bauteile und Konstruktionen sollen so gestaltet sein, dass sie rückgebaut und wiederverwendet oder recycelt werden können,
- beim Bau kommen schadstoffarme, umweltzertifizierte Baustoffe zum Einsatz.
Für Handwerksbetriebe und Bauunternehmen bedeutet der Trend eine Umstellung in der Projektabwicklung. Sie sind gefordert, nachhaltige Baustoffe sowie Belege über deren Umweltwirkungen frühzeitig in Ausschreibungen und Lieferketten einzuplanen. Planung und Dokumentation werden umfangreicher, da Nachweise zu Energieversorgung, Materialkreislauf und Anpassungsmaßnahmen erbracht werden müssen.
Vorfertigung und Modulbau
Auch das modulare Bauen wird immer wichtiger. Bauteile oder ganze Raummodule werden in der Fabrik vorgefertigt und auf der Baustelle nur noch montiert. Diese Art des Bauens verkürzt Bauphasen, reduziert Witterungsrisiken und senkt Emissionen durch geringeren Materialverlust. Modular bauen heißt auch: wiederverwenden statt abreißen. Politisch begünstigt wird diese Entwicklung durch die OIB-Richtlinien und einheitliche Bauvorschriften, die industrielle Vorfertigung fördert. Als Vorzeigebeispiel gilt das ÖSW-Projekt B.R.I.O. in Wien mit 175 Wohnungen in Holz-Hybrid-Modulbauweise.
Der globale Markt für den modularen Bausektor wächst weiterhin stark. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate liegt zwischen 2025 und 2030 bei sechs Prozent. Österreich wird indirekt durch diesen Trend beeinflusst. Treiber sind die steigende Nachfrage nach schnellen, CO2-ärmeren Bauweisen und das Interesse öffentlicher Wohnbauakteure an der Vorfertigung.
Automatisierung und Robotik
Ein weiterer hochrelevanter Trend umfasst den Einsatz von autonomen und halbautonomen Maschinen, kollaborativen Robotern (Cobots) sowie digital gesteuerten Systemen auf und abseits der Baustelle;
- Autonome Baumaschinen, wie Bagger, Raupen und andere Geräte werden zunehmend mit Sensorik, GPS, LiDAR und KI ausgerüstet für halb- oder vollautonom durchgeführte Erdarbeiten, Planierungen oder Materialtransporte.
- Roboter kommen für Bohren, Fräsen, Schneiden, Mörtelauftrag, Betonieren oder Fassadenreinigung vor allem bei repetitiven Tätigkeiten oder gefährlichen Bereichen, wie große Höhen, schwere Lasten oder kontaminierte Zonen zum Einsatz.
- „Intelligente Autonomie“ bezeichnet vernetzte Systeme, in denen KI, Robotik und Automatisierung zusammenwirken, angefangen von der Bauplanung über Baustellenlogistik bis zum Betrieb des Gebäudes.
BIM und digitale Lösungen
In diesem Zusammenhang gewinnt auch Building Information Modeling (BIM) weiter an Bedeutung. Bauakteure können anhand eines digitalen Modells Baustoffe und Energiebedarf besser vergleichen. Fehler lassen sich so frühzeitig vermeiden. Das spart Zeit, schont Ressourcen, senkt Abfall und CO2-Aufkommen auf der Baustelle sowie spätere Betriebskosten. Das Projekt BIMecoLOGIC (PIONEER), eine Initiative von Digital Findet Stadt, zeigt in der Praxis, wie diese Daten dabei helfen, Klimabilanzen zu erstellen und umweltfreundliche Entscheidungen vom Entwurf bis zur Nutzung zu treffen.
Obwohl die Digitalisierung in der Bauwirtschaft auf strukturelle Grenzen stößt – Baustellen sind kleinteilig organisiert und lassen sich kaum standardisieren –, kann sie ein entscheidender Schlüssel für die ökologische Wende sein. Sie ist ein notwendiges Werkzeug, um durch präzise Daten und qualifizierte Fachkräfte Ressourcen zu schonen und echte Kreislaufwirtschaft zu ermöglichen, ohne jedoch den Menschen ersetzen zu können.
Flexible Wohn- und Nutzungskonzepte
Anpassungsfähige Grundrisse, multifunktionale Räume und modulare Wohnformen gewinnen im Wohnungsbau 2026 ebenfalls an Bedeutung. Häuser und Wohnungen sollen sich flexibel an unterschiedliche Lebensphasen anpassen, wie etwa Homeoffice, Familienzuwachs oder altersgerechtes Wohnen. Stadtvillen, Doppelhäuser und modulare Gebäude stehen dabei für kompakten, aber vielseitig nutzbaren Raum, der den veränderten Bedürfnissen der Menschen Rechnung trägt.
Solche Konzepte unterstützen nachhaltiges Bauen. Durch flexible Raumgestaltung verlängert sich die Nutzungsdauer von Gebäuden. Umbauten werden seltener nötig und Ressourcen lassen sich effizienter einsetzen.
Ganzheitliche Verantwortung für Mensch und Umwelt
Die genannten Entwicklungen verschieben das Aufgabenfeld am Bau: Weg von der rein funktionalen Errichtung, hin zur umfassenden Verantwortung für Gesundheit und Umwelt. Durch vorausschauende Planung, kreislauffähige Konstruktionen, ressourcenschonende Prozesse und Materialien entstehen gesunde Lebensräume. Die konsequente Verwendung von baubiologischen und schadstoffarmen Komponenten sichert hierbei nicht nur ein gesundes Raumklima und höchste Anforderungen an die Wohngesundheit. Sie garantiert auch die langfristige Werthaltigkeit einer Immobilie. Für Bauunternehmen, Handwerksbetriebe und Planer ergeben sich daraus neue Anforderungen: Indem sie flexible Lösungen in Planung und Umsetzung, modulares Denken und technische Werkzeuge einbeziehen, sichern sie sich den Erfolg in einem wachsenden Markt für anpassungs- und kreislauffähige Wohnkonzepte. Das Zusammenwirken aller Akteure ermöglicht es, Bauprojekte zu realisieren, die einen Beitrag für die Lebensqualität kommender Generationen leisten.
Über den Autor

Christian Schaar ist Geschäftsführer der Skan-Hus Projekt GmbH (skan-hus.de). Seine baubiologischen Kenntnisse erlangte er durch den täglichen Umgang mit Problemen der Baubiologie in verschiedenen Unternehmen des ökologischen Holzbaus. Als Geschäftsführer eines Planungsbüros mit Schwerpunkt ökologischer Holzbau wird er bei Neubauprojekten und Sanierungen regelmäßig mit baubiologischen Fragestellungen konfrontiert und als Experte auf diesem Gebiet konsultiert.




