Krawall, Komfort und Klimaschutz
Spektakuläre Großevents sind für die Anbieter von mobilen Energieanlagen das Salz in der Suppe: ob Rockkonzert, Techno-Festival oder Motorrad-Rennen in den Bergen. Das stellt sie aber auch vor Herausforderungen: Die Besucher*innen wollen Komfort beim Krawall – und das Ganze muss so effizient und nachhaltig wie möglich sein.
„Das ist das Salz in der Suppe.“ Josef Spath kann und will seine Begeisterung nicht verbergen. Das ist offensichtlich. „Ich komme aus der Heizungs-, Klima-, Gas-, und Wasserinstallationsbranche. Da bestand der Arbeitsalltag aus viel Routine. Das ist hier anders. Hier öffnen sich Türen, die das Ganze herausfordernder und spannender machen.“ Hier – damit meint der Geschäftsführer von energy4rent in Österreich die Versorgung von Kunden mit mobiler Energie. Dazu zählen Unternehmen in Notfällen und Baustellen – aber auch immer öfter Großveranstaltungen.
Wärme, Kälte, Dampf und Strom
energy4rent ist auf die Vermietung und den Verkauf mobiler Energiezentralen spezialisiert. Diese liefern Wärme, Kälte, Dampf und Strom – und dies sehr oft und immer öfter bei Großevents. energy4rent betreut heuer eine Reihe von Großevents und will die Zahl mindestens verdoppeln. Dabei setzt man immer stärker auf nachhaltige Lösungen in Form von Pellet-Anlagen.
Sie kommen zum Beispiel im Juli Electric Love Festival zum Einsatz, einem dreitägigen Open-Air-Musikfestival im Bereich der elektronischen Tanzmusik auf dem Gelände des Salzburgrings, bei dem sich alles um die Liebe für laute Musik dreht. Ein weiteres Event-Highlight in den Auftragsbüchern des Unternehmens ist das Red Bull Erzbergrodeo im Juni. Dabei versammelt sich die Weltelite des Motorrad-Offroadsports mit ambitionierten Enduroathleten am steirischen Erzberg. 35.000 Teilnehmer aus mehr als 55 Nationen gingen beim „Woodstock des Extreme Enduro Sport“ – so der Veranstalter – an den Start und lockten insgesamt mehr als eine Million Motorsport Begeisterte in die Steiermark. Auch heuer wird ein voller Berg erwartet.
Die Ansprüche der Gäste sind in den vergangenen Jahren durchaus gestiegen. „Früher wäre auf Festivals niemand auf die Idee gekommen, nach einer Dusche zu verlangen. Das ist heute anders“, meint Spath. „Es ist deutlich mehr Komfort gefragt – und dies oftmals in abgelegenen Regionen, in denen keine Infrastruktur vorhanden ist“, so der energy4rent-Geschäftsführer weiter. „Das macht das Besondere für uns aus. Keine Situation ist gleich. Es gibt stets neue Herausforderungen.“
Mobile Energie bei Events
Bei Großveranstaltungen „schaffen mobile Energiesysteme eine funktionierende Infrastruktur, wo sonst keine vorhanden ist. Sie sorgen dafür, dass tausende Menschen unter komfortablen Bedingungen feiern, arbeiten oder Sport treiben können, ohne dass dauerhafte bauliche Maßnahmen nötig wären. Ohne diese Technik wären viele Events kaum realisierbar“, meint man auch Enerent Austria. Dazu gehört umfassender Service: von der persönlichen Vor-Ort-Beratung über Lieferung, Anschluss und Inbetriebnahme bis hin zur Betreuung während der gesamten Mietzeit.
Das Unternehmen hat zum Beispiel im vergangenen Jahr das Nova Rock Musik-Festival im Burgenland mit seinen 220.000 Besucherinnen und Besuchern mit Energie versorgt. Mit einem 300 Kilowatt starken mobilen Biomasse-Container wurden die Duschcontainer auf dem Festival-Gelände in Nickelsdorf beheizt. Enerent lieferte die mobile Energiezentrale sowie das Zubehör und unterstützte vor Ort bei Anschluss und Inbetriebnahme der Anlage. Bei der Fußball-EM 2024 in Berlin betreute das Unternehmen den Adidas-Hospitality-Bereich. Fünf Enerent Split-Klimageräte mit jeweils 7 Kilowatt sorgten bei sommerlichen Außentemperaturen für Abkühlung in den Meetingräumen.
Die Anbieter von mobilen Energieanlagen sind bei derartigen Großveranstaltungen mit einer Reihe von Herausforderungen konfrontiert. Die größte: Die Infrastruktur vor Ort ist nicht oder nur beschränkt vorhanden. „Vor Ort gibt es keine zentrale Warmwasserbereitung beziehungsweise Heiz- oder Kühlsysteme. Die mobilen Anlagen müssen ohne großen Aufwand direkt an vorhandene Anschlüsse angeschlossen werden können und sofort und konstant Warmwasser/Heizwärme oder Kälte liefern“, erläutert man bei Enerent.
Herausforderung Nummer zwei ist die hohe Auslastung der Anlagen zu Spitzenzeiten: Mobile Energielösungen sind nicht nur für den Durchschnittsbedarf, sondern bewusst für Belastungsspitzen ausgelegt. Die Wassertemperatur soll stabil bleiben, es soll jederzeit Warmwasser vorhanden sein und es darf zu keinen Versorgungsausfällen kommen. „Möchten beispielsweise nach Ende eines Konzerts oder am Morgen sehr viele Festivalbesucher gleichzeitig duschen, während tagsüber die Auslastung vergleichsweise gering ist, sind zum Beispiel angeschlossene Pufferspeicher hilfreich, um bei hohem Bedarf eine ausreichende Menge Warmwasser bereitstellen zu können“, verdeutlicht Enerent.
„Eine der größten Herausforderungen bei Großevents ist und bleibt die Logistik. Das Zusammenspiel zahlreicher Dienstleister, die exakte Koordination von Zeitplänen sowie die Abhängigkeiten einzelner Gewerke sind entscheidend für den Erfolg“, ergänzt Markus Juffinger, Gründer und Geschäftsführer des heimischen Anbieters Energy Mode. „Während wir bei Industrie- oder Pharmaeinsätzen bei Unklarheiten Besichtigungstermine wahrnehmen können, ist dies bei Events nur sehr eingeschränkt oder gar nicht möglich. Die Gegebenheiten müssen akzeptiert werden, wie sie sich am Veranstaltungstag darstellen – für Alternativen bleibt meist keine Zeit“, meint Juffinger weiter. „So können auch schon Zufahrten über Feldwege schnell zum kritischen Faktor werden, wenn es davor tagelang geregnet hat. Auch im Vorfeld kalkulierte Leistungen, etwa im Bereich der Klimatisierung, geraten auf den Prüfstand, wenn sich Stellplätze kurzfristig in praller Sonne befinden oder Zelte plötzlich mit südseitigen Panoramafensterfronten ausgestattet sind.“
Eines der größten Events, das Energy Mode bislang betreut hat, fand im vergangenen Jahr mit dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest im Glarnerland in der Schweiz statt. „Das Besondere an dieser nur alle drei Jahre ausgetragenen Großveranstaltung ist ihr wechselnder Austragungsort. Dadurch existiert vorab keinerlei stationäre Infrastruktur – weder Tribünen noch Festflächen oder sanitäre Anlagen“, schildert Juffinger.
„Innerhalb kürzester Zeit entsteht so die größte temporäre Arena der Welt, inklusive eigens angelegter Verkehrswege, Abwassersysteme, provisorischer Brücken und einer Besucherzahl von über 500.000 Menschen in den beiden Vorwochen sowie am Festwochenende selbst.“ Die Aufgabe von Energy Mode bestand darin, „für einen unserer Partner die Brauchwarmwasserversorgung im Bereich der Sanitärzelte sicherzustellen“. Realisiert wurde dies durch den Einsatz von zwei Heizmobilen mit jeweils 370 Kilowatt Leistung in Kombination mit externen Frischwassermodulen.
„Energieversorgung in direktem Besucherkontakt stellt besonders hohe Anforderungen an Sicherheit, Lärmemissionen und Umweltverträglichkeit“, so Juffinger weiter. Gleichzeitig stehe das Wohlbefinden der Gäste immer im Fokus. „Während ein Heizungsausfall in einem Bürogebäude noch erklärbar ist, stößt man während eines Gala-Dinners im Festzelt schnell an Grenzen des Verständnisses.“ Hinzu kommen klassische Rahmenbedingungen, die bei Events oft nur eingeschränkt gegeben sind: tragfähige Stellflächen, ausreichende Stromversorgung, gute Zugänglichkeit für Nachbetankungen sowie funktionierende Lade- und Entlademöglichkeiten.
Fokus auf Nachhaltigkeit
Immer mehr an Bedeutung gewinnt der Themenkreis Nachhaltigkeit und Effizienz. Event-Veranstalter achten immer stärker auf CO₂-Reduktion, Energieeinsparung und Ressourcenschonung. Deshalb sollen mobile Energiesysteme zunehmend energieeffizient und emissionsarm arbeiten sowie gleichzeitig zuverlässig die Spitzenlasten abdecken können. Enerent erweitert daher das Portfolio an nachhaltigen Technologien – „darunter mobile Wärmepumpen und Heizlösungen, die vollständig ohne fossile Brennstoffe betrieben werden“.
Auch Energy Mode-Geschäftsführer Juffinger geht davon aus, „dass der Bedarf an Klimatisierungslösungen weiter deutlich steigen wird – aus Komfortgründen ebenso wie aus reiner Notwendigkeit. Parallel dazu gewinnen Green Events an Bedeutung: Wärmepumpen, CO₂-neutrale Betriebsstoffe wie HVO100 und nachhaltige Konzepte rücken immer stärker in den Fokus.“
energy4rent setzt beim Thema Nachhaltigkeit stark auf mobile Pelletsanlagen. Das Unternehmen betreibt in Österreich bereits 30 Anlagen, die laut Geschäftsführer Spath „alle im Einsatz sind“. Er will die Zahl dieser Anlagen jährlich um 20 bis 30 Stück erhöhen. Und sie kommen natürlich nur bei Großevents zum Einsatz. Ein gutes Beispiel dafür ist der Med Campus in Wien. Dort beheizt energy4rent die gesamte Baustelle mit 45.000 Quadratmetern mit elf Pelett-Anlagen. Spath: „Die Nachfrage nach umweltfreundlichen Technologien ist groß. Unser Ziel ist, dass mindestens 50 Prozent unserer Anlagen mit Pellets betrieben werden.“




