Künstliche Intelligenz

Kluge KI spart viel Energie

01.02.2026

In der Gebäudetechnik werden immer mehr digitale Tools eingesetzt. KI und Co helfen, die Energieeffizienz zu verbessern – ohne dass Investitionen in die Gebäudeinfrastruktur notwendig wären. Das hat auch Folgen für die Installateure. Sie müssen sich zunehmend mit dem Thema Datensicherheit befassen.

Wer Wien kennt, kennt auch dieses Haus: das Bürogebäude mit der markanten grünen Fassade in der Radetzkystraße 2 im dritten Wiener Gemeindebezirk, in dem das Klimaschutzministerium ist. Man sieht es auf der linken Seite, wenn man von der Urania kommend auf den Ring fährt. Das Besondere an dem Gebäude, das der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) gehört, ist aber nicht nur die Fassade. Siemens Gebäudetechnik hat dort ein sogenanntes „Energy- und Asset-Performance-Servicepaket“ implementiert, mit dem sich im Betrieb 1,2 Millionen Kilowattstunden pro Jahr einsparen lassen. Das Schöne daran: Das ging ohne Investitionen in die Gebäudeinfrastruktur, sondern nur mit smarter Technologie.

Intelligente Systeme sammeln Daten

Asset Performance Services sammeln und analysieren kontinuierlich Daten und Trends aus dem Gebäudemanagementsystem. Aus diesen lassen sich Maßnahmen zur Verbesserung der Gebäudeperformance ableiten. Über die analysierten Daten kann beispielsweise nachgewiesen werden, dass der Wasserverbrauch oder die Grundlast beim Stromverbrauch in der Nacht zu hoch ausfällt. Ein anderes Beispiel: Die Zulufttemperatur während der unbesetzten Zeit ist zu hoch. „In so einem Fall kann eine simple Zeitschaltprogrammierung zu einer weiteren Energieeinsparung und somit Ressourcenschonung führen“, erklärt Michael Okoli, der bei Siemens Österreich den Bereich Digital & Software für die Gebäudetechnik leitet.

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Bei der Analyse und der Erarbeitung von Lösungen kommt auch immer häufiger KI zum Einsatz. So auch in der Radetzkystraße 2: Um die notwendigen Daten von der Gebäudetechnik erfassen zu können, müssen zunächst einmal die Datenpunkte erfasst werden, die diese Daten liefern – dazu gehören Thermostate, Brandmelder, Lüftungen oder Wärmepumpen. „Das Mapping, also das strukturierte Erfassen, wurde früher manuell gemacht. Heute läuft das automatisiert mit der KI“, erläutert Martin Lang, Head of Smart Infrastructure Buildings bei Siemens Österreich.

Er nennt ein weiteres Beispiel: Früher haben Spezialisten die Daten alleine analysiert und diese Analyse dokumentiert, um daraus eine Wissensdatenbank zu erstellen. „Heute kann eine KI eine Voranalyse erstellen, auf deren Basis unsere Expert*innen gezielt weiterarbeiten“, so Lang. „Das erhöht Qualität und Effizienz.“

Und der Vormarsch der Digitalisierung ist nicht mehr aufzuhalten. Siemens hat vor Kurzem eine globale Studie mit 1.400 Führungskräften aus dem Energiesektor durchgeführt. Eines der Ergebnisse: Mehr als 70 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass digitale Technologien – insbesondere Künstliche Intelligenz (KI) und Netzsoftware – für die saubere Energiewende unerlässlich sind. „Denn diese unterstützen die Integration von erneuerbaren Energien, den Übergang zur Elektrifizierung und die Optimierung der Energieeffizienz – drei zentrale Hebel, um den Verbrauch fossiler Energieträger zu senken“, so Siemens.

Technik in Floridsdorf

Hochintelligente Haustechnik kommt auch in der Klinik Floridsdorf zum Einsatz. Das Krankenhaus verfügt über 700 Betten in 13 verschiedenen Abteilungen und zählt zu den modernsten Krankenhäusern Europas. Das gilt auch für dem innovativen Konzept zur Wärmeversorgung. Für die Patient*innen, das Personal und die unterschiedlichen empfindlichen medizinischen Geräte spielen die Temperaturen im Krankenhaus eine entscheidende Rolle. Die Firmen Digital Realty, Siemens und Wien Energie gemeinsam ein Konzept entwickelt, um die Wärme, die im Rechenzentrum entsteht, im Krankenhausbetrieb zu nutzen.

Und das ist eine wahre Win-win-Situation: Das Krankenhaus, das einen ganzjährig hohen Wärmebedarf hat, wird mit Wärme versorgt. Und das Data Center, das viel Wärme produziert, kann diese sinnvoll weitergeben. Um das zu erreichen, wurden in direkter Nachbarschaft zur Klinik Floridsdorf drei Wärmepumpen errichtet, die über eine Leitung mit dem Kühlsystem des nahegelegenen Rechenzentrums verbunden sind. Mit der Anlage wird beim Rechenzentrum dem rund 26 °C warmen Kühlwasser die Wärmeenergie entzogen und über die Leitung in einem eigenen Wasserkreislauf in die Energiezentrale der Klinik geleitet.

Mit den Wärmepumpen kann die Wärme genutzt werden, um die Klinik Floridsdorf mit bis zu 82 °C zu heizen. Das abgekühlte Wasser fließt zurück zum Rechenzentrum, wo es wieder zur Kühlung eingesetzt wird. Die Abwärme des energieintensiven Rechenzentrums wird so sinnvoll genutzt – und zwar das ganze Jahr über. Derzeit werden zwischen 50 und 70 Prozent des Bedarfs an Wärme der Klinik Floridsdorf mit der Abwärme des Rechenzentrums gedeckt.

Ermöglicht wird das Ganze durch eine smarte Steuerung. Der Einsatz von digitalen Tools und KI hat durchaus Auswirkungen auf den Arbeitsalltag der Installateure, aber sie fallen aus Sicht von Siemens-Manager Lang positiv aus: „Die notwendigen Grundkenntnisse – etwa in Hydraulik – bleiben gleich. Die Auslegung von Anlagen hat sich nicht verändert. Mehr Technik hilft eher bei der Feinjustierung“, meint Lang. „Ob ich ein kommunikationsfähiges Feldgerät oder einen einfachen Zweidrahtantrieb verbaue, macht beim Einbau keinen Unterschied. Die Ansteuerung ist meist einfacher. Die Systeme funktionieren oft wie ein gängiges Microsoft-Programm. Man braucht keine IT-Ausbildung.“

Lang weist allerdings auf einen wichtigen Aspekt hin: „Was wichtiger wird, ist das Thema Datensicherheit. Hier kommen neue Anforderungen auf die Installateur*innen zu. Aber das lässt sich lernen“, so Lang. „Unser Ziel als Lieferant ist es, dies unseren Partnern so einfach wie möglich zu machen – bei Schulung, Installation, Bedienung und Netzwerkinfrastruktur.“