Fokus Bausoftware

KI braucht Köpfchen

19.01.2026

Ohne KI geht nichts. Da sind sich die Bausoftware-Anbieter einig. Aber eines ist auch klar: Die KI braucht klare Prozesse und gut ausgebildetes Personal.

„Aus meiner Sicht lassen sich die aktuellen Entwicklungen in der Bausoftware auf einen gemeinsamen Nenner bringen: verlässliche digitale Prozesse über den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks.“ Hannes Nimmerfall, Geschäftsführer der Bauplattform Planfred, fasst zusammen, was viele Experten denken. „Die Zukunft der Bausoftware liegt nicht in möglichst viel Automatisierung oder technologischem Hype, sondern in Vertrauen, Transparenz und Klarheit“, ergänzt er. Kurz gesagt: „Software muss Bauprozesse verständlicher machen – nicht komplexer.“

Grundlage klären

Bevor Bauunternehmen über KI, Automatisierung oder neue Technologien nachdenken, sollten sie aus Sicht von Nimmerfall die Grundlagen klären: Welche Pläne und Dokumente gelten? Wo liegen freigegebene, letztgültige Unterlagen? Wer hat wann was entschieden? Wo sind Mängel, Fotos, Nachweise und Protokolle eindeutig dokumentiert? „Der größte Effizienzverlust entsteht nicht durch fehlende Tools, sondern durch unklare Zuständigkeiten, verstreute Informationen und nicht nachvollziehbare Entscheidungen. Genau hier muss Bausoftware ansetzen“, meint der Planfred-Geschäftsführer.

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Sehr ähnlich sieht das Monika Ilg, Geschäftsführerin des Bausoftware-Anbieters IB-Data, der mit seiner Lösung ABK am Markt vertreten ist. Auch für sie steht die Digitalisierung bestehender Prozesse an erster Stelle. „Stabile und etablierte Abläufe bringen nachhaltigen Erfolg, darauf aufbauend können Optimierungen mit KI umgesetzt werden“, meint Ilg und ergänzt: „Aus unserer Sicht ist die digitale Prozessoptimierung der Schlüssel zum Erfolg. Dabei versuchen wir bestehende Abläufe zu integrieren. Nicht nur um eine größere Akzeptanz für Änderungen zu schaffen, so erhöhen wir auch die Effizienz und die Nachhaltigkeit.“ Die Anbindung zu anderen Lösungen und Software sei entscheidend für durchgängige Workflows.

Realität auf den Baustellen

Beim Anbieter Ishap spezialisiert man sich auf Lösungen für die digitale Dokumentation und Verwaltung auf Baustellen. „Uns geht es vor allem um die tägliche Realität auf Baustellen“, sagt Geschäftsführer Jan Hehenberger. Die digitale Prozessoptimierung am Bau beginnt für Ishap bei der Personaldokumentation: „Fehlende oder ablaufende Nachweise sind kein administratives Detail, sondern ein echtes Risiko.“

Und das Thema Rechtssicherheit verbunden mit dem dazugehörigen Haftungsrisiko ist aus Sicht von Hehenberger an Bedeutung kaum zu überschätzen: „In Zeiten von Fachkräftemangel und komplexen Subunternehmerketten ist die Gefahr von Sozialbetrug und Schwarzarbeit eines der größten betriebswirtschaftlichen Risiken für Generalunternehmer.“ Ein Fehler bei der Prüfung eines einzigen Dokuments könne durch die Auftraggeberhaftung schwerwiegende Folgen haben. Die hauseigene Ishap-Card minimiere dieses Risiko und entlaste das Personal auf Baustellen, weil die Software diese Arbeit erledige.

Zentrale Rolle

Eine zentrale Rolle – da sind sich alle Fachleute einig – wird in Zukunft für die gesamte Softwarebranche die KI spielen. „Tatsache ist, dass uns KI rasend schnell verbessert und uns mittlerweile in allen Unternehmensbereichen unterstützt“, meint Hehenberger. Er verweist aber auch auf einen Faktor, der aus seiner Sicht noch wichtiger ist, als die künstliche Intelligenz: die menschliche. Die KI ist ein „Werkzeug und dieses braucht eben Experten, die dieses auch bedienen können. Daher ist es für uns klar, dass wir hier weiter menschliche Expertise aufbauen“, so der Ishap-Geschäftsführer. Seine klare Aussage: „Es wird in Zukunft nicht den Unterschied machen, wer KI einsetzt, sondern wie KI verwendet wird.“

Mads Bording Chief Strategy Officer (CSO) bei RIB Software formuliert es folgendermaßen: Den “wichtigsten Beitrag zum Erfolgsmodell KI-Einsatz” werden auch in Zukunft Menschen liefern – “echte Profis, die den Einsatz von KI als Erweiterung ihrer Expertise und nicht als Ersatz ihrer Arbeit verstanden haben”. Seiner Einschätzung nach befindet sich der Einsatz von KI in der Planung und im Bau derzeit noch in einer frühen Phase. “Schon jetzt ist die Wertschöpfung hoch und es haben sich gezielte Workflows etabliert. Wir sehen bereits konkrete Anwendungen in einzelnen Arbeitsabläufen.“ Als Beispiele nennt Bording Entwürfe zur Optimierung von Layouts, KI-gestütztes BIM zur Kollisionsprüfung und Verbesserung von Abstimmungsprozessen, die Vorhersage von Bauzeitplänen oder den Einsatz von Drohnen- und Sensordaten zur Baustellenüberwachung.

Bording weiter: „Tatsächlich befinden sich die meisten Unternehmen derzeit noch in Pilotphasen, da fehlende Daten- und Prozessreife breitere Rollouts verhindert.“ Der Zukunft am Bau gehört seiner Meinung nach weniger universellen Large Language Model wie ChatGPT, sondern spezialisierten Agenten oder Mensch-Maschine-Netzwerke, „in denen Künstliche Intelligenz in enger Zusammenarbeit mit den Nutzenden gezielt einzelne Aufgabenbereiche unterstützt“.

KI als Gamechanger

„Ich denke, dass KI wirklich ein Gamechanger sein kann. Durch KI-gestützte Systeme können zum Beispiel. Entwurfsarbeiten und Planungen effizienter gestaltet werden“, sagt Markus Knasmüller, Geschäftsführer von BMD Systemhaus. „Künstliche Intelligenz ist weit mehr als nur ein Trendbegriff – sie durchdringt unseren Alltag und ihr Potenzial eröffnet vielfältige Möglichkeiten.“

Dieses Potenzial reiche vom Kundenkontakt bis zum Brückenschlag zwischen wissenschaftlichen Fortschritten und den praxis- und produktbezogenen Potenzialen. „Ganz wesentlich wird hier die Automatisierung sein. KI wird helfen, repetitive Aufgaben schneller und effizienter zu erledigen, wodurch Unternehmen ihre Ressourcen besser nutzen können“, meint auch Knasmüller. Und so wie seine Branchenkollegen verweist er darauf, dass die beste KI nicht ohne den Menschen auskommt: „Nicht vergessen werden darf aber sicherlich, dass die Anwendung von KI das Wissen der Mitarbeitenden braucht. Mangelnde Ausbildung in diesem Bereich ist aktuell wohl ein Hochrisiko für Unternehmen.“

Ruth Schiffmann, Geschäftsführerin vom Bausoftwarespezialisten Nevaris weist auf einen anderen kritischen Erfolgsfaktor für die KI hin: „Sie muss nativ und nahtlos in die Software integriert sein. Sie darf für die Bauunternehmen keine zusätzliche Arbeit bedeuten.“ KI potenziert aus ihrer Sicht die Effekte der Digitalisierung. Als Beispiel führt Schiffmann die automatisierte Mängelerkennung an: Fotos werden KI‑gestützt klassifiziert, Mängel priorisiert und automatisch ins Mängelmanagement überführt. Auch KI-unterstützte Kalkulationsvorschläge, basierend auf historischen Daten, sparen Zeit und erhöhen die Treffsicherheit.

Integrierte Funktionen

Für die nächsten Jahre sieht die Nevaris-Geschäftsführerin „eine Entwicklung von punktuellen KI‑Tools hin zu nativ integrierten, agentischen Funktionen, die Aufgaben anstoßen, Daten zusammenführen und Entscheidungsvorschläge liefern“. KI werde Routineaufgaben stark automatisieren – Rechnungsprüfungen, Standardkalkulationen, Dokumentationsextraktion – und damit Fachkräfte entlasten.

Aber Schiffmann warnt: „KI ist kein Selbstläufer. Rund 95 Prozent der Projekte scheitern nicht an der Technik, sondern daran, dass Menschen nicht mitgenommen werden.“ Deshalb brauche man konsequentes Change Management, klare Daten‑Governance und hohe Datenqualität. „KI kann Entscheidungen unterstützen und Prozesse automatisieren, ersetzt aber nicht fachliches Urteilsvermögen. Erfolgreich ist KI nur, wenn sie benutzerfreundlich, datensicher, rechtskonform und eng mit der Praxis verzahnt ist.“

IB-Data-Geschäftsführerin Ilg hat zur künstlichen Intelligenz eine klare Meinung: „KI ist kein Allheilmittel – die Herausforderungen liegen in der Verfügbarkeit und Qualität der Daten. Es benötigt viele Daten mit einer hohen Datenqualität, um aussagekräftige Texte zu erzeugen oder plausible Werte zu ermitteln.“ IB-Data legt den Fokus darauf, KI sinnvoll einzubinden und gleichzeitig die Digitalisierung als Fundament zu stärken. Ilg: „So schaffen wir echten Mehrwert für die Anwender. Wir sehen die Zukunft in einer Kombination aus Standardisierung, Automatisierung und intelligenter Vernetzung.“