Energie vom Dach

Dachintegrierte Photovoltaik: aktuelle & attraktive Lösungen

Photovoltaik
24.08.2022

Photovoltaik ist in aller Munde und für viele bereits schon jetzt die Energieform der Zukunft. Neben den hohen Kosten der Installation gibt es allerdings oft eine letzte Hürde: Die mangelnde Ästhetik der PV-Systeme lässt viele noch zögern. Doch die Industrie hält schon attraktive Lösungen bereit.
Hocheffizient und ästhetisch: Das Indach-Komplettsystem "Sunskin roof" von Eternit. 

Eigentlich hat die Energiewende schon lange begonnen. Doch alles ging bisher viel zu zögerlich. Jetzt gibt es wirklich Handlungsbedarf: Die steigenden Energiepreise lassen den Wunsch nach Unabhängigkeit größer werden. Der Photovoltaik kommt dabei eine bedeutende Rolle zu, denn die Sonne ist und bleibt ein zuverlässiger Energielieferant. Neben den bekannten Aufdachvarianten gibt es nun immer mehr dachintegrierte Paneele, die sich perfekt in die Architektur einfügen.

Gebäudeintegrierte Photovoltaik: Trendwende in Sicht

Dass die Zukunft  der Photovoltaik nur gebäude-integriert sein kann, ist für die meisten Produzenten eine glasklare Sache. So war es beispielsweise für Eternit das Gebot der Stunde, an einer ästhetischen Alternative zu herkömmlichen PV-Produkten zu arbeiten. Das Ergebnis ist die Indachlösung "Sunskin roof" – flache, rahmenlose Doppelglasmodule, durch die das Dach, aber auch zukünftig die Fassade zum Energielieferanten wird. Das System von Eternit erfüllt nicht nur die Ansprüche an eine erstklassige Dachdeckung, sondern kann auch betreten werden und hält schweren Schneelasten und Hagelstürmen stand. "Sunskin roof" eignet sich darüber hinaus für fast jede Dachform. "Bereits ab einer Dachneigung von 15 Grad können die Module eingesetzt werden", erklärt Franz Leitner, Projektleiter Photovoltaik bei Eternit.

Das Indach-PV-System "Sunskin roof" von Eternit.

"Sunskin roof kann gerade oder versetzt montiert werden und macht dadurch eine individuelle Gestaltung möglich", erläutert Franz Leitner. Um das Modul zu verarbeiten, braucht es keine speziellen Kenntnisse. "Will der Verarbeiter ein Projekt mit unserem Photovoltaiksystem realisieren, erarbeiten wir auf Basis verschiedenster Einflussfaktoren wie zum Beispiel der Ausrichtung des Hauses in der Regel ein Konzept. Das kann der Verarbeiter dann leicht umsetzen. Wir bieten aber auch Unterstützung vor Ort an, damit die Montage einwandfrei funktioniert. Learning by doing sozusagen."
Die Montage selbst geht schnell, sogar ganz ohne Werkzeug, wenn alle Vorarbeiten erledigt sind. Ein wichtiger Punkt – Einfachheit und Geschwindigkeit sind die Schlüssel zur Zukunft, und die gehört der Photovoltaik, da ist sich auch Franz Leitner sicher: "Meiner Einschätzung nach werden die Energiepreise langfristig weiter steigen, genauso wie der Energieverbrauch. Die Gratisenergie der Sonne zu nutzen macht da natürlich Sinn. Aus ökonomischer Sicht, aber sicherlich auch aus ökologischer."

Wie aus einem Guss

Auch Prefa hat eine Möglichkeit gefunden, auf elegante Art am Dach Strom zu produzieren. Dafür wurde eine Dachplatte aus Aluminium entwickelt, in die eine Photovoltaikanlage integriert und fest mit der Grundplatte aus beschichtetem Aluminium verbunden ist. Der Startschuss für dieses kleine Kraftwerk, mit dem der Strom direkt verwendet, gespeichert oder ins Stromnetz eingespeist werden kann, fiel 2019, als es bereits ein ähnliches Solarprodukt im Sortiment gab. "Unser Anspruch war es, ein dachintegriertes Produkt zu entwickeln, das kompatibel zu Standardprodukten ist und gleichzeitig den Organisationsaufwand für Endkunden und den Verlegeaufwand für Spengler so gering wie möglich hält", sagt Sandra Stritzl, Leiterin des Produktmanagements International. Felix Gruber, Innovation & Entwicklung bei Prefa, ergänzt: "Bei der Indachinstallation wird die vorhandene Dacheindeckung im Bereich der Anlage durch die Module ersetzt. Es entfällt eine zusätzliche Montage. Außerdem ist keine Durchdringung der Dacheindeckung, zusätzliche Verschraubung etc. notwendig."

Die innovative Solardachplatte von Prefa.

Die PV-Zellen der Prefa-Solardachplatte verfügen über eine hochmoderne Halbzellentechnologie für eine maximal optimierte Leistung. Die eigens entwickelten Anschlussdosen sind direkt im PV-Modul integriert. "Die technische Umsetzung war nicht leicht, Stecker und Anschlussdosen waren anfänglich zu groß, insgesamt hätten die Komponenten nicht unter die Dacheindeckung gepasst. Wir haben dann rasch erkannt, dass wir mit Standardkomponenten nicht weiterkommen", erinnert sich Sandra Stritzl. "Daraufhin haben wir nicht nur unsere eigene Anschlussdose entwickelt, sondern auch unser eigenes Modul konfektioniert. Das Ergebnis war ein gebäudeintegriertes Solarprodukt mit geringer Aufbauhöhe. Das Besondere daran ist, das Modul bildet eine Einheit mit der da runterliegenden Aluminiumplatte und wurde optimal auf unsere bestehenden Produkte abgestimmt." Unterstützung – von der Planung über den Förderantrag bis zur Garantieleistung – bekommen die Partner*innen in Form von Schulungen und in der Prefa Academy.

Das Indachsystem "InDax" der BMI Group lässt sich nahtlos in jedes Steildach verbauen. 

Richtig Schwung holen

Zweifellos sei auch für BMI der Photovoltaiksektor ein stetig zunehmender Geschäftsbereich, erklärt Bernhard Pfeiffer, Technischer Key-Account-Manager bei BMI: "Vorher hatten wir PV-Lösungen zwar auch im Programm, aber erst 2021 sind wir so richtig durchgestartet und haben in diesem Jahr PV-Anlagen mit einer Leistung von über 1,5 Megawatt verkauft. Etwa ein Viertel davon entfiel auf die beiden Indachsysteme InDax und Premium." Denn gerade am Steildach ist die Kombination des top-modernen Dachsteins Bramac "Tegalit" mit dem hochklassigen Bramac-"Photovoltaik Premium"-System eine besonders innovative Lösung, vor allem deshalb, weil die auch optisch ansprechenden PV-Module anstelle von Dachsteinen in das Dach integriert werden. Dadurch ergibt sich ein vollkommen geradliniges, harmonisches Deckbild.
Die Kollektoren des Bramac-Photovoltaik-"InDax"-Systems sind etwas größer als die "Premium"-Kollektoren, aber sie lassen sich ebenfalls als vollwertige "harte Bedachung" nahtlos in jedes Steildach verbauen. Diese kristallinen PV-Paneele sind für Dächer mit allen gängigen Dach-steinen und Dachziegeln ausgelegt – sowohl für den Neubau als auch für die nachträgliche Montage. Die integrierten Indachlösungen werden zumeist aus ästhetischen Gründen in Betracht gezogen. "Gerade für moderne architektonische Gebäude eignen sich diese Systeme perfekt, weil sie sich besonders gut in die Dachstruktur einfügen", sagt Bernhard Pfeiffer. "Aber ebenso sind sie für Objekte in Städten ausgerichtet, wo Denkmalschutzrichtlinien oder bestimmte Verbote zu berücksichtigen sind."

Zum Greifen nah

Unter dem Namen "WeVolt" hat die Wienerberger-Gruppe in den Niederlanden und Frankreich eigene Solarlösungen auf den Markt gebracht. 2021 wurde in den Niederlanden der "Alegra 10 WeVolt Solardachziegel" als erstes Sonnenenergie-Dachsystems der Wienerberger-Gruppe eingeführt. Dabei werden Solarzellen mit einem herkömmlichen keramischen Dachziegel kombiniert und somit direkt in die Dachziegel integriert, das Design entspricht dem traditionellen schwarzen Flachdachziegel "Alegra 10", wobei die Zubehörteile in der gleichen Farbe erhältlich sind. Da sich die Solarmodule unsichtbar in die Dachfläche einfügen, können auch bestehende und historische Gebäude davon profitieren.

Der PV/Solar-Dachziegel "WeVolt" von Wienerberger ist aktuell nur in den Niederlanden und bei einzelnen Pilotprojekten im Einsatz.

"Mit dem neuen Solarziegel kombinieren wir das Beste aus beiden Welten: das charakteristische Keramikziegeldach und die effiziente Energieerzeugung mit Sonnenkraft. Das ist eine nachhaltige Lösung, die den heutigen Anforderungen an Energie und Nachhaltigkeit gerecht wird und dies auch in Zukunft tun wird", erklärt Jacco Venema, New-Business-Manager bei Wienerberger Niederlande. Aktuell wird der Solardachziegel in den Niederlanden produziert, wo er die erforderlichen technischen Prüfungen und Qualitätszulassungen bestanden hat und unter der Wienerberger-Marke WeVolt vertrieben wird. Eine Ausweitung auf weitere europäische Länder ist angedacht. Der kompakte und flexibel verlegbare Solardachziegel verlangt für die Luftzirkulation im Vorfeld Ventilatorelemente unter der Firststruktur. Beim Aufbringen auf das Dach lassen sich die einzelnen Solarziegel über Stecker miteinander verbinden. Schließlich sorgt ein zertifizierter Installateur für den Anschluss an den Mikro-Wechselrichter oder Optimierer und für die technische Installation, der Betrieb und der Ertrag ihres WeVolt-Energiedachs können ganz smart über eine App kontrolliert werden. Für eine reibungslose Abwicklung werden die Dachdecker*innen mit örtlichen Elektrosolarhändlern von Wienerberger miteinander vernetzt – in den Niederlanden bereits bewährte Praxis. In Österreich derzeit noch Zukunftsmusik, aber vielleicht schon bald Realität. 

Das Stadiondach des niederländischen Software-Unternehmens AFAS wurde mit 1.147 Stück direkt verklebten PV-Modulen von DAS Energy ausgestattet.

Leicht in jeder Hinsicht

Ihren Antrieb und ihre Mission sieht die in Wiener Neustadt (NÖ) ansässige DAS Energy GmbH darin, die Erzeugung von grüner Energie voranzutreiben – die beste Motivation, innovative Produkte im Photovoltaiksektor zu entwickeln. Die mit gerade einmal 3,3 Kilogramm pro Quadratmeter leichten DAS-Energy-Module sind flexibel und biegsam. Möglich wird das durch die Kombination von Glasfasermaterialien aus dem Flugzeugbau mit einer monokristallinen Siliziumzellentechnologie, die unter anderem eine maximale Energieausbeute lukriert. Die Module können ohne Unterkonstruktion und ohne Bohren mit einfachem Aufkleben auf allen Arten von Dächern eingesetzt werden und eignen sich besonders für jene mit niedriger Traglastfähigkeit. Auch an Fassaden können die ultraleichten, flachen Module montiert und so ästhetisch in die Gebäudehülle integriert werden.
Ein attraktives Tool, das nicht nur bei Neubauten, sondern auch bei Sanierungen von Bestandsgebäuden für einen großen Schritt in die Zukunft  sorgt. Für Architekt*innen bieten sich damit ganz neue Möglichkeiten, denn die flexiblen Module passen sich individuell auch an komplexere Gebäude- oder Dachformen an und können sogar an Gebäudeteilen mit schwierigen baulichen oder bauphysikalischen Bedingungen eingesetzt werden.

Die PV-Module von Sonnenkraft können ästhetisch in Dächer und Fassaden integriert werden.

Photovoltaik, immer und überall

Photovoltaik, wo immer es geht, zu integrieren hat sich das österreichische Unternehmen Sonnenkraft zur Aufgabe gemacht. Nicht nur weil vor allem versiegelte Flächen wie Gebäudefassaden, Terrassen, Carports, Zäune, Balkone oder Überdachungen ein großes Potenzial bieten, um Photovoltaikmodule in Gebäuden zu integrieren. "Jedes Gebäude kann ein Kraftwerk für Sonnenenergie sein und sauberen Strom produzieren. Die Photovoltaik bietet vielfältige Möglichkeiten, um sie an Fassade, Zaun und Balkon bis Terrasse oder Carport durch innovatives Produktdesign und die richtige Anwendung in die Architektur des Hauses und in die Umgebung einfügen zu können", sagt Dajana Scherr, Marketingleiterin von Sonnenkraft. Wie sich hier zeigt, gibt es viele Möglichkeiten, endlich unabhängig zu werden und seinen eigenen grünen Strom zu produzieren – von ganz kleinen Lösungen mit dem "Sonnenkraftwerk", an dem bis zu zwei Module direkt an die Steckdose angesteckt werden können, über spezielle Lösungen wie dem "Sonnenbalkon" oder der "Sonnenterrasse" bis hin zu einem E-Carport oder Fassadenmodulen wie der farbbeständigen, nahezu blendfreien "Sonnenfassade", die auf der innovativen "Kromatix"-Technologie basiert. 

Die Doppelglasmodule von Sonnenkraft können in E-Carports, Zäunen, Terrassen oder Fassaden verbaut werden.

Ein weiteres Highlight im Produktportfolio von Sonnenkraft sind die Doppelglasmodule, die dank ihres besonders resistenten Aufbaus sehr vielseitig eingesetzt werden können und über die DIBt-Zulassung ohne separate Bauzulassungen oder Sicherheitsmaßnahmen verbaut werden dürfen, egal ob für E-Carports, Zäune, Terrassen oder Fassaden. All diese innovativen Solarsystemlösungen werden in Österreich produziert und von mehr als 800 ausgewählten Fachhandwerker*innen in ganz Europa verbaut. 

"Wir können PV-Module in beinahe jede Fläche integrieren", sagt auch Vera Immitzer, Geschäftsführerin des Verbands Photovoltaik Austria. Lesen Sie mehr zum Potenzial von Photovoltaik und den Fördermöglichkeiten im Interview mit der PV-Expertin.
(bt)