Vielfältig

Mut zum Muster: Fassadentrends 2022

Fassadengestaltung
07.06.2022

Die Fassade gilt als Visitenkarte eines Gebäudes und hat das Zeug zum selbstbewussten Statement. Ja, man muss sich trauen, aber der Sprung über den eigenen Schatten zahlt sich aus.
Tapezierte Fassade.

Gebäuden eine Hülle zu geben, ist eine Sache. Aus der Fassade einen Hingucker zu machen, eine ganz andere. Dass eine Fassade heute nicht einfach nur Schutz, sondern ein individuelles Gestaltungsmittel und Ausdruck der darin befindlichen Menschen und Unternehmen ist, liegt auf der Hand. Und es gibt starke Ansagen, etwa der erst kürzlich zum fünften Mal von Baumit vergebene Baumit Life Challenge Award. "Der Bereich Sanierung und Renovierung ist die zukünftige Wachstumsbranche, und kreative Fassadenstrukturen werden zunehmend zu einem Element, das eigene Haus in Kombination mit der richtigen Farbgebung in ein Unikat zu verwandeln", betont Georg Bursik, Geschäftsführer der Baumit Österreich GmbH.
In Sachen Fassadenästhetik setzt Baumit unter anderem auf Beton. Der puristische Baustoff war bei Architekt*innen und Innenarchitekt*innen schon immer beliebt und wird auch bei Bauherr*innen immer mehr als Trend erkannt. Durch neue Entwicklungen und Verarbeitungstechniken ergeben sich noch mehr Gestaltungsmöglichkeiten, wie beispielsweise Baumit CreativTop zeigt, ein besonders modellier- und strukturierbarer Fassadenputz, der pastös, in der Wunschfarbe eingefärbt und bereits verarbeitungsfertig an die Baustelle kommt. Damit kann die Optik von Beton, aber natürlich auch vieler anderer Materialien täuschend echt nachempfunden werden. Zusätzlich kommen traditionelle Techniken des Handwerks wieder zum Zug: Mit Rolltechnik, Spachteltechnik, Schlämmtechnik, Vertiefungstechnik, Reibtechnik, Besenstrichtechnik oder Spritztechnik kann man sein Haus nach Sandstein, Holz, Rost oder Beton aussehen lassen.

Hier spielt Beton die Hauptrolle

Beton, wenn auch in ganz anderer Form, spielt bei Rieder eine der wesentlichen Hauptrollen in der ­Fassadengestaltung. Das Salzburger Unternehmen setzt auf nachhaltige Fassadenlösungen aus Glasfaserbeton, die den Anspruch an neue Gebäude aus Holz und Beton widerspiegeln. So setzt etwa CLT – "cross laminated timber" – neue Standards für die Zukunft des Hochbaus. Die Elemente sind ressourcenschonend, zeitsparend sowie ökologisch und lassen sich witterungsunabhängig inklusive der Fenster, Gebäudetechnik sowie Fassade vormontieren.
Selbstverständlich gehen die Entwicklungen immer weiter: Mit sich ändernden Anforderungen wird auch die Produkt­palette von Rieder kontinuierlich erweitert. Im Fokus steht derzeit die Entwicklung einer zement­reduzierten und in weiterer Folge zementfreien Betonmatrix. Im ersten Schritt wurden 50 Prozent substituiert, dadurch konnten 30 Prozent CO2 eingespart werden. Aber auch Kreislaufsysteme, Offsetting-Maßnahmen wie die Pflanzung von insgesamt einer halben Million Bäume und effizientere Prozesse sind bereits angestoßen. Dazu gehört auch die Entwicklung der Öko Skin Pixel, bei der der Verschnitt während der Produktion verringert wird. Die neue Ästhetik wirkt durch die Kleinteiligkeit nicht so perfekt, dafür können aber per Software erfasste Verschnittteile für neue Fassadenprojekte eingesetzt werden.

Fassade mit elementierter Hybrid­bauweise aus Holz und Beton.
Rieder setzt mit elementierter Hybrid­bauweise aus Holz und Beton auf Nachhaltigkeit. 

Diese Fassade macht die Welle

"Architekt*innen und Bauherr*innen möchten auch bei modernen Fassaden besondere Akzente setzen", sagt Klaus Haberfellner, Geschäftsführer der Austrotherm-Gruppe, die so die verstärkte Nachfrage nach den Austrotherm-Fassadenprofilen in Form einer Wellen- oder Kammoptik befriedigen will. "Diese verleihen einer Fassade ein besonderes Design, auch wenn sie in Teilbereichen eingesetzt werden. Die Welle wird oft horizontal angebracht, was neben dem optischen ­Effekt auch den Vorteil einer Regenwasser­abführung bringt. Das Kammprofil hingegen wird meist vertikal verbaut und erzielt durch seine markante Gestaltung eine deutlichere optische Schattenwirkung."
Die modernen Austrotherm-Fassadenprofile mit Kammprofil verleihen der Fassade mit ihrer Struktur und Dreidimensionalität zweifelsohne ein außergewöhnliches Profil. Dank der hochwertigen Beschichtung kann die Fassade sogar in Anthrazit oder anderen dunklen Farben gestrichen werden. Konzipiert als ein auf Kundenwunsch individuell angefertigtes Fertigelement aus einem werksseitig beschichtetem Hartschaum ist das Austrotherm-Kammprofil darüber hinaus mit einer witterungsbeständigen Beschichtung versehen. "Austrotherm-Fassadenprofile müssen nur noch in der Wunschfarbe gestrichen werden. Unsere Fachberater unterstützen Architekt*innen bei der Planung", ergänzt Haberfellner.

Die Fassade in Wellen- oder Kamm­optik von Austrotherm 
Die Fassade in Wellen- oder Kamm­optik von Austrotherm.

Kreativ gestalten mit Fassaden-Verblendern

Mit dem Original Meldorfer Verblender präsentiert Synthesa eine neue kreative Gestaltungsmöglichkeit. Als mineralisches Ausgangsmaterial lässt sich die Rohmasse in nahezu jede Form in jeder Farbe bringen, die von Architekt*innen gewünscht ist. Die zwischen vier bis sechs Millimeter starken Verblender überzeugen durch ihr geringes Eigengewicht und lassen sich zudem zeit- und kostensparend verarbeiten. Ursprünglich in traditioneller Handarbeit in der Meldorfer Manufaktur in Schleswig-Holstein hergestellt, gelten die Verblender als langlebig und widerstandsfähig und eignen sich sowohl für den Neubau als auch für Sanierungsprojekte sowie in Teilbereichen von Fassaden. Sie lassen sich auf Dämmsystemen – ganz gleich ob auf Hanf, Mineralwolle- und EPS-Systemen, auf vorgehängten hinterlüfteten Fassaden sowie auf allen anderen tragfähigen Untergründen im Außen- und Innenbereich – und unabhängig von der Dämmstoffstärke verarbeiten und ersetzen dabei den klassischen Oberputz. Zusätzlich entfallen Verdübelungen, die Klebefläche kann auf 40 Prozent reduziert werden. Vorteilhaft ist auch, dass die Verklebung und die Fugenausbildung in einem Arbeitsschritt mit einem Material erfolgen kann. „Das Sortiment bietet eine sehr große Vielfalt: Standardfarbtönen in traditioneller authentischer Klinkeroptik über moderne ­architektonische Holz-, Beton- und Natursteinoptiken bis hin zu individuellen Gestaltungskonzepten, die in Form und Farbe einzigartig sind“, erklärt Synthesa-Produktmanager Simon Haunschmid.

­Synthesa fassade mit Verblenderelementen.
Synthesa holt raffinierte Verblenderelemente in das Firmensortiment.

Nachhaltig gedämmt: Mineralwollesystem

Wärmedämmung
Weber Terranova setzt Recyclingglas für die Wärmedämmung ein.

Mit dem federleichten Mineralwollesystem Webertherm freestyle GW aus 80 Prozent Recyclingglas läutet Saint-Gobain Weber Terranova eine neue Ära der Fassadendämmung ein. Der Glaswollekern kommt vom Dämmstoffspezialisten Isover. Als nichtbrennbar eingestuft, kann das neue WDVS-System, das keinerlei chemische Brandschutzmittel einsetzt, von kleinen Einfamilienhäusern bis zum großvolumigen Wohnbau in allen Gebäudeklassen uneingeschränkt eingesetzt werden. "Die Anforderungen an Wärmedämmsysteme von Gebäuden steigen, da Bauherr*innen zunehmend auch ökologische Überlegungen wie zum Beispiel Nachhaltigkeit oder Recyclingfähigkeit in ihre Entscheidung miteinbeziehen", erklärt ­Michael Gromek, Verkaufsleiter bei ­Weber ­Terranova. "Für uns war klar, dass die Zeit reif ist für ein recyclingfähiges Dämmprodukt, das zusätzlich noch viele praktische Vorteile vereint." Und die liegen auf der Hand. So kann etwa Webertherm freestyle GW mit den mehrfach ausgezeichneten biozidfreien Aqua­Balance-Dünnputzen oder mit einer Vielzahl an anderen Deckbeschichtungen aus der eigenen hausinternen Produktion veredelt werden. Hinzu kommt eine deutliche Gewichtsreduktion im Vergleich zu herkömmlichen Steinwollesystemen von bis zu zehn Tonnen pro 1.000 Quadratmeter Fassadenfläche. "Mit dem optimierten Plattenformat von 60 mal 100 Zentimeter kann in gleicher Zeit pro Platte 20 Prozent mehr Dämmfläche erzielt werden. Pro Palette bedeutet das 100 Prozent mehr Output", erklärt Christian Höfer, Experte für Anwendungstechnik bei Saint-­Gobain Österreich. Nicht zuletzt absorbiert Webertherm freestyle GW mit seiner Faserstruktur störende Schallfrequenzen besonders effektiv und bietet damit einen verbesserten Schallschutz.

Unlimited: Endbeschichtungsmöglichkeiten

Röfix Fassade
Stein auf Stein: Röfix punktet mit kreativen Texturen für die Fassade.

Dass die ästhetischen Ansprüche an Fassaden spürbar gestiegen sind, weiß auch Röfix, der in Sachen Gestaltung mit Röfix StoneEticsR ins Rennen geht. Die besondere Stärke des Produkts liegt darin, dass die Endbeschichtung nicht mehr limitiert ist und man aus einer Vielzahl von Belägen wie Mosaik-, Klinker-, Keramik-, Kunst- oder Natursteinbelägen auswählen kann, ohne die bautechnische Sicherheit zu gefährden. Die zahlreichen Texturen und die unterschiedliche Oberflächenbearbeitung von Röfix StoneEticsR bringen kreative Vielfalt ins Geschehen, das bei der Gestaltung der Fassade ausgereizt werden darf. Und zwar voll und ganz, denn das bisher gültige Gesamtgewicht von 50 Kilogramm pro Quadratmeter kann hier überschritten werden – selbstverständlich unter Einberechnung von Dämmung, Armierung und Belagskleberauftrag. 
Mit Röfix StoneEticsR bietet Röfix Architekt*innen, Bauherr*innen und Facharbeiter*innen ein geprüftes Wärmedämm-Verbundsystem für Fassaden, das zur Aufnahme für unterschiedlich harte Beläge geeignet ist – schon immer eine große Herausforderung für Planer*innen und Verarbeiter*innen. Hinzu kommt auch, dass hier lokal produzierte beziehungsweise natürliche Materialien eingesetzt werden können, was letztlich nicht nur der Ästhetik der Fassade im Umgebungskontext, sondern auch generell der Nachhaltigkeit zuträglich ist.

Eine Tapete für die Fassade

Zum Schluss, sozusagen zum Ausklang, noch eine ganz andere Möglichkeit der Fassadengestaltung, wie sie das italienische Unternehmen Instabilelab vorschlägt: nämlich das Gebäude zu tapezieren. Die speziell als für den Außenbereich eigens ent­wickelten Tapeten aus Fibratex, einem mit Tex-Dekor-Mattharz behandelten Glasfasergewebe, verleiht ganzen Gebäuden oder auch nur Teilen davon einen ­völlig neuen, individuellen Charakter. Man muss sich trauen, aber: Das hochwertige Material vergilbt nicht und verfügt über die europäische ­Zertifizierung für das Brandverhalten der Klasse ­B-s1, d0. Zur Auswahl stehen die unterschiedlichsten Motive aus der aktuellen Tapetenkollektion, frei einsetzbar an Wohn-, Geschäfts- und Firmen­gebäuden, die nach außen hin und vor allem aussagekräftig verändert werden sollen.

Betonfassade
Schlaues Grau: Baumit bringt unter anderem die ­Betonoptik wieder ins Gespräch.