Coronakrise setzt mittelständischen Unternehmen kräftig zu

Die österreichische Wirtschaft hat aufgrund der Corona-Pandemie einen beispiellosen Konjunktureinbruch erlitten.

26.11.2020
Umfrage
Redaktion Bauzeitung

Die Creditreform Wirtschafts- und Konjunkturforschung hat im Herbst 2020 an die 1.500 österreichische Klein- und Mittelunternehmen nach der aktuellen Wirtschaftslage und den Ausblicken für die kommenden sechs Monate befragt. Dabei hat sich ganz deutlich gezeigt, dass die Corona-Krise den mittelständischen Betrieben heftig zusetzt. Das österreichische Creditreform Klimabarometer liegt mit einem Minus von 2,0 Punkten deutlich unter dem Vorjahreswert von Plus 17,9 Punkten und ist damit so schlecht wie zuletzt vor sechs Jahren. Die Werte setzen sich zusammen aus den Einschätzungen der Befragten zum eigenen Betrieb, zur eigenen Branche sowie zur konjunkturellen Lage allgemein.

Wenig bis gar kein Optimismus

Obwohl die Wirtschaft seit Mitte April, nach dem ersten Lockdown, langsam wieder hochgefahren wurde, hat sich die Stimmung im Mittelstand nicht verbessert.  Von Optimismus ist in den Betrieben schon vor dem zweiten Lockdown wenig zu spüren, mit einer Verbesserung des Geschäftsverlaufs rechnet auch kaum jemand. Am besten konnten sich in den letzten sechs Monaten die Bauwirtschaft und der Handel gegen die Krise stemmen. Schwer getroffen vom konjunkturellen Abschwung waren dagegen die Dienstleistungsbranche und das Verarbeitende Gewerbe. Bei beiden gaben die Konjunkturindikatoren deutlich nach.

Höhere Preise bei Bau und dem Verarbeitenden Gewerbe

Wenig überraschend haben sich die Angebotspreise der österreichischen Mittelbetriebe im letzten halben Jahr insgesamt nicht erhöht. Während im Herbst 2019 der Saldo aus gestiegenen und gesunkenen Angebotspreisen bei einem Plus von 11,6 Prozentpunkte lag, ergibt sich diesen Herbst ein Minus von 6,2 Prozentpunkten. Dass die Prozentpunkte nicht noch weiter gesunken sind, liegt an den überdurchschnittlichen Preissteigerungen in den Branchen Bau (13,7%; Vorjahr: 26,8%) und Verarbeitendes Gewerbe (12,6%; Vorjahr: 20,4%).

Bau trotz Rückgänge noch positiv

Die Baubranche schaffte es trotz großer Rückgänge beim Creditreform Klimabarometer im positiven Bereich zu bleiben (plus 12,2 Punkte; Vorjahr: plus 33,5 Punkte), so auch der Handel, der beim Index am wenigsten verlor (plus 2,7 Punkte; Vorjahr: plus 13,7 Punkte). Das Verarbeitende Gewerbe musste sein Ergebnis um 14,9 Zähler nach unten korrigieren (minus 2,2 Punkte; Vorjahr: plus 12,7 Punkte). Am deutlichsten waren die Stimmungseinbußen bei der Dienstleistungsbranche, wo der Index 28,5 Zähler verlor (minus 11,6 Punkte; Vorjahr: plus 16,9 Punkte). 

Besonders deutlich sichtbar wird die derzeitige Misere bei den Auftragseingängen, die ein alternativer Konjunkturindikator sind. Im letzten halben Jahr sind die Aufträge der mittelständischen Betriebe geradezu eingebrochen. So verzeichneten 21,6 Prozent der Befragten Auftragssteigerungen (Vorjahr: 22,4%) und 47,4 Prozent (Vorjahr: 23,1%) Auftragsrückgänge. Der Saldo aus gestiegenen und gesunkenen Aufträgen fiel im Vergleichszeitraum von minus 0,7 Prozentpunkten im Herbst 2019 auf heuer minus 25,8 Prozentpunkte. Und durch den zweiten Lockdown ist davon auszugehen, dass der heimische Wirtschaftsmotor weiter ins Stottern geraten wird.

Creditreform Klimabarometer: Um rund 20 Punkte auf Minus 2,0 Punkte gesunken

© Creditreform
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Besonders deutlich wird die Misere bei der Auftragsentwicklung

Als Krisenhilfe haben die meisten mittelständischen Unternehmen in Österreich die Corona-Kurzarbeit in Anspruch genommen (82,0%). Deutlich weniger Befragte (34,2%) beantragten in den letzten Monaten eine Stundung bei der Finanzverwaltung und der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) oder einen Fixkostenzuschuss (28,0%).

Zur finanziellen Entlastung entschieden sich 23,3 Prozent der Betriebe für die Herabsetzung der Einkommens- und Körperschaftssteuervorauszahlungen, 18,9 Prozent für einen Kredit bei der Hausbank und 11,5 Prozent für einen Härtefall- oder Corona-Hilfsfonds. Unter den Corona-Bedingungen reduzierte sich bei 29,6 Prozent der mittelständischen Unternehmen das Eigenkapital, jedoch konnten auch 6,5 Prozent ihre Eigenkapitalausstattung verbessern. Die große Mehrheit der Befragten (51,4%) bezeichnete ihre Eigenkapitalausstattung als sehr gut bzw. gut und nur 11,6 Prozent als mangelhaft bzw. ungenügend. (AR)

Bau

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