"Nachgefragt bei"

„Ein zartes Pflänzchen“

05.02.2026

Robert Rauter, Landesinnungsmeister Bau Kärnten, im Kurzinterview „Nachgefragt bei“ mit der Bauzeitung: Er spricht über zarte Pflänzchen, engagierte Partner, Verhinderer und Menschen, die Verantwortung übernehmen.

Wie ist das Jahr 2025 für das Baugewerbe in Kärnten gelaufen? Gibt es Anzeichen für eine Erholung und wann rechnen Sie mit einer nachhaltigen Trendwende?

Das letzte Jahr ist hinter den Erwartungen geblieben. Die angekündigte Entlastung ist ausgeblieben, auch wenn es erste vorsichtige Signale für leichte Verbesserung gibt. Die Hoffnung auf Entspannung ist noch ein zartes Pflänzchen, aber zumindest erkennbar. Ich bin zwar kein Wahrsager, aber ganz ehrlich: Eine nachhaltige Rückkehr auf Vorkrisenniveau sehe ich nicht in naher Zukunft. Ein leichter Aufwärtstrend gibt zwar Anlass zu vorsichtigem Optimismus, von echter Erholung kann man aktuell aber nicht sprechen.

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Herausforderungen angehen

Was stimmt Sie zuversichtlich, was nachdenklich?

Zuversichtlich stimmt mich, dass Probleme der Branche inzwischen klar benannt werden. Kärnten zeigt immer wieder, dass Herausforderungen hier nicht ausgesessen, sondern gemeinsam angegangen werden – etwa beim Baugipfel oder durch neue Ausbildungsmodelle. Als Innungsmeister erlebe ich den Schulterschluss von Land Kärnten, AMS, Gewerkschaft und vielen weiteren, engagierten Partnern als echten Mehrwert. Nachdenklich macht mich, dass wir uns gleichzeitig noch immer durch zu viele bürokratische Hürden arbeiten müssen. Verwaltung ist wichtig, darf aber nicht zur größten Baustelle werden. Gefragt sind klare Entscheidungen, verbindliche Fristen, Mut zur Reform und ein Fokus auf Lösungen, statt auf das, was vermeintlich alles nicht geht. Aber besonders kritisch bleibt der Fachkräftemangel. Die Beschäftigungszahlen im Bau- und Baunebengewerbe sinken seit Jahren und ohne neue Qualifizierungswege sowie nachhaltige, durchdachte und finanzierte Erwachsenenbildung wird sich das nur weiter verschärfen. Am Ende geht es darum, der Branche Stabilität und den Menschen darin Perspektiven zu geben.

Robert Rauter.Copyright: WKK Presseteam Austria
Robert Rauter.
Copyright: WKK Presseteam Austria

Was erwarten Sie sich heuer von der Politik? Welche Maßnahmen sollte sie setzen, um die Bauwirtschaft zu unterstützen?

Von der Politik erwarte ich vor allem, dass Ankündigungen auch umgesetzt werden. Gerade beim Bürokratieabbau wurde viel versprochen – jetzt braucht es konkrete Schritte. Ein praxistauglicher digitaler Akt ist längst überfällig. Und ja, auch Vorschriften sind kein Naturgesetz: Sie können überarbeitet, vereinfacht und sogar gestrichen werden. Wenn wir den Fachkräftemangel nachhaltig bekämpfen wollen, braucht es gezielte Unterstützung in der Ausbildung. Qualifikation ist kein Nebenthema, sondern eine zentrale Investition in die Zukunft der Branche. Die Stärkung der Gemeinden ist ein gern unterschätzter Punkt. Sie sind für viele kleine und mittlere Betriebe wichtige Auftraggeber und brauchen entsprechend Spielraum. Am Ende braucht die Bauwirtschaft keine Verhinderer, sondern Menschen, die Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen und Projekte auch umsetzen.