Erfolg mit Innovation
Der Bau steht unter Druck: Flaute im Wohnbau, steigende Kosten, mangelnde Produktivität und Bürokratie machen der Branche das Leben schwer. Eine Reihe von innovativen Unternehmen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz zeigen aber, wie man mit neuen Ideen und Ansätzen auch in der Flaute auf Wachstumskurs gehen kann.
Riederbau setzt auf Wachstum – trotz der anhaltenden Flaute am Bau: Das Tiroler Bauunternehmen beteiligt sich an der Michael Renner Bauunternehmung, einem Münchener Spezialisten für komplexe Innenstadtbaustellen. Dazu Firmenchef Anton Rieder: „Der Weg nach München ist für uns ein wichtiger Schritt. Gemeinsam mit einem starken Partner vor Ort wollen wir unsere Design-&-Build-Kompetenz im Schlüsselfertigbau, in der Planung und in der Projektentwicklung gezielt weiterentwickeln.“
Integrierter Ansatz
Besagten Design-&-Build-Ansatz hat das innovative Bauunternehmen in den vergangenen 15 Jahren entwickelt. Als Totalunternehmen integriert Riederbau dabei Planung, Architektur, Statik, Gebäudetechnik, Bauausführung und Projektsteuerung in einem klar strukturierten Prozess. „Von der ersten Idee bis zur schlüsselfertigen Übergabe übernimmt das Unternehmen die Gesamtverantwortung – mit integraler Planung und digitaler Prozesssteuerung“, erläutert Rieder.
Der entscheidende Vorteil: Durch die Verzahnung von Planung und Ausführung lassen sich Abläufe optimieren und Risiken minimieren. Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit werden bereits in der frühen Planungsphase mitgedacht. Im Rahmen seines hochintegrierten Ansatzes setzt Riederbau auf serielle Vorfertigung und BIM – und die cloudbasierte Software-Plattform My Bau Office. Mit ihr will Rieder alle Projektbeteiligten – vom Bauherrn bis zu den Subunternehmern – auf eine gemeinsame Software-Umgebung bringen. Dort erfolgen Planung, Aufgabenverwaltung, Protokollierung und Kommunikation in einem Tool, auf das alle jederzeit Zugriff haben. „Jeder weiß, wer wann was zu tun hat – in Echtzeit“, meint Rieder.
Bessere Zusammenarbeit
Er erwartet sich durch sie eine deutlich bessere Zusammenarbeit, weniger Fehler und mehr Effizienz. „Das größte Problem am Bau ist derzeit das Silo-Denken. Wir brauchen hier einen radikalen Paradigmenwechsel.“ Wie das in der Praxis funktioniert, zeigt das Projekt Clarapark in Kufstein. Dort entsteht ein modernes, energieeffizientes Wohnquartier. Ergebnis: weniger Bauzeit, geringere CO₂-Emissionen und mehr Transparenz für alle Beteiligten.
Riederbau ist ein Beispiel für eine ganze Reihe von innovativen Bauunternehmen, die trotz der aktuellen Herausforderungen am Bau weiter auf Wachstum setzen. Auf Flaute im Wohnbau, steigende Energiepreise, Klimakrise und immer mehr Bürokratie antworten sie mit neuen Lösungen – dazu gehört der Einsatz von innovativen digitalen Tools, das Verbessern der Prozesse, um Effizienz und Qualität zu verbessern oder die Entwicklung völlig neuer Geschäftsmodelle.
Neue Materialien
Openly stellt neben den Prozessen auch die Materialien infrage. Das junge schweizerische Unternehmen verwendet ausschließlich biogene Baustoffe wie Hanf, Stroh, Holz und Lehm. Diese sind nicht nur CO₂-neutral, sondern speichern CO₂ – und machen Gebäude zu aktiven Kohlenstoffsenken. Ziel ist es, Häuser zu entwickeln, die in ihrem gesamten Lebenszyklus – vom Bau über die Nutzung bis zum Rückbau – möglichst geringe Emissionen verursachen. Die Gebäude sind Low-tech: Statt komplexer Haustechnik setzen die Entwickler*innen auf einfache Lösungen wie Speichermassen, gute Belichtung, passive Lüftung.
Ein herausragendes Projekt ist das Wohnhaus Valley Widnau in der Schweiz – laut Unternehmen eines der größten Hanfbauten Europas. Das Gebäude umfasst 19 Einheiten, wurde innerhalb weniger Monate errichtet und besteht fast vollständig aus natürlichen, recycelbaren Materialien. Die CO₂-Bilanz des Hauses ist laut Openly deutlich positiv – ein Beispiel dafür, wie Bauen Teil der Lösung werden kann.
Ziegel gelten als klassisches Baumaterial – doch auch sie lassen sich neu denken. Das zeigt der bayerische Hersteller Leipfinger-Bader mit seinen Ziegelmodulen. Dabei werden Wand- und Deckenelemente aus Ziegel samt Dämmung, Putzträger und Haustechnikanschlüssen vorproduziert und auf der Baustelle in kurzer Zeit montiert. So entsteht Massivbau in Rekordzeit – ohne Qualitätseinbußen.
Die Vorteile: weniger Baufeuchte, präzise Verarbeitung, geringere Bauzeit. Gleichzeitig bleiben die positiven bauphysikalischen Eigenschaften des Ziegels – etwa Wärmespeicherung und Feuchteregulierung – erhalten. Die Module sind recyclingfähig und erfüllen hohe energetische Standards.
Hoher Vorfertigungsgrad
Ein aktuelles Referenzprojekt steht in Pfeffenhausen, in Niederbayern, wo ein mehrgeschossiges Wohnhaus mit Ziegelmodulen errichtet wurde. Die Montagezeit betrug nur wenige Wochen, der Heizwärmebedarf liegt unter dem Niveau vergleichbarer Gebäude. Durch den hohen Vorfertigungsgrad konnte zudem der Baustellenverkehr reduziert werden – ein Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit auch in der Bauabwicklung.
Während viele Unternehmen den Neubau fokussieren, nimmt Renowave den Bestand ins Visier. Das österreichweite Innovationslabor hat sich zum Ziel gesetzt, die Sanierungsrate deutlich zu erhöhen – durch technologische Innovation, soziale Prozesse und politische Impulse. Denn laut Experten entsteht über ein Drittel der CO₂-Emissionen im Gebäudesektor im Bestand. Und hier ist der Hebel groß.
Renowave arbeitet an der Schnittstelle von Forschung, Industrie, Gemeinden und Eigentümer*innen. In Pilotprojekten werden neue Modelle für Quartierssanierungen getestet, bei denen nicht nur Technik, sondern auch soziale und finanzielle Strukturen berücksichtigt werden. Das Ziel: einfache, leistbare, wirkungsvolle Sanierungen im großen Maßstab.
Klimaneutral sanieren
Ein solches Pilotprojekt ist „Weg zur Zukunft Demo“. Hier werden Eigentümergemeinschaften dabei unterstützt, gemeinschaftlich klimaneutral zu sanieren. Mit digitalen Tools, Beratung und neuen Finanzierungsmodellen zeigt Renowave, dass Sanierung auch im Mehrparteienwohnbau möglich ist – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.
Einen radikal-industriellen Zugang zum Bauen hat das deutsch-österreichische Unternehmen Gropyus. Das 2019 gegründete Unternehmen mit Hauptsitz in Wien hat bereits mehr als 500 Beschäftigte. Sein Ansatz: Integration der Prozesse, Standardisierung und Vorfertigung in einer hochautomatisierten Fabrik. Gropyus übernimmt das Management für die gesamte Wertschöpfungskette eines Gebäudes – vom Grundstück über die Planung, die Produktion der Bauteile und die Montage auf der Baustelle bis hin zum Facility-Management.
„Wir setzen auf einen durchintegrierten End-to-End-Prozess. Das unterscheidet uns fundamental von der üblichen Herangehensweise“, meint Co-Founder Bernd Oswald. An einem Bauprojekt sei üblicherweise eine Vielzahl von Playern beteiligt. Ob Bauherr, Planer, ausführende Unternehmen oder Subunternehmen: „Jeder von ihnen hat ein anderes Interesse und trotzdem sollen sie ein gemeinsames Gebäude errichten. Es liegt auf der Hand, dass das nicht der effizienteste Ansatz sein kann.“
Radikal-industrieller Ansatz
Der hauseigene Architekt verwendet bei der Planung eines Wohngebäudes den von Gropyus selbst entwickelten „Konfigurator“. In diesen gibt er die Daten des Grundstücks und den gewünschten Wohnungsmix ein. Damit macht sich der Konfigurator an die Arbeit. Dabei greift er auf einen „Bauteilkatalog“ zu, in dem jedes Teil, das für den Bau notwendig ist, aufgelistet ist. Das Ergebnis sind ein fertiger Entwurf und umfangreiche weitere Informationen: „Das System errechnet auch die Daten für die Robotersteuerung in der Produktion, komplette Stücklisten und Kosten, Fertigungszeiten sowie den Carbonfootprint und es erstellt die Montagepläne“, schildert Oswald.
Das kann man erstmals auch in Österreich unter Beweis stellen: Gropyus baut im Südtiroler Quartier zwei Gebäude mit 62 Wohnungen und einer Bruttogeschossfläche von rund 3.800 Quadratmetern. Die restlichen Wohneinheiten werden von Generalunternehmer Rhomberg Bau errichtet. Es muss schnell gehen in diesem Projekt: Die zwei Neubauten sollen 2026 fertiggestellt werden. Das geht dank der industriellen Serienfertigung mit dem modularen und Bausystem von Gropyus.
„Als ein in Wien gegründetes Unternehmen ist es für uns ein großartiger Meilenstein, nun auch in Österreich unseren vollständig digitalisierten und industriellen Bauansatz in der Praxis zu zeigen“, meint Markus Fuhrmann, Gründer und Co-CEO. „Der österreichische Wohnungsmarkt steht vor großen Herausforderungen: gestiegene Baukosten, knapper Wohnraum und hohe ökologische Anforderungen, um die Emissionen der Bauindustrie zu senken. Unser Ansatz bietet hierfür eine echte Chance und schafft schnell bezahlbaren und nachhaltigen Wohnraum.”




