"Nachgefragt bei"

„Ganz leichter Hoffnungsschimmer“

03.03.2026

Günther Lehner, Landesinnungsmeister Bau Niederösterreich, im Kurzinterview „Nachgefragt bei“: Er spricht über erste Anzeichen der Erholung und was die Politik tun könnten, damit der Bau an Fahrt gewinnt.

Wie ist 2025 für das Baugewerbe in Niederösterreich gelaufen und womit rechnen Sie in 2026? Gibt es bereits Anzeichen für eine Erholung?
Das Jahr 2025 war eher durchwachsen. Es gibt Anzeichen einer leichten Erholung nach drei Jahren der Rezession. Im Bereich Sanierung – Privatkunden ist gute Nachfrage spürbar. Der Bereich „Großvolumiger Wohnbau“ (Bauträger, Genossenschaften) beginnt erst langsam wieder nachzufragen. Diese Projekte haben lange Vorlaufzeiten. Im Gewerbe- und Industriebau ist aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Unwägbarkeiten (zum Beispiel Trump, Automotive Bereich) noch immer keine Verbesserung in Sicht. Der Tiefbau, der in den letzten Jahren noch immer ein konjunkturelles Zugpferd war, beginnt aufgrund der Budgetsituation der öffentlichen Hand zu schwächeln.

Mittelfristige Erholung in Sicht

Was stimmt Sie zuversichtlich, was nachdenklich?
Die aktuellen Anzeichen geben Anlass für einen ganz leichten Hoffnungsschimmer zur mittelfristigen Erholung der Branche. Manche Zahlen, zum Beispiel die Baubewilligungen, deuten darauf hin, dass sich die Konjunktur etwas erhöhen könnte. Nachdenklich stimmt einerseits die budgetäre Lage der öffentlichen Auftraggeber, insbesondere der Gemeinden als unsere Partner in den Regionen, und andererseits, dass es derzeit aufgrund der wirtschaftlichen Großwetterlage und mancher politischer Entscheidungen noch immer sehr schwierig ist, langfristig zu planen und dadurch Zuversicht aufzubauen.

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Was erwarten Sie sich von der Politik? Welche Maßnahmen sollte sie setzen, um die Bauwirtschaft zu unterstützen?
Ein Beispiel, wie es nicht laufen sollte, ist jedenfalls die völlig überraschende und unangekündigte Einstellung des Sanierungsbonus für thermisch-energetische Sanierungen, der eigentlich noch vor wenigen Monaten für fünf Jahre zugesagt wurde. Derartige Maßnahmen verunmöglichen Planungssicherheit für Betriebe und Kunden und führen damit zu Unsicherheiten und negativer Stimmung. Ein, mittlerweile leider bereits mehr als überstrapazierter, Begriff wäre die für unsere Wirtschaft so dringend notwendige Entbürokratisierung. Hier hat man aber leider das Gefühl, dass die Lage – beginnend in Brüssel – Schritt für Schritt noch angespannter anstatt erleichtert wird.