Endlich einfach bauen
Das Baugewerbe fordert seit einiger Zeit, dass ein Abweichen von überzogenen Normen ermöglicht wird. Das Ziel: Bei vergleichbarer Qualität Kosten und CO₂-Emissionen senken. Nun kommt Bewegung in das Thema. Die staatliche Forschungsförderungsgesellschaft hat eine Ausschreibung zum Thema „Einfach Bauen“ gestartet.
„Normen kennen leider nur eine Richtung: Es werden immer mehr.“ Mit dieser Aussage kommentierte der Tiroler Bauunternehmer Anton und stellvertretende Bundesinnungsmeister Bau vor rund eineinhalb Jahren das Forschungsprojekt „Bauen außerhalb der Norm“. In diesem Projekt wurde untersucht, inwieweit von Vorschriften abgewichen und dabei gleichzeitig eine vergleichbare Qualität in der Umsetzung von Bauprojekten erreicht werden kann. Vorbild für diesen rechtlichen Rahmen ist der sogenannte „Gebäudetyp E“ in Deutschland. Rieder, einer der Initiatoren des Projekts, damals: „Wir schauen etwas neidisch nach Deutschland.“
Endlich eine Ausschreibung
Das könnte sich langsam ändern. Denn mittlerweile tut sich aber auch etwas in Österreich. Die jüngste Entwicklung: Die staatliche Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) hat – von der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt – eine Ausschreibung zum Thema „Einfach Bauen mit innovativen Lösungen“ gestartet. Die FFG beschreibt das Vorhaben als „Leitprojekt für ressourcenschonendes und kostengünstiges Bauen im Rahmen der Mission Klimaneutrale Stadt“. Mit ihm setze das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur „einen klaren Impuls, Vereinfachungen und Kostenreduktionen bei Wahrung der wesentlichen Schutzziele in der Baubranche auszulösen“.
Ziel des Projekts ist es, laut den Ausschreibungsunterlagen, technische, planerisch-funktionale und rechtliche Spielräume zu untersuchen, die den Umbau und Neubau von Gebäuden innovativ, ressourcenschonend und kostengünstig fördern. Zitat: „Es sollen innovative Lösungen unter Berücksichtigung der wesentlichen Schutzziele gefunden werden.“
Die Ausschreibung richtet sich an Konsortien, bestehend aus mindestens drei voneinander unabhängigen Organisationen. Wobei eine Forschungseinrichtung, ein KMU und ein weiteres Unternehmen vertreten sein müssen. Weitere Unternehmen, Gebietskörperschaften und sonstige nicht wirtschaftliche Organisationen sind laut den Vorgaben der FFG möglich. Ausländische Projektpartner*innen können bis maximal 20 Prozent der Gesamtförderung erhalten, wenn sie, so die Ausschreibung, „einen Nutzen für die österreichischen Konsortiumsmitglieder bzw. für den Wirtschafts- und Forschungsstandort Österreich stiften“.
Für die Ausschreibung stehen insgesamt 2,89 Millionen Euro zur Verfügung. Die Förderquote wird für jeden Projektpartner*innen einzeln ermittelt und liegt zwischen 35 und 85 Prozent. Sie ist abhängig von der Unternehmensgröße, dem Organisationstyp sowie den Anteilen von industrieller Forschung und experimenteller Entwicklung.
Die Teilnehmer*innen an der Ausschreibung müssen bis spätestens 19. März 2026 einen Termin für eine Vorbesprechung vereinbaren. Die Anträge müssen bis spätestens 7. Mai 2026 abgeschickt werden. Danach folgt eine einstufige Begutachtung durch ein unabhängiges Gremium von Expertinnen und Experten inklusive Hearing der Konsortien. Die Förderentscheidung soll im Juli 2026 bekannt gegeben. Nähere Informationen zu dieser Ausschreibung: www.ffg.at/tiks/einfach-bauen-2026




