Schlau am Bau
Was halten die Betriebe am Bau von Innovationen? Das wollte die Bauzeitung in ihrer aktuellen Umfrage wissen. Die Antwort ist eindeutig: eine Menge. Sie nutzten sie vor allem um die Effizienz zu steigern und Kosten zu senken.
Riederbau, Openly, Leipfinger-Bader, Renowave oder Gropyus – diese mittelständischen Unternehmen haben alle eines gemeinsam: Sie setzten auf intelligente Tools, neue Prozesse oder völlig neue Geschäftsideen und Geschäftsmodelle. Um es kurzzufassen: auf Innovationen. Damit begegnen Sie den diversen Herausforderungen, mit denen der Bau derzeit konfrontiert ist – ob Flaute im Wohnbau, steigende Kosten, mangelnde Produktivität oder Bürokratie.
Wie wichtig ist Innovation für Sie?
Wie schaut es aber abseits von diesen hervorstechenden Beispielen aus? Wie gehen die Betriebe am Bau mit Innovation um? Wie wichtig ist das Thema für sie? Diesen Fragen widmete die Bauzeitung ihre aktuelle Leser*innen-Umfrage.
Die Ergebnisse zeigen ein klares Bild: Innovation ist in der Branche angekommen – zumindest im Selbstverständnis. 47 Prozent der Befragten bewerten Innovationen als wichtig, weitere 31 Prozent sogar als sehr wichtig. Nur eine Minderheit von 14 Prozent stuft sie als weniger oder gar nicht wichtig ein. Damit sehen mehr als drei Viertel der Betriebe Innovation als zentralen Faktor für ihre Zukunftsfähigkeit.
Ein Blick auf die Zielsetzungen hinter Innovationsaktivitäten verdeutlicht, dass wirtschaftliche Überlegungen dominieren. 69 Prozent der Unternehmen wollen in erster Linie ihre Effizienz steigern und damit Kosten senken. Mehr als die Hälfte – 56 Prozent – strebt danach, die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern oder auszubauen. 47 Prozent nennen zudem eine höhere Qualität für Kund*innen als Ziel. 44 Prozent wollen ihre Nachhaltigkeit steigern. Innovation wird somit weniger als Selbstzweck verstanden, sondern als strategisches Instrument zur Stabilisierung und Weiterentwicklung des Kerngeschäfts. Dass rund 3 1 Prozent Innovationen auch als Mittel sehen, um neue rechtliche Auflagen und Normen erfüllen zu können, unterstreicht zusätzlich den Anpassungsdruck, der auf der Branche lastet.
Bei der konkreten Umsetzung zeigt sich ein pragmatischer Zugang. 64 Prozent der Befragten setzen den Schwerpunkt auf die Verbesserung interner Prozesse. Das ist ein deutliches Signal: Bevor radikal neue Geschäftsmodelle entwickelt werden, optimieren viele Betriebe zunächst ihre Abläufe. Digitalisierung – etwa durch BIM oder KI – folgt mit 50 Prozent an zweiter Stelle. Der Einsatz neuer Materialien und Baustoffe (36 Prozent) sowie neuer Maschinen und Technologien (31 Prozent) spielen ebenfalls eine Rolle. Themen wie Automatisierung und verstärkte Vorfertigung rangieren mit 22 und 19 Prozent dahinter. Es liegt nahe, dass viele Betriebe Innovation schrittweise und entlang bestehender Strukturen denken – evolutionär statt disruptiv.
Aufschlussreich sind die Antworten auf die Frage nach den größten Hürden für Innovationen. Hier dominieren klare Worte. Mehrfach genannt werden Bürokratie, Normen und langwierige Genehmigungsverfahren. Auch unterschiedliche Baugesetze in den Bundesländern, komplizierte Zulassungsverfahren oder die Trennung von Planung und Ausführung werden als Innovationsbremsen wahrgenommen. Hinzu kommen wirtschaftliche Faktoren wie Preisdruck und Kosten sowie interne Aspekte wie Trägheit oder fehlende Prozesse. Die Kritik richtet sich damit weniger gegen fehlende Ideen, sondern vielmehr gegen strukturelle Rahmenbedingungen, die deren Umsetzung erschweren.
Es gibt allerdings auch durchaus Kritik an der Ausbildung und zu viel Offenheit gegenüber den neuen technischen Möglichkeiten: Das verdeutlicht eine Antwort: „Die zu geringe praktische Ausbildung (HTL-Level) und das unkritische blinde Vertrauen in Digitalisierung und KI.“




