Fokus Tiefbau

Tiefbau ohne Grenzen

05.02.2026

Know-how Made in Austria ist im Tiefbau international gefragt: Heimische Unternehmen haben zahlreiche attraktive Aufträge im Ausland ergattern können und arbeiten an einer ganzen Reihe von spektakulären Bauvorhaben mit – von einem Skilift im Ruhrgebiet über einen Tunnel unter der Ostsee bis zu einem Highway in Australien.

Gut, gegen die Streif in Kitz oder die Lauberhorn-Abfahrt in Wengen ist das hier ein Kindergeburtstag – und zwar, um im Bild zu bleiben, für Einjährige, die gerade erst den aufrechten Gang erproben. Aber aus Sicht der Bewohner des deutschen Ruhrgebiets geht die Post ab: Am „Alpincenter“ in Bottrop befindet sich die längste Skihalle Europas. Sie beherbergt eine Piste mit einer Länge von – man höre und staune – 640 Metern, was in der freien Natur der richtigen Alpen natürlich nicht weiter beeindruckend wäre, aber in überdachter Form eben doch beachtlich ist.

Skihalle auf Abraumhalde

Die Skihalle befindet sich auf einer ehemaligen Abraumhalde eines Steinkohlebergbaus. Dort wird derzeit ein neuer Lifttunnel errichtet, der Wintersportler unterirdisch vom Tal direkt zur Skipiste befördert. Die technischen und logistischen Anforderungen sind enorm: Das Baufeld verläuft auf einer steilen Halde mit einem Gefälle von bis zu 23,4 Prozent. Zudem sind die Platzverhältnisse beengt, was den Einsatz von Kränen mit Raupenfahrwerk sowie eine durchdachte Planung erforderlich macht. Das gilt auch für die Schalungstechnik, die vom oberösterreichischen Spezialisten Ringer geliefert wurde. Für die 6 Meter hohen Wände mit 50 Zentimeter Stärke des Lifttunnels kam die einseitig bedienbare Stahlrahmenschalung Master Pro mit Alkus-Schalhaut zum Einsatz. Zwei 3 Meter hohe Elemente wurden dabei übereinander kombiniert. Durch den Einsatz Bodenhaltern konnte die Konstruktion auch in steilem Gelände zuverlässig fixiert werden.

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Das Projekt von Ringer im deutschen Ruhrgebiet ist kein Einzelfall. Know-how Made in Austria ist im Tiefbau international gefragt. Heimische Unternehmen haben zahlreiche attraktive Aufträge im Ausland ergattern können und arbeiten an einer ganzen Reihe von spektakulären Bauvorhaben mit.

Längste Rolltreppe Schwedens

Dazu gehört mit dem Doka-Konzern ein weiterer Schalungs- und Gerüstbau-Anbieter. Er ist an einem der größten laufenden Infrastrukturprojekte Schwedens beteiligt – dem Bau der Station Nacka der Stockholmer U-Bahn. Ein besonderes Merkmal der Station ist Schwedens längste Rolltreppe mit einer Länge von rund 100 Metern und einem Höhenunterschied von 41 Metern. Eine besondere Herausforderung stellte die Herstellung eines 27,3 Grad geneigten Rolltreppenschachts in einem Tunnel dar, in dem kein Kran eingesetzt werden konnte. Doka entwickelte gemeinsam mit dem Bauunternehmen Skanska Sverige AB eine eigene Lösung. Zum Einsatz kam ein 80 Tonnen schwerer SL-1 Tunnelschalwagen, der mithilfe von Doka Unikit-Trägern zunächst horizontal außerhalb des Tunnels vormontiert und dann in den erforderlichen Neigungswinkel gebracht und kontrolliert in Position abgesenkt wurde.

Tief unter der Erde ist Doka auch in Madrid tätig. Dort wird die Metro-Linie 3 verlängert. Das Projekt umfasst neben einer neuen Station auch Pump- und Lüftungsschächte sowie Notausgänge. Ein zentrales Element ist der 2.700 Meter lange bergmännische Tunnel, von dem zwei modulare Tunnelschalwagen aus dem Doka-Traggerüstsystem SL-1 hergestellt wurden. Doka entwickelte dafür eine technisch abgestimmte Schalungslösung, die eine effiziente Herstellung der Tunnelabschnitte ohne zusätzliche Schienensysteme ermöglichte.

Etwas weiter südlich von Stockholm entsteht ein weiterer Tunnel – und zwar die Fehmarnsundquerung, die die Insel Fehmarn mit dem deutschen Festland verbindet. Der 2,2 Kilometer lange Tunnel unter der Ostsee gilt als Jahrhundertprojekt. An seinem Bau ist Doka ebenfalls beteiligt. So wie der Strabag-Konzern: Er konnte sich gleich mehrere große Vergabepakete sichern. Das Vergabepaket 2 umfasst die Erd-, Tief- und Oberbauarbeiten und wird in einer Arge aus Strabag und Tochter Züblin mit Johann Bunte und Eiffage Infra-Bau umgesetzt. Züblin erhielt gemeinsam mit dem heimischen Mitbewerber Porr und Implenia den Auftrag für die Spezialtiefbauarbeiten (Vergabepaket 6). Vergabepaket 7 wird ebenfalls von Strabag-Einheiten umgesetzt. Hierzu gehört unter anderem die Herstellung der Tunnel in offener Bauweise.

Gateway in Australien

Um Verkehrsinfrastruktur geht es auch bei einem Auftrag, den die australische Strabag-Tochter Georgiou Group erhalten hat. Georgiou ist am „Gateway to Bruce Highway Upgrade“ (G2BU) in Brisbane beteiligt. Das Projekt sieht die Modernisierung des wichtigen Verkehrskorridors zwischen dem Gateway und Bruce Highway vor. Zu den Bauarbeiten zählen die Verbreiterung der Autobahn, die Modernisierung von Anschlussstellen und Fahrbahnkurven, eine neue Zufahrtsstraße sowie schrittweise Verbesserungen der umliegenden Infrastruktur. Die Bauarbeiten erstrecken sich über vier Jahre und sollen Mitte 2030 abgeschlossen sein.

Ein Jahr früher soll eine neue Bahnstrecke in Berlin in Betrieb gehen: Die Siemensbahn, ein historisches Wahrzeichen der Berliner Verkehrsinfrastruktur, wird nach mehr als 40 Jahren Stillstand reaktiviert. Im Rahmen des Projekts „i2030 – Mehr Schiene für Berlin und Brandenburg“ entsteht eine moderne Verbindung zwischen den Stadtteilen Jungfernheide und Gartenfeld. Für die Umsetzung setzt die Deutsche Bahn auf das innovative Partnerschaftsmodell Schiene. Die Porr ist Vertragspartnerin für das Vergabepaket 2 „KIB Neubau“. Es umfasst die Herstellung sämtlicher Ingenieurbauwerke – darunter Eisenbahnbrücken, Bahnhöfe, Fußgängertunnel, Lärmschutzwände und Stützbauwerke.

Einer der größten Onshore-Windparks in Europa

Einer der größten Onshore-Windparks in Europa entsteht derzeit in Rumänien. Bis 2050 will Rumänien seinen Anteil an erneuerbaren Energien auf 86 Prozent steigern – ein ambitioniertes Ziel, bei dem der Windpark Vifor eine wichtige Rolle einnimmt. Die Porr hat von Entwickler Rezolv Energy den Auftrag erhalten, die Infrastruktur für die zweite Phase des Windparks zu errichten. Benötigt werden unter anderem 42 Fundamente und Plattformen für die Turbineninstallation.

Im Nachbarland Ungarn hat Mitbewerber Swietelsky an der Renovierung der Formel-1-Rennstrecke Hungaroring mitgearbeitet. Nach der Komplettrenovierung von Haupttribüne samt Hauptgebäude wurden vergangenen Sommer die Zielgerade frisch asphaltiert. Und dies durchaus in Rekordzeit: Swietelsky baute in Ungarn mit drei nebeneinander laufenden Asphaltfertigern, auch Finisher genannt, binnen eines Tages die neue Asphaltschicht ein – auf 620 Metern Länge und 8.866 Quadratmetern Fläche. Aufgrund der besonderen Anforderungen war es wichtig, dass das Compound so schnell wie möglich eingebaut wurde.

Etwas mehr Zeit durften sich die Expertinnen und Experten des Baukonzerns bei einem Projekt in Bayern nehmen. An der Werftstraße in Regensburg errichteten sie ein innovatives System aus mobilen Aluminium-Schutzwänden und dauerhaft verankerten Stützträgern. Die Elemente lassen sich bei Hochwasser schnell aufbauen und bieten durch ihre passgenaue Konstruktion stabilen Schutz. Ergänzend sorgen Entlastungsöffnungen und Pumpensümpfe für gezielten Druckausgleich: Überschüssiges Wasser wird kontrolliert gesammelt und abgeleitet, sodass der Untergrund entlastet bleibt. Nach Abschluss der Arbeiten wurden die Verkehrsflächen vollständig erneuert – eine Verbindung von Sicherheit und Funktionalität.

Neue alte Brücken in Bayern

Ebenfalls in Bayern hat die oberösterreichische Habau Group vor Kurzem ein Projekt abgeschlossen. Es handelt sich um den Ersatzneubau der Großen und der Mittleren Naabbrücke in Schwandorf. Die beiden Brücken haben Schlüsselrolle für die Verbindung wichtiger Stadt- und Wirtschaftsbereiche der Oberpfalz. Nach mehr als zwölf Jahren intensiver Planung und rund zweijähriger Bauzeit konnten die neuen Bauwerke sechs Monate vor dem geplanten Termin am 30. Juli 2025 feierlich eröffnet werden. Seit dem 24. November 2025 sind sie vollständig für den Verkehr freigegeben. Im Zuge des Projekts entstanden zwei neue Spannbetonbrücken: eine Zweifeldbrücke mit einer Gesamtlänge von rund 75 Metern sowie ein Einfeldrahmen mit etwa 40 Metern Spannweite.

So beeindruckend die beiden Brücken sind – mit der 453 Meter langen Talbrücke Rahmede können sie nicht mithalten. Das Bauwerk in Nordrhein-Westfalen wird derzeit unter Mitwirkung der Habau Group erneuert. Es handelt sich um eine der wichtigsten Infrastrukturprojekte, die derzeit in Deutschland umgesetzt werden. Anfang des Jahres wurde die zweite sogenannte „Stahlhochzeit“ gefeiert, bei der die beiden Tragewerke der Brücke miteinander verbunden werden. Die Inbetriebnahme des ersten Teilbauwerks ist für das Frühjahr geplant. Habau-CEO Hubert Wetschnig: „Wir sind stolz, als Habau Group mit unserer Expertise einen entscheidenden Beitrag zur Realisierung eines der wichtigsten und anspruchsvollsten Infrastrukturprojekte in Deutschland leisten zu können.“