Interview "Klare Worte"

„Wir gehen von einer leichten Verbesserung aus“

03.03.2026

Ernst Strasser, Geschäftsführer von Aco Österreich, findet im Gespräch mit der Bauzeitung „Klare Worte“. Er spricht über die Hoffnung auf eine Erholung am Bau und über ein Geschäftsfeld, das er verstärkt bearbeiten will.

Ernst Strasser über Erwartungen, die sich erfüllt haben:
2025 war das erwartete schwierige Jahr, auf das wir uns im Vorfeld eingestellt hatten. Die Bauproduktion in Österreich ist weiter rückläufig. Vor allem der Wohnbau hat starke Rückgänge verzeichnet. Die Impulse aus dem Tiefbau können das nicht kompensieren. Uns trifft das natürlich auch, da der Wohnbau eine zentrale Zielapplikation für uns ist. Wir liefern Lösungen für Dach-, Balkon- und Terrassenentwässerung sowie Entwässerungsrinnen für angrenzende Freiflächen. Wenn hier Volumen verloren geht, können wir uns dem nicht entziehen.

Impulse vom Einfamilienhausbau

Womit er für das laufende Geschäftsjahr rechnet:
Wir gehen von einer leichten Verbesserung aus. Impulse sehen wir vor allem im Einfamilienhausbau. Im zweiten Halbjahr 2025 haben wir hier Zuwächse verzeichnet, etwa bei Kellerfenstern und Lichtschächten. Offenbar haben sich viele an das Kreditniveau gewöhnt und setzen ihren Traum vom Eigenheim um – teilweise in kleineren Dimensionen, um die Kosten im Griff zu behalten. Einen echten Aufschwung erwarten wir jedoch noch nicht, eher eine Stabilisierung mit leichter Tendenz nach oben.

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Über ein Segment, das Aco verstärkt bearbeiten will:
Wir haben ein breites Applikationsfeld. Neben dem Wohnbau sind wir etwa im Industriebau, bei Logistikflächen oder im Bereich der Regenwasserbewirtschaftung aktiv. Diesen Bereich wollen wir in Zukunft forcieren. Es geht hier um Grundwasserschutz über ein modernes Regenwassermanagement. Durch den Klimawandel nehmen Starkregenereignisse zu, gleichzeitig steigt die Versiegelungsquote. Regenwasser kann oft nicht mehr vor Ort versickern, was zu Überflutungen führt, während in Trockenperioden der Grundwasserspiegel sinkt.

Was das konkret bedeutet:
Regenwasser ist eine wertvolle Ressource. Gemäß behördlichen und normativen Vorgaben muss es gereinigt und anschließend vor Ort versickert werden. Bauwerber benötigen dafür einen wasserrechtlichen Bescheid – ohne diesen kann ein Projekt nicht in Betrieb gehen. Unsere Projektberater arbeiten hier eng mit Architekt*innen und Fachplaner*innen zusammen, dimensionieren Infiltrationsanlagen und entwickeln modulare Systeme, die je nach Fläche, Bodenbeschaffenheit und Regenereignis angepasst werden können.

Welche Bedeutung das Thema Regenwasser für Aco hat …
Wir bleiben bei unserer Strategie: Wenn der Wohnbau wieder anspringt, werden wir weiterhin Wohntürme und andere Projekte mit unseren Entwässerungslösungen ausstatten. Das Regenwassermanagement ist aber ein wachsendes Segment. Klassische Grünmulden, wie man sie etwa bei Parkplätzen findet, benötigen viel Fläche und entsprechen nicht mehr dem Stand der Technik. Unsere unterirdischen Systeme helfen, sparsam mit den Flächen umzugehen.

… und welche die blau-grüne Infrastruktur:
Die blau-grüne Infrastruktur spielt für uns eine sehr große Rolle. Es geht hier darum, unsere Städte klimaresilienter zu machen. Stichwort Schwammstadtprinzip: Regenwasser wird gespeichert und zur Bewässerung genutzt, Bäume erhalten mehr Wurzelraum und können größere Kronen ausbilden, was zur Kühlung beiträgt. Wir arbeiten zudem an kühlenden Pflasterflächen und intelligenten Baumtrögen. In mehreren urbanen Projekten in Österreich wurden solche Lösungen bereits umgesetzt, aber hier besteht noch erhebliches Potenzial.

Was er sich von der Politik wünscht, um die Bauwirtschaft zu unterstützen:
Alles, was zur Belebung des Wohnbaus beiträgt, ist willkommen. Dazu zählt etwa eine Erhöhung der Wohnbauförderung und die schon oftmals besprochene Zweckwidmung der Wohnbauförderung. Die Prognosen aus Baugenehmigungen und Baustarts zeigen, dass Wohnraum knapp werden könnte. Politische Impulse können sowohl der Bauwirtschaft helfen als auch die steigende Nachfrage nach Wohnraum bedienen.

Was ihm besonders wichtig ist:
Die Gestaltung unserer Lebensräume liegt mir persönlich sehr am Herzen. Blau-grüne Infrastruktur und intelligentes Regenwassermanagement sind keine Randthemen mehr, sondern zentrale Zukunftsfragen. Mit unseren Technologien und unserer langjährigen Erfahrung wollen wir einen Beitrag leisten, um Städte widerstandsfähiger, lebenswerter und klimafitter zu machen.