Reinhold Messner Haus

Bestandsarchitektur im Dialog mit der Landschaft

15.01.2026

Inmitten der Dolomiten, auf knapp 2.000 Metern Höhe, wurde eine alte Seilbahnstation zum architektonischen Leuchtturmprojekt: Das neue Reinhold Messner Haus ist mehr als ein Museum. Es ist ein Ort der Reflexion, der alpinen Kultur und des bewussten Tourismus. Entworfen von Plasma Studio, setzt das Bauwerk Maßstäbe für nachhaltige Transformationen im Hochgebirge.

Was früher eine funktionale Infrastruktur zur touristischen Erschließung des Monte Elmo war, ist heute ein experimentelles Architekturprojekt mit pädagogischem Anspruch. Das Reinhold Messner Haus entstand durch die Umnutzung und Neugestaltung einer ehemaligen Seilbahnstation über Sexten in Südtirol. Konzipiert wurde es  vom internationalen Architekturbüro Plasma Studio im Auftrag der 3 Zinnen AG.
Im Zentrum steht ein innovativer Upcycling-Ansatz: Beton, Stahlträger und Bleche der abgerissenen Strukturen wurden in das neue architektonische Konzept integriert. Dabei wurde nicht nur Bausubstanz bewahrt, sondern auch Erinnerung konserviert. Die massiven Betonwände sind gezeichnet von Gebrauchsspuren, Kratzern und Farbresten. Spuren, die der Ort nicht verbirgt, sondern bewusst ausstellt.

Ulla Hell
Ulla Hell © Florian Jaenicke

„Wir bauen nicht neu, wir bauen weiter“, lautet sinngemäß die Haltung von Plasma Studio, das dem Projekt unter der Leitung von Ulla Hell eine klare ethische Linie zugrunde legte: ressourcenschonend, landschaftssensibel und narrativ aufgeladen.

PLASMA STUDIO, ARCHITECT ULLA HELL, SEXTEN, SOUTH TYROL, ITALY
© Florian Jaenicke

Ein Pfad durch Raum und Zeit

Das Gebäude folgt keinem klassischen Museumskonzept. Vielmehr gleicht es einem inszenierten Parcours, der Besucher physisch und gedanklich durch das Thema Bergwelt führt. Der Rundgang beginnt im ehemaligen Gegengewichtsschacht, ein 17 Meter hoher, vertikaler Raum, der nun als zentrale Erschließungsachse dient. Im Wechselspiel aus engen, industriellen Passagen und lichtdurchfluteten Aussichtspunkten eröffnet sich ein dramaturgisch durchkomponierter Weg.
Ein besonders markanter Punkt: Die ehemalige Kabinenplattform wurde zu einer Panoramaplattform umgestaltet, geformt aus Bauschutt. Sie ragt aus dem Gebäude heraus und bietet einen Blick auf das imposante Panorama der Dolomiten.
Die einstige Dachstruktur wurde zur begehbaren Landschaftsfläche transformiert, durch die Besuchende in das Innere des Hauses eintreten. Hier verweben sich Architektur und Natur, Altbestand und Intervention zu einem harmonischen Gefüge.

PLASMA STUDIO, ARCHITECT ULLA HELL, SEXTEN, SOUTH TYROL, ITALY
© Florian Jaenicke

Architektur im Dienste der Langsamkeit

Im Mittelpunkt steht die Idee einer neuen, bewussteren Form des Alpentourismus. Das Haus lädt nicht zum schnellen Konsum ein, sondern fordert zur Verlangsamung und Reflexion auf. Begriffe wie Stille, Risiko, Nachhaltigkeit und Bergethik werden architektonisch erfahrbar gemacht. Auch die Infrastruktur selbst wird zur Botschafterin: Sichtbare Zahnräder, Seile und Rollen – einst mechanische Elemente – sind nun Teil einer ästhetischen Erzählung über Technik und Zeit.
Die neue Glasfassade und das trapezförmige Dachfenster – früher Einfahrtsstelle der Seilbahn – fungieren heute als gezielte Bildrahmen. Sie öffnen das Haus zur Landschaft, ohne sich der Umgebung aufzudrängen. Das Gebäude wird so zur Kamera, zur Bühne, zum Denkraum.

„Es geht nicht nur ums Bauen, sondern um das richtige Maß“, betont Plasma Studio eine Haltung, die in einer sensiblen Gebirgslandschaft wie den Dolomiten hohe Relevanz hat.

CINEMA, PLASMA STUDIO, ARCHITECT ULLA HELL, SEXTEN, SOUTH TYROL, ITALY
© Florian Jaenicke

Bestand als Potenzial

Mit dem Reinhold Messner Haus ist Plasma Studio eine präzise Gratwanderung gelungen: Der Bestand wird nicht verleugnet, sondern bewusst transformiert. Die Materialität der ehemaligen Seilbahnstation bleibt sichtbar, wird aber in neue Zusammenhänge gestellt. Alte Stahlbleche finden sich heute als Deckenverkleidungen, Betonbruch formt neue Wege und Plattformen.
In einer Zeit, in der der alpine Raum zunehmend unter touristischem Druck steht, ist das Projekt ein exemplarisches Modell für nachhaltiges, sensibles Bauen. Es zeigt, wie bestehende Infrastrukturen mit kulturellem Mehrwert aufgeladen werden können, ohne die Landschaft weiter zu versiegeln.

Ulla Hell, Partnerin bei Plasma Studio, leitet das Büro in Sexten, Südtirol, und verantwortete die Umsetzung des Reinhold Messner Hauses. Nach ihrem Architekturstudium in London und mehreren Stationen in Europa und Asien baute sie das Studio in Italien mit auf. Plasma Studio, 1999 in London gegründet, betreibt heute Standorte u.a. in Bruneck, Wien, Berlin und Peking.

EASTERN VIEW, PLASMA STUDIO, ARCHITECT ULLA HELL, SEXTEN, SOUTH TYROL, ITALY
© Florian Jaenicke

MAIN HALL, PLASMA STUDIO, ARCHITECT ULLA HELL, SEXTEN, SOUTH TYROL, ITALY
© Florian Jaenicke

PLASMA STUDIO, ARCHITECT ULLA HELL, SEXTEN, SOUTH TYROL, ITALY
© Florian Jaenicke

PLASMA STUDIO, ARCHITECT ULLA HELL, SEXTEN, SOUTH TYROL, ITALY
© Florian Jaenicke

BENCH AND TABLE, PLASMA STUDIO, ARCHITECT ULLA HELL, SEXTEN, SOUTH TYROL, ITALY
© Florian Jaenicke

PLASMA STUDIO, ARCHITECT ULLA HELL, SEXTEN, SOUTH TYROL, ITALY
© Florian Jaenicke

PLASMA STUDIO, ARCHITECT ULLA HELL, SEXTEN, SOUTH TYROL, ITALY
© Florian Jaenicke

DETAIL OF BENCH, PLASMA STUDIO, ARCHITECT ULLA HELL, SEXTEN, SOUTH TYROL, ITALY
© Florian Jaenicke

CINEMA, PLASMA STUDIO, ARCHITECT ULLA HELL, SEXTEN, SOUTH TYROL, ITALY
© Florian Jaenicke

MAIN HALL, PLASMA STUDIO, ARCHITECT ULLA HELL, SEXTEN, SOUTH TYROL, ITALY
© Florian Jaenicke

PLASMA STUDIO, ARCHITECT ULLA HELL, SEXTEN, SOUTH TYROL, ITALY
© Florian Jaenicke

LOWER EXHIBITION FLOOR, PLASMA STUDIO, ARCHITECT ULLA HELL, SEXTEN, SOUTH TYROL, ITALY
© Florian Jaenicke

LOWER EXHIBITION FLOOR, PLASMA STUDIO, ARCHITECT ULLA HELL, SEXTEN, SOUTH TYROL, ITALY
© Florian Jaenicke

PLASMA STUDIO, ARCHITECT ULLA HELL, SEXTEN, SOUTH TYROL, ITALY
© Florian Jaenicke

EASTERN VIEW, PLASMA STUDIO, ARCHITECT ULLA HELL, SEXTEN, SOUTH TYROL, ITALY
© Florian Jaenicke

PLASMA STUDIO, ARCHITECT ULLA HELL, SEXTEN, SOUTH TYROL, ITALY
© Florian Jaenicke

PLASMA STUDIO, ARCHITECT ULLA HELL, SEXTEN, SOUTH TYROL, ITALY
© Florian Jaenicke

BALCONY, PLASMA STUDIO, ARCHITECT ULLA HELL, SEXTEN, SOUTH TYROL, ITALY
© Florian Jaenicke

PLASMA STUDIO, ARCHITECT ULLA HELL, SEXTEN, SOUTH TYROL, ITALY
© Florian Jaenicke

PLASMA STUDIO, ARCHITECT ULLA HELL, SEXTEN, SOUTH TYROL, ITALY
© Florian Jaenicke

PLASMA STUDIO, ARCHITECT ULLA HELL, SEXTEN, SOUTH TYROL, ITALY
© Florian Jaenicke

PLASMA STUDIO, ARCHITECT ULLA HELL, SEXTEN, SOUTH TYROL, ITALY
© Florian Jaenicke

CABLE CAR MACHINE ROOM,PLASMA STUDIO, ARCHITECT ULLA HELL, SEXTEN, SOUTH TYROL, ITALY
© Florian Jaenicke

MAIN HALL, PLASMA STUDIO, ARCHITECT ULLA HELL, SEXTEN, SOUTH TYROL, ITALY
© Florian Jaenicke

MAIN HALL, PLASMA STUDIO, ARCHITECT ULLA HELL, SEXTEN, SOUTH TYROL, ITALY
© Florian Jaenicke

MAIN HALL, PLASMA STUDIO, ARCHITECT ULLA HELL, SEXTEN, SOUTH TYROL, ITALY
© Florian Jaenicke

Plasma Studio - Reinhold Messner Haus - DW MH_02 - Axon

     

    Stefan Böck

    Stefan Böck ist Redaktionsleiter beim Österreichischen Wirtschaftsverlag