Veranstaltung

Endlich wieder Baukongress

Baukongress
11.05.2022

Der Baukongress rief, und alle kamen. Nach vier Jahren feierte das Bau-Get-together endlich sein großes Comeback.
Über 100 Aussteller und 2.000 Besucher auf dem Baukongress 2022.
Über 100 Aussteller und 2.000 Besucher auf dem Baukongress 2022.

Für menschenscheue Leute war der Baukongress 2022 definitiv nicht das Richtige. Volle Vortragssäle, volle Fachausstellung, ausgebuchte Abendveranstaltung – die über 2.000 Teilnehmer*innen und rund 100 Aussteller*innen machten deutlich, wie sehr in den vergangenen Jahren ein großes Get-together gefehlt hat. Bei so viel guter Stimmung sah man auch leicht darüber hinweg, dass das Austria Center Vienna – passend zum Kongress­thema – aufgrund umfangreicher Instand­setzungsarbeiten noch einer Baustelle ähnelte.

Zentrales Thema der Gespräche waren – wie momentan überall – Preise und Materialverfügbarkeiten. "Man spürt langsam, wie die Nachfrage in einigen Bereichen zurückgeht. Wenn das so weitergeht, wird wieder eine Preisschlacht unter den Bauunternehmen ausbrechen, während die Materialpreise weiter auf hohem Niveau bleiben. Das wird sich dann für viele nicht mehr ausgehen", befürchtet ­Markus Friesenecker, Head of Sales von Doka. Auch andere Hersteller wie Mapei und MBCC erwarten noch für Ende 2022 beziehungsweise Anfang 2023 eine Marktbereinigung. 

Nachhaltigkeit und kooperative Vertragsmodelle

Auch wenn beim Baukongress für zahlreiche Besucher*innen das Netzwerken im Vordergrund steht, lockten neue Themenblöcke auch viele Teilnehmer*innen in die Vortragssäle. Best-Practice-Beispiele im Bereich Baurobotik und 3D-Druck gaben ebenso einen Ausblick auf die Zukunft, wie auch die Ergebnisse des FFG-Projekts "BIM-Merkmalservice", bei dem BIM-Standards künftig nicht vereinheitlicht, sondern übersetzt werden sollen. Ein Schwerpunkt lag außerdem auf der neuen Session "Nachhaltigkeit im Bauwesen". Hier wurde in Vorträgen aufgezeigt, was alle Baubeteiligten in den ­letzten Jahren bereits dafür unternommen haben und was sie gedenken zu tun, um 2040 klima­neutral zu werden. Vorgestellt wurde außerdem der neue ÖBV-Nachhaltigkeitsfolder mit den sechs wichtigsten Grundsteinen, begonnen mit der Kreislaufwirtschaft und Recyclingbaustoffen bis hin zu Entscheidungsgrundlagen für Treibhausreduktionspfade und einem dazugehörigen ÖBV-Sachstandsbericht, der den Status der bereits durchgeführten Arbeiten aufzeigt.

Ebenfalls neu ist das Thema der alternativen Vertragsmodelle, zu dem 2021 auch ein ÖBV-Merkblatt veröffentlicht wurde. Am Baukongress wurden u. a. internationale Best-Practice-Beispiele wie der S31 Talübergang Sieggraben (Ö), die ­Eisenbahnschnellfahrstrecke HS2 (GB) oder der Tampere Tunnel (FI) vorgestellt. "Wenn alle am Bau Beteiligten zu einem frühen Projektzeitpunkt initiativ werden können, beispielsweise bei kooperativen Vertragsmodellen wie dem Early Contractor Involvement, bei dem Know-how-Verlust vermieden und die Effizienz gesteigert werden kann, dann spart dies Geld und Ressourcen", meint dazu ­Peter Krammer, Vorstandsvorsitzender der ÖBV.

Über 2.000 Teilnehmer interessierten sich am Baukongress 2022 auch für die spannenden Fachvorträge.
Über 2.000 Teilnehmer interessierten sich am Baukongress 2022 auch für die spannenden Fachvorträge.

Bautechnik-Preis: Frauen auf dem Vormarsch

Ein Programmpunkt, der auch in diesem Jahr nicht fehlen durfte, war die Verleihung des Bautechnikpreises. Die mit insgesamt 4.500 Euro dotierte Auszeichnung wird an "handverlesenen Nachwuchs" vergeben, wie sich der scheidende Swietelsky-­Vorstandsvorsitzender Karl ­Weidlinger freute. "Neue Erkenntnisse, wie z. B. aus den prämierten Diplomarbeiten, inspirieren die Baubranche und hauchen der ÖBV immer wieder neuen Atem ein", so Weidlinger. Beim diesjährigen Bautechnikpreis gab es außerdem noch eine Premiere – den ersten, zweiten und dritten Platz belegten nur Diplomandinnen.

1. Platz: Nadine Stoiber, Boku Wien
Thema: "Numerische, experimentelle und umwelt­relevante Untersuchungen an carbonbewehrten Betonträgern mit integrierten Stahlimplantaten"

2. Platz: Nina Pongratz, TU Wien 
Thema: "Einführung eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses am Beispiel eines Baumeister­betriebs"

3. Platz: Vanessa Kilchenmann, Universität Innsbruck
Thema: "Textilbeton im Fertigteilbau – Anwendung gestickter textiler Bewehrung an einer gefalteten ­Fassade" 

Der Koop-Award in der Kategorie Infrastruktur ging an das Projektteam der A23-Inzersdorf.

Koop-Award 2022: Ausgezeichnete Zusammenarbeit

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Bau