Waschen statt Wischen

Dusch-WC: Die Toilette mit Duschfunktion

Sanitär
19.01.2022

Aktualisiert am 21.01.2022
Während etwa in Japan nahezu 80 Prozent aller Haushalte mit Dusch-WCs ausgestattet sind, liegt der Anteil hierzulande nur im einstelligen Bereich. Noch. Denn Marktbeobachter*innen erkennen derzeit eine signifikante Trendumkehr vom Wischen hin zum Waschen.
Dusch-WC

Einmal jährlich, im Rahmen des Welttoilettentages am 19. November, bekommt das WC jene Aufmerksamkeit, die es eigentlich ständig verdienen würde. Denn der Lokus, so die älteste überlieferte Bezeichnung für den Abort, hat nicht nur eine bemerkenswerte Entwicklungsgeschichte hinter sich, sondern erfindet sich als technologisches Dusch-WC seit den letzten Jahren wieder neu.

Die Wurzeln unserer heutigen Toilette mit Duschfunktion

Historischer Lokus
Historischer Lokus

Übrigens: Zum "stillen Örtchen" wurde die Toilette erst später, denn in den Anfängen (erste überlieferte Erwähnungen für den Abort liegen sogar mehr als 5.000 Jahre zurück) war das WC in seiner Funktion vor allem ein gesellschaftlicher Treffpunkt. In den antiken Städten der Griechen und Römer gab es bereits öffentliche Latrinen mit Platz für dutzende Personen gleichzeitig. Intimsphäre war damals ein Fremdwort, und Überlieferungen zufolge fußt die Redensart "sein Geschäft zu verrichten" auf der Tatsache, dass während derartiger "Sitzungen" auch intensiv über Geschäftliches diskutiert wurde. Erst mit der Erfindung des Wasserklosetts im 18. Jahrhundert entwickelte sich die Toilette allmählich zum privaten Rückzugsort, wie wir ihn heute kennen.

Und seither wurde – was hygienische Sauberkeit und die Reinigung betrifft – stets an der Perfektionierung gearbeitet, weiterentwickelt und geforscht. Dennoch stand Hygiene hierzulande noch nie so stark im Fokus wie jetzt, wo wir fast täglich mit neuen virologischen Fakten konfrontiert werden. Und davon dürfte der Dusch-WC Markt ganz besonders profitieren. Denn sobald Produkte die Schwelle für den Massenmarkt erreicht haben, werden sie bekanntlich nicht nur günstiger, sondern treffen aufgrund der laufenden Weiterentwicklung auch immer besser den Geschmacksnerv der breiten Bevölkerung. Optisch sind derartige High-tech-Toiletten daher beispielsweise kaum noch von ihren "analogen" Geschwistern zu unterscheiden.

Dusch-WC: Unterschiedliche Markt-Anforderungen

Aktuelle Modelle für den EU-Markt sind deutlich schmäler und kompakter als ihre wuchtigen Zwillinge aus Fernost und auch fernab vom oft zitierten Krankenhaus-Charme früherer Modelle. Generell konnte dieser Markt hierzulande erst Fahrt aufnehmen, nachdem europäische Designer und Techniker das Dusch-WC von Grund auf neu durchdacht und auf heimische Standards gesetzt haben.

Während sich am asiatischen Markt jene Modelle gut verkaufen lassen, die mit maximaler Technik ausgestattet sind, finden europäische Nutzer*innen diese Gadgets (vom eingebauten Radio über Klobrillenheizung und Gesäßmassage bis hin zu bunten Lichtspielen) - vorsichtig ausgedrückt - exotisch bis kurios. Vor allem im deutschsprachigen Raum punktet reduziertes Design und ein hohes Maß an durchdachter Usability - soll heißen "selbsterklärende, einfache Bedienbarkeit".

Barrierefreie Bauweise als Turbo für den Dusch-WC-Markt

Barrierefreie Planung
Barrierefreie Planung

Neben Komfort und Hygiene ist jedenfalls auch die Funktion als selbstständige Nutzbarkeit bis ins hohe Alter eines der wichtigsten Kauf-Anreize. Denn ein Dusch-WC trägt in großem Maße zu einem langen selbstbestimmten Leben bei und bringt auch wesentliche Erleichterungen in der Pflege in Bezug auf die Tageshygiene.

Der Durchbruch in Österreich könnte daher auch durch den steigenden Altersdurchschnitt beschleunigt werden. Denn wie Untersuchungen der dänischen Gemeinde Aarhus -die diese schon seit 2016 durchführen -zeigt, kann die Pflegezeit pro Person derart um über 50 Minuten pro Woche reduziert werden, da keine Hilfe beim Toilettengang benötigt wird. In Euro brachte dies eine Ersparnis von rund 2300 Euro pro Person und Jahr für die Gemeinde, Erleichterungen für das Pflegepersonal und vor allem mehr Selbstständigkeit für die zu Pflegenden. Die Argumente pro Hygiene und Komfort von einem Dusch-WC spielen damit auch dem Thema Generationenbad in die Hände.

Denn von einer Quote wie zum Beispiel in Japan, wo rund 80 Prozent der Haushalte mit einem Dusch-WC ausgestattet sind, kann man hierzulande trotz pandemiebedingter  Sensibilisierung für Hygiene nur träumen. Aber nicht nur in Japan, auch ganz generell setzt rund 70 Prozent der Weltbevölkerung auf Körperreinigung mittels Wasser nach jedem Toilettengang. Genaue Zahlen gibt es zwar nicht, Schätzungen zufolge liegt dagegen die derzeitige Ausstattungsrate an Dusch-WCs in Österreich im einstelligen Prozentbereich. Gute Aussichten somit für einen Markt, der zahlreiche Argumente liefert, warum das Bessere der Feind des Guten ist.

Angesichts dieser Zahlen ist es ein kaum zu glaubender Fakt, dass das Dusch-WC seinen Ursprung gar nicht in Japan bzw. Asien hat, sondern in Europa. Konkret in der Schweiz. Denn erfunden wurde es 1957 vom Schweizer Hans Maurer, der es als "Closomat" vermarktet hat und unter dieser Marke mehr als 100.000 Mal verkaufen konnte.   

Das sagt der Experte

Peter Wirz im Interview

Warum der Markt für Toiletten mit Duschfunktion nun auch in Europa ordentlich Fahrt aufnehmen wird, hat uns der Schweizer Designer Peter Wirz, der an der Entwicklung der Cleanet Dusch-WCs von Laufen maßgeblich beteiligt war, im Interview zusammengefasst. Hier geht es zur Markteinschätzung des renommierten Industriedesigners: Interview

Durchdachte Technik beim Dusch-WC als Gamechanger

Duschstrahl

Beim Herzstück einer jeden derartigen Toilette, der Duschfunktion, steht vor allem das körperwarme Wasser im Vordergrund. Es wird in der Regel von einer Kombination aus Durchlauferhitzer und Speicher gespeist. Das auf ca. 38 Grad erwärmte Wasser steht derart sofort zur Verfügung, und ein verfrühtes Absinken der Wassertemperatur im Dusch-WC wird verhindert. Ein Markenanbieter geht hier übrigens einen anderen Weg. Sein Modell benötigt keinen Stromanschluss, der üblicherweise für Boiler & Co erforderlich ist, sondern holt sich die erforderliche Betriebstemperatur direkt über den Warmwasseranschluss. Zwar gibt es - je nach Hersteller - ganz generell unterschiedliche Duschtechnologien was den Strahl betrifft, jedoch haben es alle gemein, dass mit der Düse (bzw. den Düsen) eine gezielte, gründliche und angenehme Reinigung gewährleistet ist. Unterschiede gibt es dennoch zahlreich.

Vor allem in der Tiefe der mehrheitlich via Fernbedienung nutzbaren Funktionen und Einstellmöglichkeiten, die von pulsierenden Duschstrahlen bis hin zur dynamischen Luftbeimischung der selbstreinigenden Düse sämtliche Register ziehen. Neben der eigentlichen Duschfunktion bieten viele der am Markt verfügbaren Modelle jedoch auch noch zahlreiche weitere Unterscheidungsmerkmale. Diese gehen von der pfiffigen Geruchsabsaugung, über Föhnfunktionen, die den Po nach der Dusche trocknen bis hin zu spülrandlosen Varianten und speziellen Legierungen (auch für den WC-Aufsatz), auf denen Schmutz kaum noch eine Chance hat. Kein Detail bleibt dabei in Sachen Technologievorteile unberücksichtigt. Selbst die WC-Keramik wurden bei vielen Toiletten völlig neu gedacht. Sie bieten, neben der erwähnten spülrandlosen Technologie zur besseren Reinigung, spezielle asymmetrische Innengeometrien, mittels derer eine besonders gründliche und dennoch leise Ausspülung gewährleistet ist. Zwar würde das Leistungsspektrum an ergänzenden Gadgets noch viel weiter gehen, jedoch sind diese dann eher für den Markt in Asien bestimmt.

Voraussetzungen für den Dusch-WC-Einbau

Die technischen Voraussetzungen reduzieren sich auf einen Strom- und Wasseranschluss. Während letzteres natürlich in jedem Klosett oder Bad vorhanden sein dürfte, ist das Thema Strom schon eine deutlich größere Herausforderung. Denn das High-Tech-Modell benötigt eine Dauerstromquelle, und diese ist am Lokus – vor allem dann, wenn das Gebäude nicht erst in den letzten Jahren gebaut wurde – nur selten an der passenden Stelle vorhanden. Eine Abzweigungsleitung vom elektrischen Ventilator oder der Beleuchtung würde zwar naheliegen, ist jedoch nicht geeignet, da diese Lösung keinen Dauerstrom liefert. Derartige Leitungen sind in der Regel mit dem Lichtschalter gekoppelt. In der Zwischenzeit hat aber der Markt auf diese Herausforderung reagiert. Bei nahezu allen am Markt verfügbaren Vorwandelementen sind Leerverrohrungen für Stromkabel längst Standard. Außerdem sollte die nachträgliche Einspeisung einer Dauerstromquelle – also das zusätzliche Einziehen von zwei weiteren Einzeldrähten – in der bereits vorhandenen Verrohrung problemlos möglich sein. Denn von einem dichten Gedränge in der Klosett-Rohrleitung ist nicht auszugehen.

So einfach lässt sich ein Dusch-WC einbauen

Wie simpel der Einbau funktioniert, wie rasch er umgesetzt werden kann und wie wenig Staub und Schmutz dabei anfallen, haben wir nachfolgend exemplarisch anhand von zwei Einbaureportagen anschaulich zusammengefasst:

Einbaureportage "Aquaclean Mera"

WC-Montage

Beim Einbau des „Aquaclean Mera“ von Geberit haben wir Installateur Michael Segulin über die Schultern geblickt. Hier geht es zur: Objektreportage.

Einbaureportage "Cleanet Navia"

Einbaureportage

Die GEBÄUDEINSTALLATION war auch beim Einbau des "Cleanet Navia" von Laufen durch die Installateurprofis der Firma Passler dabei. So konnten wir erkennen, dass die Montage rasch umgesetzt werden kann – nämlich innerhalb von rund 90 Minuten. Hier geht es zur Objektreportage.

Dusch-WC als besseres Prämiensparbuch

Das Hygieneupgrade am stillen Örtchen verspricht jedenfalls eine Win-win-Situation sowohl für Installationsbetriebe, als auch für Käufer*innen. Denn diese modernen Hightech-Wand-WCs starten (abgesehen von einigen No-Name-Angeboten im Internet, bzw. simplen WC-Sitz-Modellen) bei knapp 1000 Euro, mit einer – je nach Ausstattung – nach oben nahezu offenen Preisrange, was einen attraktiven Deckungsbeitrag für den Installationsbetrieb verspricht. Aber auch für Nutzer*innen wirkt sich diese Investition positiv auf das Haushaltsbudget aus. Neben der bereits beschriebenen Einsparung bei allfälligen Pflegekosten von rund 2300 Euro pro Person und Jahr sind es die Einsparungen beim WC-Papier: EU-weit beträgt der jährliche Verbrauch von Toilettenpapier pro Person laut einer WWF-Studie 13 Kilo, was bei einer vierköpfigen Familie immerhin rund 100 Euro entspricht. Allein in Österreich werden pro Jahr rund 287 Millionen Klopapierrollen verwendet. Die Argumente pro Hygiene und Komfort von Dusch-WCs werden also auch durch Einsparpotenziale ergänzt.

Denn was die Betriebskosten betrifft, rechnet sich ein Dusch-WC allemal. Diese sind zwar abhängig von den (genutzten) Funktionen des jeweiligen Modells und den aktuellen Strompreisen. Aufgrund dieser Unschärfen ist eine juristisch verbindliche Zahl zu nennen natürlich nicht möglich. Man kann jedoch davon ausgehen, dass bei einem Vier-Personen-Haushalt rund 50 Euro pro Jahr für Strom und Wasser anfallen. Setzt man diese den Einsparungen beim Klopapierverbrauch entgegen, ergibt sich ein sattes Plus in der Geldbörse.

Waschen statt Wischen ist ökologischer

Und schließlich weist der Erwerb auch in Sachen "ökologischer Fußabdruck" eine positive Bilanz aus. Denn nicht nur der Verbrauch des Hygienepapiers (vor allem feuchter Tücher) belastet die Umwelt stark. Auch dessen Herstellung ist ressourcenintensiv. Sie benötigt viel Holz, Energie und Wasser. Hinzu kommt, dass die Papierfasern nach dem Gebrauch über die Kanalisation oder als Abfall entsorgt werden müssen. So gehen sie dem Papierkreislauf verloren, belasten die Kläranlagen und können zudem nicht recycelt werden.

Doch das schlüssigste Argument haben wir uns für den Schluss aufgehoben und in eine Frage verpackt, die Sie sich selbst beantworten können: Inwieweit würde es Ihrem Sauberkeitsgefühl entsprechen, wenn Sie sich die Hände im Bad waschen wollten, Ihnen jedoch anstatt fließendem Wasser lediglich ein paar Papiertücher zur Verfügung stünden?

Diese Dusch-WCs sind uns besonders aufgefallen

Cleanet Riva
Mit Cleanet Riva hat Laufen das Dusch-WC grundlegend neu gedacht und ein Produkt entwickelt, das Design, Komfort und Hygiene erstmals ganzheitlich definiert. Es ist das einzige Dusch-WC bei dem das gesamte wasserführende System in regelmäßigen Abständen auch thermisch gereinigt wird. Für Kalkfreiheit sorgt eine Entkalkungsfunktion. www.laufen.com

Mera
So unterschiedlich wie ihre Namen – Mera, Sela und Tuma – so verschieden sind auch die Dusch-WCs von Geberit. Vom preiswerten Einsteiger über den Alleskönner bis zum hochwertigen Modell ist für jeden Anspruch etwas Passendes dabei. Das abgebildete AquaClean Mera Comfort mit seinem schwebenden Design ist übrigens das meistverkaufte Dusch-WC in Europa. www.geberit.at

Teceone
Das Unternehmen Tece hat mit seinem Dusch-WC "one" bewiesen, dass moderne Technik auch ohne Strom funktionieren kann. Dazu macht sich dieses Modell die Kraft des Wassers zunutze: Die Duschfunktion wird mithilfe des Wasserdrucks gesteuert. Das warme Wasser für die hygienische Reinigung kommt dabei direkt aus der Leitung. www.tece.com

Viclean
ViClean-I 100 von Villeroy & Boch wurde vollständig in Europa entwickelt und produziert. Wassertemperatur, Wasserstrahlstärke und Duschdüsenposition können individuell eingestellt werden. Die Bedienung ist einfach, ohne auf jeglichen Komfort verzichten zu müssen. www.villeroy-boch.at

Sensia
Mit dem Grohe Sensia Arena bleiben Reinigungsmittel und WC-Bürsten öfter unbenutzt in der Ecke stehen. Denn eine spezielle Oberflächenbeschichtung, das spülrandlose WC-Design und die effektive Spülpower erschweren ein Festsetzen von Schmutzpartikeln. www.grohe.at

Sensowash
Beim SensoWash von Duravit kommt nach Anwendung der verschiedenen Duschfunktionen ein Föhn zum Einsatz, der mit warmer Luft trocknet. Die Temperatur lässt sich nach Belieben über die App regeln. Auch bei dieser Funktion können persönliche Vorlieben gespeichert und wieder abgerufen werden. www.duravit.de

Toto Dusch-WC
Die weltweit höchsten Verkaufszahlen von Dusch-WCs verzeichnet der japanische Sanitärhersteller Toto – so eine Studie des Marktforschungsinstituts Euromonitor. Das Unternehmen bietet auch kostengünstige WC-Sitze, in die die Dusch-WC-Technik integriert ist, wie etwa beim Washlet RX mit Fernbedienung. https://eu.toto.com/de
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