Just Transition

Ausbildungskompass für die Energiewende

Top-Artikel
24.01.2023

Der Weg zur Klimaneutralität hat auch große Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Der Aktionsplan "Just Transition" legt deshalb konkrete Maßnahmen zu Aus- und Weiterbildung fest. Denn die Qualifizierungsanforderungen in einigen Bereichen werden sich grundlegend ändern.
Vor allem im Bereich Wärme und Energie gibt es auch bei der Berufsausbildung einen massiven Modernisierungsbedarf.
Vor allem im Bereich Wärme und Energie gibt es auch bei der Berufsausbildung einen massiven Modernisierungsbedarf.

Österreich hat ein Ziel: die Klimaneutralität bis 2040. Damit die Energiewende tatsächlich gelingen kann, hängt von vielen Faktoren ab, auch von gut ausgebildeten Fachkräften. Die Voraussetzung dafür sind die richtigen Rahmenbedingungen für zukunftsorientierte Aus- und Weiterbildungen. Gemeinsam mit den Sozialpartnern und dem Arbeitsmarktservice (AMS) hat die Bundesregierung daher den Aktionsplan "Just Transition" für mehr Green Jobs ausgearbeitet.

Spezialist*innen gesucht

Um den geänderten Rahmenbedingungen gerecht zu werden braucht es neue Qualifizierungen, zusätzliche Aus- und Weiterbildungen sowie Umschulungen. Vor allem im Bereich der Erneuerbaren Energien und dem Baugewerbe wird es verstärkt Spezialist*innen für die Errichtung von Photovoltaik-Anlagen oder für die thermische Gebäudesanierung brauchen. Auch die Energieträger fürs Heizen werden sich ändern. Statt Heizen mit Öl und Gas werden Fernwärme und Wärmepumpen im Mittelpunkt stehen. Das heißt Dachdecker*innen, Bauspezialist*innen, Gebäudetechniker*innen, Installateur*innen, Energieberater*innen und Elektrotechniker*innen müssen in ihrer Qualifizierung zukunftsfit sein.

Green Skills im Fokus

Bei der Vorstellung des Aktionsplans von Klimaschutzministerin Leonore Gewessler, Arbeitsminister Martin Kocher, AK-Präsidentin Renate Anderl und AMS Wien-Landesgeschäftsführerin Petra Draxl Mitte Jänner wurden als Beispiele Dachdecker*innen, die auch Photovoltaik-Anlagen installieren können oder Installateur*innen, die alte Gasheizungen durch Fernwärme und Wärmepumpen ersetzen können, genannt.

Das bedeutet, dass "Green Skills" in den Fokus von Ausbildungen gerückt werden müssen. Das gilt natürlich nicht nur für Jugendliche, die "Green Jobs" besonders attraktiv finden, sondern auch für Beschäftigte und Arbeitssuchende. Dafür braucht es Anpassungen in der Lehrlingsausbildung, es wird aber auch mit der Schaffung neuer Berufsfelder und Umschulungen einhergehen. Der "Just Transition"-Aktionsplan ist sozusagen der Kompass dafür.

Viele offene Stellen

Derzeit gibt es viele freie Stellen in klimarelevanten Bereichen. Laut Arbeitsminister Kocher sind aktuell rund 11.300 Jobs mit diesbezüglichen Berufsanforderungen unbesetzt. Ein Wert, der über zehn Prozent der offenen Stellen in ganz Österreich liegt. Ein besonders starker Mangel herrscht bei Photovoltaiktechniker*innen, Automatisierungstechniker*innen, Elektrotechniker*innen und Mechatroniker*innen.

Als wesentlichen Faktor für die Zukunft sieht Kocher deshalb die Lehrausbildung. Alle fünf Jahre werden die Lehrstoffe der Lehrberufe überarbeitet und neue Inhalte dazu gefügt. Die Qualifizierungsänderungen werden für die Zukunft eine ganz besondere Rolle spielen. Zusätzlich gibt es den Digi-Scheck für Lehrlinge, der bisher schon von rund 23.000 für zusätzliche Weiterbildungen in Anspruch genommen wurde. Ursprünglich war er für die Jahre 2021 und 2022 ins Leben gerufen worden. Mittlerweile gibt es die Verlängerung bis Dezember 2024, wodurch weitere 10 Mio. Euro zur Verfügung stehen.

Förderungen für Klimajobs

Seit dem Frühjahr 2022 existiert die Umweltstiftung, eine vom Österreichischer Gewerkschaftsbund (ÖGB) und der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) initiierte Implacement-Zielgruppen-Stiftung. Gemeinsam mit dem Arbeitsmarktservice (AMS), dem Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft (BMK) und in enger Zusammenarbeit mit Unternehmen im Bereich der Klimaberufe werden Ausbildungen für junge Menschen in spezifischen Bereichen wie in der Abfall- und Ressourcenwirtschaft, E-Mobilität und Erneuerbaren Energien unterstützt. Mehr als 100 Personen, berichtet Arbeitsminister Kocher, seien schon eingetreten, es gebe aber noch Spielraum für mehr.

Schon etablierter ist der 2020 eingeführte Bildungsbonus für Personen in der AMS-Fachkräfteausbildung, durch den die Ausbildungsquote bei Lehrausbildungen und höheren formalen Abschlüssen um elf Prozent auf 57.170 Personen gesteigert werden konnte. Dieser Bonus wird nun für 2023 verlängert und mit 2024 ausgeweitet. Durch den Bildungsbonus wird ein zusätzliches Arbeitslosengeld gezahlt. Derzeit sind das 68 Euro in den ersten Monaten, ab dem vierten Monat 180 Euro. Ab 2024 soll der Schulungszuschlag und Bildungsbonus neu geregelt werden, mit drei Stufen.

Idee eines Unternehmensfonds

Für Renate Anderl sind damit schon viele positive Projekte am Laufen, aber einiges fehlt ihr noch. Eine IHS-Studie letztes Jahr habe gezeigt, dass die Aus- und Weiterbildungsausgaben des privaten Sektors dramatisch zurückgegangen sind. Sie brachte daher den Vorschlag zur Gründung eines Fonds ein, in den die Unternehmer einzahlen. Alleine 0,2 Prozent der Jahresbruttolohnsumme in Österreich würden laut ihren Berechnungen rund 220 Mio. Euro bringen. Davon könnten dann alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer jährlich 500 Euro Förderung für ihre berufliche Weiterbildung erhalten.

Umsetzungsphase gestartet

Das Klimaschutzministerium hat im Dezember 2020 den Just-Transition-Prozess mit Stakeholdern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und der Zivilgesellschaft initiiert, um eine Transformation zu einer klimaneutralen und umweltverträglichen Gesellschaft und Wirtschaft zu meistern. Insgesamt gab es drei Workshops (Juni 2021, September 2021, Februar 2022) in denen Arbeitsgruppen die Grundlagen, Ideen und Maßnahmenvorschläge erarbeitet haben. Die Umsetzungsphase startete mit der Präsentation am 12. Jänner 2023. Für die Umsetzung selbst gibt es kurzfristige (2023), mittelfristige (2023 – 2024) und langfristige (2025 – 2030) Realisierungshorizonte. Details dazu sind bis jetzt nicht bekannt.

Mitglieder des Just Transition-Beirats

  • Arbeiterkammer (AK)
  • Arbeitsmarktservice Wien (AMS Wien)
  • Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport (BMKÖS)
  • Büro für nachhaltige Kompetenz B-NK GmbH
  • Impact Hub Vienna
  • Industriellenvereinigung (IV)
  • Institut für Höhere Studien (IHS)
  • Initiative Wachstum im Wandel
  • Momentum Institut – Verein für sozialen Fortschritt
  • Österreichischer Gewerkschaftsbund (ÖGB)
  • Österreichische Nationalbank (OeNB)
  • Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo)
  • Verein Klimavolksbegehren