Metaller-Kollektivvertrag

Alte Rituale in bewegten Zeiten

Lohnverhandlungen
22.09.2022

Vor dem Hintergrund von Krieg, Rezessionsangst und Teuerung könnte das Drehbuch zu den Kollektivvertragsverhandlungen diesmal einen hochspannenden Krimi bereithalten. Und heuer wird wohl härteres Material gefräst werden.
Hartmetall-Fräsen
Fräsen harter Werkstücke

Die Verhandlungen zum Kollektivvertrag für die Beschäftigten der Metallindustrie sind ein seit Jahrzehnten gespieltes Herbstdrama, und seit jeher gilt der Metaller-KV als Richtschnur für die Lohnabschlüsse in anderen Branchen. Diesmal stehen die Zeichen auf Sturm, sind doch die aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit jenen in früheren Kollektivvertragsrunden kaum vergleichbar. So schauen denn auch die Lohn- und Gehaltsforderungen der zuständigen Gewerkschaften Pro Ge und GPA aus: Das angestrebtePlus von 10,6 Prozent ist die höchste Lohnforderung der Arbeitnehmer*innenvertretung an die Metallindustrie seit 30 Jahren.
Die Arbeitgeberseite verweist wie üblich auf die schlechten Wirtschaftsaussichten und klagt, die Unternehmen müssten den Gürtel enger schnallen. Die Belegschaftsvertretungen hingegen blicken auf die Konzerngewinne des vorigen Jahres, von denen aus Sicht der Gewerkschaften auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter etwas haben sollten. Soweit sind die Standpunkte auch diesmal nicht neu - aber welches Säbelrasseln ist heuer zu erwarten, und wie lässt sich diesmal, in der 2022 besonders angespannten Situation, ein Kompromiss erzielen?

Nachfolgend eine fortlaufend aktualisierte Chronologie der KV-Verhandlungen in mehreren Episoden:

Vorspiel: Nebelkanonen

[6.9.2022]
Als Ouvertüre zur kommenden Aufführung lässt der FMTI - wie jedes Jahr – die leeren Geldbeutel laut klingeln: In einer Aussendung erwartetdie Metalltechnische Industrie einen Wachstumsrückgang undbeklagtdieglobalen Preissteigerungen, welche die Betriebe ebenso wie Bürgerinnen und Bürger belasten würden. Die weiteren üblichen Verdächtigen - Covid-19, Rohstoffknappheit, Nachfrageeinbruch, Energiepreise und Inflation – führten dazu, dass gerade die heurigen KV-Verhandlungen unter besonders außergewöhnlichen Umständen stattfinden würden. Zwar sei die Produktion in den ersten vier Monaten 2022 mit rund 8,8 Prozent im Plus gelegen, aber leider würden trotzdem alle Daten auf Abschwung zeigen. Für das Gesamtjahr 2022 würden die Unternehmen im Durchschnittsogar ein Plus von rund 5 Prozent erwarten, dennoch rechne ein Viertel der Betriebe mit einem Rückgang der Produktion. Die Signale stehen jedenfalls auf Vernebelung, denn trotz guter Daten halte laut FMTI "eine deutliche Mehrheit (59 %) der Unternehmen der Metalltechnischen Industrie in den nächsten Monaten einen substanziellen Einbruch für wahrscheinlich."

Eröffnung: "Zweistellig!"

[19.9.2022]
Um punkt 11 Uhr wurden die KV-Verhandlungen mit der traditionellen Forderungsübergabe der Gewerkschaften an die MTI und die öffentliche Bekanntgabe der Lohn- und Gehaltsforderungen durch Rainer Wimmer (Pro-GE) und Karl Dürtscher (GPA) offiziell gestartet.

Kern der Gewerkschaftsforderungen sind 10,6 Prozent mehr Lohn und Gehalt, 1.000 Euro für Lehranfänger, ein neuer Zuschlag für Samstagsarbeit, die Anhebung des Überstundenzuschlages für die zehnte Arbeitsstunde und eine leichtere Erreichbarkeit der sechsten Urlaubswoche.
Die Gewerkschaften stützen sich in ihrem Papier auf "richtig gute Wirtschaftsdaten der vergangenen Monate", ein um 4,3 Prozent steigendes Bruttoinlandsprodukt (BIP) und Rekordergebnisse der Industrie.

Replik: "Überzogen!"

[19.9.2022]
Wenig überraschend bezeichnet der Fachverband Metalltechnische Industrie (FMTI) unmittelbar darauf die Forderungen der Gewerkschaften als "unvernünftig und überzogen". Die MTI stehe vor einer Rezession, und die Teuerung könne von Betrieben nicht allein getragen werden, erklärt FMTI-Obmann Christian Knill.

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Metall