Biomasse, Wärmepumpe & Co

So ökologisch geht heizen heute

Heizung
02.06.2021

Aktualisiert am 15.11.2021

Umweltfreundliche, erneuerbare Energien sind der zentrale Schlüssel zur Energiewende. Für private Haushalte sind Biomasseanlagen und Wärmpumpen in Kombination mit Solarstrom gute Möglichkeiten, einen Teil zur Klimawende beizutragen.

Erneuerbare

Mit der österreichischen Klima- und Energiestrategie 2030 hat man sich große Ziele gesteckt: Das Land soll seine Treibhausgasemissionen bis 2030 um 36 Prozent gegenüber 2005 reduzieren – bisher wurde erste ein Bruchteil davon geschafft. Maßgeblich näherkommen will man diesem Ziel mit hundert Prozent Strom aus erneuerbarer Energie bis 2030. Bei Wärme sollen hundert Prozent bis 2050, dem langfristigen Ziel des Pariser Klimaabkommens, erreicht werden. Das bedeutet das komplette Aus für Kohle, Öl und fossiles Erdgas in der Wärmeerzeugung.

Anteil an erneuerbarer Energie steigt

Ihre Stelle sollen dann erneuerbare Energien einnehmen. Aktuell liegt deren Anteil im Gesamtenergiemix bei einem Drittel, bis 2030 soll er bei 45 bis 50 Prozent liegen. Christoph Pfemeter, vom österreichischen Biomasseverband, kann sich auch ambitionierte 60 Prozent vorstellen. "In jedem Energiewendeszenario spielt Biomasse die entscheidende Rolle. Sie ist unter den erneuerbaren Energien in Österreich die bedeutendste, gefolgt von der Wasserkraft, Windenergie und Photovoltaik. Im Gesamtvergleich liegt sie heute nach Öl und Erdgas bereits an dritter Stelle“, so Pfemeter und sagt weiter: "Ob die Ziele erreicht werden, wird man allerdings erst in einigen Jahren sehen. Aber wir sind ob der Weichenstellungen, die schon gesetzt wurden, zuversichtlich.“

Eine dieser Weichen ist das Verbot von Ölheizungen. Bestehende Anlagen können allerdings noch über Jahre laufen. Ein Argument für Fachinstallateur*innen gegenüber den Kund*innen: Auch wenn die Investition in eine alternative Heizungsanlage etwas höher ist, ist ein Umstieg so bald wie möglich sinnvoll. Denn gesetzliche Neuerungen müssen kommen, will man die Ziele erreichen. Und dann heißt es womöglich, von jetzt auf gleich eine neue Heizung installieren zu müssen.

Ausgereifte Technik bei Biomasseanlagen

In Sachen technischer Entwicklungen hat sich bei den mit Biomasse betriebenen Heizsystemen in den letzten Jahren viel getan. Durch die wesentlich verbesserte automatische Steuerbarkeit steigt die Bedienerfreundlichkeit. Dadurch sinken der Brennstoffbedarf, die Emissionen, die Heizlasten und auch die Anlagenpreise. Die Systeme sind flexibler geworden, und es werden z. B. Kombinationen eines Biomassekessels mit einer Wärmepumpe oder die Möglichkeit zum Verheizen von Scheitholz und Pellets angeboten. Bei Wärmepumpen ist aber darauf zu achten, aus welchen Quellen der für den Betrieb nötige Strom stammt, um die Klimaneutralität sicherzustellen. Wie auch immer sind es vor allem automatisierte Biomassesysteme und Wärmepumpen, die sich in der Sanierung von Privathäusern "matchen“, beim Neubau wird sich wohl die Wärmepumpe als Hauptanlagenform durchsetzen. Das ist vor allem durch die geringen Heizlasten moderner Niedrigenergiebauten begründet. 

Pelletheizungen vor allem in der Sanierung beliebt

"Pelletheizungen sind im Privatbereich überall dort ein Thema, wo die Gebäude nicht in Passivhausbauweise ausgeführt sind – also vor allem in der Sanierung“, bestätigt Alfred Eder, von Anton Eder Heizung. Das Salzburger Familienunternehmen produziert am Standort in Bramberg Holz-Zentralheizungen und Kachelöfen mit Fokus auf Privat- und kleinen Gewerbekund*innen. Der zweite Standort in Lienz ist auf die Herstellung von Expansions- und Druckhalteanlagen spezialisiert.

"Grundsätzlich brauchen wir für eine Dekarbonisierung der Wärmebereitstellung eine Vielzahl an Technologien. Eine Pelletheizung ist für den Privatkunden eine komfortable Möglichkeit, CO2-neutral zu heizen“, bestätigt Stefan Ortner, Geschäftsführer und Eigentümer von Ökofen. Das oberösterreichische Unternehmen mit einem Exportanteil von 94 Prozent ist auf die Produktion von Pelletheizungen spezialisiert. Der Leistungsbereich liegt bei Einzelkessel zwischen sechs und 64 kW, eine Kaskadierung ist bis 250 kW möglich. Die größten Stückzahlen produziert der Hersteller im Bereich zwischen zehn und 25 kW.

Das Thema Sanierung ist in Österreich ein durchaus großes. Jährlich werden hierzulande rund 15.000 Einfamilienhäuser neu gebaut, allerdings 30.000 bestehende Häuser saniert. Durch durchschnittliche Heizlasten zwischen 15 und 20 kW sind hier Pelletheizungen eine sehr gute Lösung. Da vor zwanzig Jahren und früher gebaute Häuser meistens größer als moderne Neubauten sind, bedeutete das zudem, dass im Regelfall ein Heizungskeller mit Brennstofflagermöglichkeit vorhanden ist. Luft-Wasser- oder Sole-Wärmepumpen sind ebenso mögliche Varianten. Noch besser passen diese aufgrund des geringen Wärmebedarfes von durchschnittlichen 5 kW wie erwähnt in Niedrigenergiehäuser. Diese decken die Grundlast für Heizen, Warmwasserbedarf und Kühlung. Zur Abdeckung des Spitzenwärmebedarfs im Winter eignen sich zusätzlich Kachelöfen oder ­offene Kaminöfen.

Im Trend: eigener Strom

Eindeutig im Trend ist die Kombination einer Wärmepumpe mit einer Photovoltaikanlage (PV) zur Stromerzeugung. Und nützt man Strom für eine aktive Kühlung, wird diese Variante auch zum Sommerthema. Auch wenn die laufende Verbesserung der Speichertechnik und das Sinken der Anlagenpreise nochmals Schwung in die Sache gebracht haben, gibt es noch viel Luft nach oben. Denn aktuell stammen je nach Wetterlage zwischen einem halben und knapp vier Prozent des in Österreich verbrauchten Stroms aus Solarzellen. "Langfristig könnten aber 20 bis 30 Prozent des Strombedarfs aus Solarstrom gedeckt werden“, heißt es vonseiten des Photovoltaik-Bundesverbandes. Allerdings stockt der Ausbau immer wieder, auch aufgrund einer unklaren Förderpolitik. Zudem ist die Versorgung in den sonnenarmen Wintermonaten nicht garantiert. Dann muss wieder auf Netzstrom zugegriffen werden.

Stefan Ortner bringt hier eine neue Entwicklung ins Spiel: Die stromerzeugende Heizung. Damit kann ganzjährig die Versorgung mit Strom und Wärme über ein System erfolgen. Der Pelletheizkessel in Verbindung mit einem Stromspeicher inklusive Gesamtregelung nennt sich bei Ökofen My Energy 365 und ist seit 2017 erhältlich.

Fernwärme aus Biomasse

Ist die entsprechende Leitungsführung vorhanden, ist mit Biomasse betriebene Fernwärme eine praktikable Heiz-Lösung, durch den zusätzlichen Einbau z. B. eines Kachelofens bleibt eine gewisse Unabhängigkeit erhalten. "Ich bin ein Fan von Fernwärme, die aus Biomasse produziert wird. Denn in der kontrollierten Entsorgung von Abfall und der Nutzung der dabei entstehenden Energie steckt ein enormes Potenzial“, sagt Alfred Eder und nennt dafür einige Beispiele. So wird durch die Abwärme aus der Zellstoffproduktion in Pöls in der Steiermark der gesamte Zentralraum mit Fernwärme versorgt. Ähnlich funktioniert die Nutzung der Wärmeenergie, die in der Müllverbrennung Dürnrohr in Niederösterreich entsteht.

Klimabewusstsein steigt in der Bevölkerung

Die Vorteile und der jeweilige Einsatzbereich der einzelnen Systeme sind also gut zu argumentieren. Aber wie sieht es mit der Bereitschaft der Menschen zum Umstieg aus? "Das Thema Energie ist aktuell zum Glück wieder im Fokus. Davor brannte es lange Jahre nicht so unter den Nägeln – vor allem aufgrund der niedrigen Ölpreise“, sagt Alfred Eder zum Thema Klimabewusstsein. Jetzt sei es an der Zeit, den "Schwung zu nützen und den Turbo zu zünden", um das Bewusstsein bei den Konsument*innen weiter zu schärfen.

Ökofen-Geschäftsführer Stefan Ortner ergänzt ein Beispiel, das die Dimension der Wirkung eines Heizungstausches für den Klimaschutz sehr gut veranschaulicht: "Die Umstellung in einem durchschnittlichen Privathaushalt von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien sorgt für zehn Tonnen weniger CO2-Ausstoß pro Jahr. Das ist derselbe Effekt, als würde man mit drei Pkw ein ganzes Jahr lang nicht fahren.“

Höhere Steuern für die Klimarettung?

"Es gibt nicht die eine Lösung in Sachen Wärmeversorgung. Klar ist nur, dass mit den fossilen Energieträgern bald Schluss sein muss“, sagt Alfred Eder. Der Unternehmer plädiert dafür, die fossilen Energieträger dort einzusetzen, wo sie schwerer ersetzbar sind – z. B. in der Mobilität. Für Wärme- und Stromerzeugung hingegen gibt es seit Jahren viele komfortable und umweltfreundliche Lösungen, die durch technische Weiterentwicklungen und steigende Stückzahlen für den Einzelnen immer leistbarer werden.

Für den endgültigen Umkehrschwung braucht es aber ein allgemeines gesellschaftliches Umdenken und einen Kraftakt in den politischen Entscheidungen. Dazu gehören die angesprochenen Förderungen ebenso wie eine viel höhere Besteuerung fossiler Energie bzw. die Besteuerung des von jedem Einzelnen verursachten CO₂-Ausstoßes. Dass das kein einfacher Weg sein wird, zeigt das Beispiel Frankreich: Die Pläne von Präsident Emmanuel Macron in diese Richtung lösten massive Proteste in der Bevölkerung aus, die Steuererhöhungen wurden wieder auf Eis gelegt.

Installateur*innen als Öko-Spezialist*innen

Wie auch immer sich die Rahmenbedingungen entwickeln – sich als Installateur*in für erneuerbare Energien zu etablieren, hat zweifelsfrei Zukunft. Denn dieser wird einfach gebraucht, um das Klimaproblem in den Griff zu bekommen. Interessenvertretungen, Fachinstitute und Hersteller*innen unterstützen durch ihr Schulungsangebot bei der Positionierung als Expert*innen für Solarenergie, Biomasse und Wärmepumpe, zudem werden die Anlagen kompakter und die Installation einfacher. Damit werden Platz- und Kostenargumente entkräftet. Stark im Kommen sind sogenannte "Plug & Heat“-Systeme. Die Komponenten werden je nach Kundenbedürfnis zusammengestellt, die Montage ist relativ einfach. "Damit blicken wir aber eher auf die Exportmärkte – denn nirgendwo sind die Installateure so gut ausgebildet wie in Österreich“, sagt Stefan Ortner von Ökofen.

Grünes Gas als Brückentechnologie?

Fakt ist, dass das Ende der fossilen Energieträger längst eingeläutet ist. Der völlige Ausstieg sei jedoch – so versichern viele Expert*innen – noch nicht zu Ende gedacht. Denn nach wie vor ist nicht geklärt, wie diese auch aus wirtschaftlicher Sicht kompensiert werden können. Eine der Lösungen sei "Grünes Gas", heißt es. Denn die entsprechende Infrastruktur ist ja schon da.

Außerdem fließe immer mehr umweltfreundlicher Wasserstoff in die heimischen Gasnetz: Die neue Richtlinie G B210 zur Gasbeschaffenheit, die im Sommer in Kraft getreten ist, ist die Eintrittskarte für mehr Grünes Gas in Österreichs Gasnetz. War bisher das Einspeisen von vier Prozent Wasserstoff im Gasnetz erlaubt, sind es ab sofort zehn Prozent. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für die Wasserstoffproduktion sowie ein elementarer Beitrag zur Erreichung der Klimaziele in Österreich. Es ist zudem der nächste Meilenstein für die Regelwerksetzung der Österreichischen Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW), die seit 140 Jahren technische Regeln für den Gasbereich in Österreich festlegt und damit ein Garant für eine sichere und zuverlässige Gasversorgung ist.

"Die Strategie ‚Greening the Gas‘ geht auf. Mit der neuen Richtlinie ist der Weg für mehr Wasserstoff im Gasnetz geebnet“, sagt Michael Haselauer, Präsident der ÖVGW sowie Geschäftsführer der Netz Oberösterreich GmbH. Er führt weiter aus: "Der Regelwerksänderung gingen intensive und umfangreiche Forschungsarbeiten voraus, und dieser Weg wird natürlich im Einklang mit den europäischen Normen im Verbundsystem beschritten.“ Dabei steht die Beimischung von Wasserstoff ins Gasnetz nicht in Konkurrenz zu reinen Wasserstoffanwendungen. Die Entwicklung einer eigenen Wasserstoffinfrastruktur setzt allerdings voraus, dass für die Kunden zukünftig Wasserstoff im erforderlichen Ausmaß und versorgungssicher zur Verfügung steht. Daher ist derzeit die Einspeisung, die Speicherung und der Transport von Wasserstoff in bestehenden Gasanlagen technisch sinnvoll und kostengünstig. "Dass die Beimischung funktioniert, haben wir mit unseren Forschungsprojekten gezeigt. Wir nehmen den Wasserstoff der Industrie dabei nicht weg, sondern stellen ihn all unseren Kunden in bestehenden Anlagen zur Verfügung“, so Haselauer. Michael Mock, Geschäftsführer der ÖVGW, ergänzt: "Wir arbeiten parallel an einem eigenständigen Regelwerk für reine Wasserstoffanwendungen. Die ÖVGW ist somit auch für Wasserstoff der technisch kompetente Ansprechpartner in Österreich.“

Noch mehr Grüne Gase möglich

Grünes Gas ist weder ein rares noch ein kostbares Gut und schon gar nicht der "Champagner der Energiewende“. Grüne Gase – und da vor allem der Wasserstoff – werden künftig in großen Mengen vorhanden und preiswert über das Gasnetz transportiert werden, Wasserstoff ist also vielmehr das "Leitungswasser der Energiewende“. "Grünes Gas wird zum Turbo der Energiewende werden“, ist Haselauer überzeugt. Es kann rasch in großen Mengen verfügbar sein. Denn Biomethan entsteht beim Vergären von organischen Reststoffen, und Wasserstoff wird zum Beispiel aus überschüssiger Energie gewonnen. "Je früher wir großflächig mit der Nutzung dieser Rohstoffe beginnen, desto schneller können wir von fossilem Gas auf Grünes Gas umsteigen“, sagt Mock.

Gasgeräte funktionieren wie gewohnt

Alle Gasgeräte, die in Haushalten verwendet werden – von der Gastherme über das Gasbrennwertgerät bis zum Gasherd –, sind zukunftsfit: Sie funktionieren also genauso zuverlässig mit beigemischtem Wasserstoff, Biomethan wie auch mit herkömmlichem Gas. Denn die Grünen Gase haben vergleichbare technische Eigenschaften wie Erdgas und stellen somit für die genormten Gasgeräte kein Problem dar. "Damit sind sie 'Green-Gas-ready' und fit für die erneuerbare Zukunft", versichert Haselauer.

Holzenergie deckt über 40 Prozent des heimischen Raumwärmebedarfs

Holz hat seinen Vorsprung gegenüber Heizöl und Erdgas als wichtigster Energieträger zur Beheizung von Wohnräumen in Österreich weiter vergrößert, ist der neuen Erhebung der Statistik Austria zum Energieeinsatz der Haushalte zu entnehmen. Ein Drittel (66 PJ) des heimischen Raumwärmeeinsatzes von insgesamt etwa 200 Petajoule (PJ) entfielen im Jahr 2019/20 auf Scheitholz-, Pellets- oder Hackgutheizungen. Zählt man aus Biomasse erzeugte Fernwärme dazu, kommt man annähernd auf 82 PJ und einen Anteil von 41 Prozent.

Hinter der Bioenergie folgen Erdgas (23 %) und Heizöl (16 %) als wichtigste Raumwärmeerzeuger. Fernwärme (16 %) hat in den letzten Jahren stark zugelegt und mittlerweile fast mit Heizöl gleichgezogen. "Der ‚Raus aus Öl und Gas‘-Bonus der Bundesregierung zeigt in Kombination mit den Kesseltauschprogrammen der Bundesländer Wirkung“, analysiert Franz Titschenbacher, Präsident des Österreichischen Biomasse-Verbands. "Die deutliche Budgetaufstockung und mehrjährige Vergabe der Förderungen sind ein wichtiges Zeichen für die Biomasse-Branche und die Energiewende im Wärmebereich.“

667.000 Haushalte in Österreich nutzen Holzeinzelfeuerungen (Kessel oder Öfen) als primäres Heizsystem. Als Brennstoffe setzen sie zu 76 % Brennholz, zu 12 % Hackschnitzel, zu 10 % Pellets und zu 2 % Holzbriketts ein. Dazu kommen 1,2 Millionen Fernwärmeanschlüsse in Österreich, die fast zur Hälfte mit biogener, meist aus Hackschnitzeln, Rinde und Sägenebenprodukten erzeugter Fernwärme beliefert werden. "Holz stellt klimafreundliche und krisensichere Energie aus der Region zu stabilen Preisen bereit“, ergänzt Titschenbacher. "Die thermische Verwertung von Schadholz und anderen minderwertigen Holzsortimenten kommt auch der heimischen Forstwirtschaft zugute. Die Marktanteile von Bioenergie für die Bereitstellung von Raumwärme und Warmwasser können laut Studie der TU Wien bis 2050 auf über 50 % gesteigert werden“, erklärt Titschenbacher.
(ck)

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