Die Tischlereibetriebe in Österreich zeigen sich zum Jahresende 2025 stabiler als viele andere Bereiche des Gewerbes und Handwerks. Das vierte Quartal brachte zwar einen Rückgang im Stimmungsbarometer, jedoch auch einen Anstieg des Auftragsbestands. Dennoch ist die Lage nicht unproblematisch.
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Die österreichischen Tischlereibetriebe konnten ihre Auslastung im Vergleich zum Vorjahr leicht verbessern. Doch von Euphorie ist keine Spur. Der Blick nach vorne ist vorsichtig, der Fachkräftemangel bleibt spürbar und die Debatten über Förderstruktur und bürokratische Belastungen wirken bis in die Werkstätten.
Diese Themen standen auch im Zentrum des Pressegesprächs der Bundessparte Gewerbe und Handwerk Ende Jänner in der WKÖ bei der aktuelle Zahlen der KMU Forschung Austria vorgelegt wurden. Neben einer nüchternen Analyse der aktuellen Konjunkturdaten wurde dabei deutlich: Die Tischlereibranche steht vor strukturellen Herausforderungen, die über das Quartalsergebnis hinausreichen.
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Solide Stimmung, aber mit Delle
Im vierten Quartal 2025 bewerteten 28 Prozent der Tischlereibetriebe ihre Geschäftslage als gut, 54 Prozent als saisonüblich und 18 Prozent als schlecht. Der Saldo aus positiven und negativen Rückmeldungen ergibt plus 10 Prozentpunkte – ein klarer Rückgang gegenüber dem Vorquartal, als noch 38 Prozent der Betriebe die Lage als gut eingeschätzt hatten. Im Vergleich zum Gewerbe- und Handwerksdurchschnitt steht die Branche dennoch überdurchschnittlich da. Die Mehrheit der Betriebe hält die Lage für stabil, auch wenn der Optimismus spürbar abgenommen hat.
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Positiver Auftragsbestand
Der durchschnittliche Auftragsbestand lag im vierten Quartal bei 9,9 Wochen und damit um 6,9 Prozent höher als im Vorjahresquartal. Das ist eine positive Entwicklung, die jedoch relativiert werden muss. Denn noch immer meldeten 23 Prozent der Betriebe lediglich einen Vorlauf von ein bis vier Wochen. 27 Prozent lagen zwischen fünf und neun Wochen, 35 Prozent konnten mit zehn bis neunzehn Wochen planen. Nur 11 Prozent verfügten über einen Auftragsbestand von zwanzig oder mehr Wochen.
85 Prozent der Aufträge kamen aus dem privaten oder gewerblichen Bereich. Öffentliche Bauprojekte über Generalunternehmer oder Bauträger machten neun Prozent des Auftragsvolumens aus. Nur sechs Prozent entfielen auf Direktvergaben durch Bund, Länder oder Gemeinden.
Vorsicht bleibt oberstes Prinzip
Für das erste Quartal 2026 erwarten 17 Prozent der Tischlereibetriebe eine Verbesserung der Auftragseingänge, 70 Prozent gehen von gleichbleibender Lage aus und 13 Prozent befürchten Rückgänge. Der resultierende Positivsaldo liegt bei plus vier Prozentpunkten – deutlich über dem Vorjahreswert von minus 24 Prozentpunkten und auch leicht über dem dritten Quartal 2025.
Vor allem im Bereich Althaussanierung und Reparatur herrscht moderate Zuversicht: Hier erwarten 23 Prozent steigende Auftragseingänge, nur 4 Prozent gehen von Rückgängen aus. Weniger optimistisch zeigen sich Betriebe im Objektmöbelbau oder Laden- und Messebau, wo rund ein Drittel der Befragten mit sinkender Nachfrage rechnet.
28 Prozent der Betriebe könnten laut Befragung sofort zusätzliche Aufträge übernehmen, weitere 52 Prozent innerhalb von drei Monaten. Das zeigt: Kapazitäten sind vorhanden, die Nachfrage reicht aber nicht aus, um sie voll auszuschöpfen. Besonders auffällig: Der Anteil der Betriebe, die in drei Monaten zusätzliche Projekte abwickeln könnten, ist gegenüber dem Vorjahr um 11 Prozentpunkte gesunken.
„Wir stehen an einer Wegscheide. Sollte sich die Bauleistung nicht bis Mitte des Jahres deutlich bessern, haben wir ein echtes Problem.“
Manfred Denk, MBA – Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der WKÖ
Leicht wachsender Personalbedarf
Für das erste Quartal 2026 planen 18 Prozent der Tischlereibetriebe eine Personalaufstockung, 73 Prozent wollen den Personalstand halten und 9 Prozent planen einen Abbau. Das ergibt eine durchschnittliche geplante Personalsteigerung von 1,2 Prozent – ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahreswert.
Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften bleibt damit bestehen, wie auch Manfred Denk, Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk, beim Pressegespräch betonte. Die Ausbildungsleistung der Betriebe sei hoch, werde aber durch demografische Entwicklungen, sinkende Bekanntheit der Lehre in migrantischen Communities sowie durch bürokratische Hürden zunehmend erschwert. Die Fördermittel für Lehrbetriebe seien bereits im vierten Quartal 2025 ausgeschöpft gewesen. Planbarkeit fehle.
Bürokratieabbau und neue Belastungen
Reinhard Kainz, Geschäftsführer der Bundessparte, verwies auf das 113 Punkte umfassende Maßnahmenpaket der Bundesregierung zum Bürokratieabbau. Erste Verbesserungen wie die Anhebung der Buchhaltungsgrenze oder Erleichterungen bei PV-Genehmigungen seien ein Schritt in die richtige Richtung. Aber: Bürokratieabbau müsse laufend erfolgen, nicht punktuell.
Als Beispiel für neue Belastungen nannten Denk und Kainz die Hitzeschutzverordnung. Diese bringe zusätzliche Dokumentationspflichten ohne praktische Relevanz. Bereits ab 30 Grad Celsius müssten Maßnahmen lückenlos dokumentiert werden. Die Betriebe fühlten sich dadurch gerade in den produktivsten Zeiten administrativ überfordert.
Bürokratiemonster auf dem Weg
Auch zur EU-Lohntransparenzrichtlinie gab es Kritik. Die geplanten Vorgaben würden laut Kainz zu einem enormen Mehraufwand führen. Über 600 Lohn- und Verwendungsgruppen müssten neu bewertet werden. Die Richtlinie ignoriere die Realität in kleinen und mittleren Betrieben und sei ein Eingriff in deren Gestaltungsfreiheit. Die Forderung: kein Goldplating, sondern ein maßvoller, praxistauglicher nationaler Vollzug.
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