Bauwerkbegrünung

Vier Beispiele gelungener Grün-Fassaden

Fassadenbegrünung
29.06.2021

Von: Redaktion Handwerk + Bau

Die Fassadenbegrünung ist die architektonische Antwort auf die Folgen des Klimawandels: Eine altbewährte Methode zur Kühlung, die eine Renaissance erlebt und gut mit neuen Ideen und modernen Techniken kombiniert werden kann, wie vier Projekt-Beispiele von Rataplan zeigen.

Seit 2014 plant das Architekturbüro Rataplan Vertikalbegrünungen und konnte so schon viele individuelle Grünprojekte umsetzen. Jedes Gebäude ist durch sein ortsspezifisches Mikroklima und durch die architektonischen und städtebaulichen Gegebenheiten einzigartig. Ebenso die Begrünung, wo die Art der Bepflanzung und die Wahl der Konstruktion an die jeweiligen Architekturen und Ortsverhältnisse angepasst werden.

Mittlerweile zählen Vertikalbegrünungen zu den zentralen Punkten im Kampf gegen den Klimawandel – besonders im dicht bebauten städtischen Raum. Gerade hier gilt es für das Wohlbefinden von Mensch und Tier die zur Verfügung stehenden Oberflächen, wie Dächer und Fassaden, zu nutzen und zu aktivieren.

Grünpflanzen als "Klimaanlage"

In den städtischen Gebieten macht vor allem die Hitze Probleme. Eine Fassade, die bei über 30 Grad den ganzen Tag der Sonne ausgesetzt ist, heizt sich enorm auf und gibt diese Hitze, auch noch Tage später, ab. Die Fassadenbegrünung kann da, sozusagen als biologische "Klimaanlage", Abhilfe schaffen. Die Pflanzen binden Wasser und schützen das Gebäude vor dem Aufheizen. Die Außentemperatur bleibt durch die Beschattung und die Verdunstung des Blätterwerks kühler, außerdem unterbindet das Pflanzenkleid die Hitzestrahlung der Oberfläche. Keine neue Idee, wie man an einigen historischen Häusern sehen kann, aber eine äußert effektive und energiesparende Alternative zu elektrischen Kühlsystemen, ganz im Sinne des neuen Verständnisses bezüglich der Klimakrise. Das Interesse daran wächst, das zeigt auch der erste Green Market Report Austria.

Die Errichtung einer Fassadenbegrünung schließt verschiedene Gewerke ein. Es erfordert daher interdisziplinäres und kooperatives Planen, um von der Idee bis hin zur Nutzung alle Aspekte berücksichtigen zu können und damit die ökologischen, ökonomischen und sozialen Ziele zu erreichen. Vier Projekt-Beispiele von Rataplan zeigen die Vielfalt an Möglichkeiten. (ar)

Amtshaus MA 31 Wiener Wasser

Die MA31 nutzte Sanierungsarbeiten am Bürohaus im sechsten Bezirk Wiens zur Implementierung einer Fassadenbegrünung.

Die MA31 nutzte bei der Gelegenheit der anstehenden Sanierungsarbeiten des Bürohauses in der Grabnergasse 4, im sechsten Wiener Gemeindebezirk, die Implementierung einer Fassadenbegrünung. Die vertikale Struktur des 60er-Jahre-Baus und der Rhythmus des Fassadenreliefs aus Lisenen, Parapeten und Fensterebenen bleiben durch vorgesetzte Stahlstützen und Rankgerüste erhalten.

Details:

Planungsbeginn: 10/2014; Fertigstellung: 04/2016; begrünte Fassadenflächen: ca. 1000 m²; Adresse: 1060 Wien, Grabnergasse 4

Umspannwerk Wiener Netze

Ein grünes "Netzwerk" für einen Teil der Fassade des Umspannwerks der Wiener Netze in der Wiener Innenstadt.

Bei der der Teilbegrünung der Fassade des Umspannwerks der Wiener Netze in der Wiener Innenstadt arbeitet das Architekturkonzept mit einem „Netzwerk“, das als Metapher auf die Wiener Netze hinweist. Die gemeinsam mit Künstler*innen entwickelte Gestaltung sieht eine partielle Begrünung der West-Ecke vor. Das Fassadeneck erhält ein Rankgerüst, ähnlich eines Netzes, das zwei unterschiedlich eng angeordnete Rankhilfen zu einem Gewebe verbindet. Die hohen Tröge aus Metall unterstreichen den über 20 Meter hohen Bewuchs und bieten den unterschiedlichen Blauregenarten genügend Wurzelraum für eine langfristige Begrünung.

Details:

Planungsbeginn: 03/2019; Fertigstellung: 09/2019; begrünte Fassadenfläche: ca. 300 m² intensiv; Adresse: 1010 Wien, Cobdengasse / Liebenberggasse / Stubenbastei

Pumpwerk Wiener Wasser

Beim Pumpwerk von Wiener Wasser im 10. Bezirk Wiens "wächst" eine Stahlkonstruktion in Form von fünf Bäumen an der sich die Begrünung hochranken kann

Außergewöhnliche kreative Lösungen braucht es vor allem da, wo keine Bäume wachsen, wo glatte Fassaden und Asphalt das Stadtbild prägen. Beim Hebewerk des Wiener Wassers in der Gudrunstraße 33, im zehnten Bezirk von Wien, wurde ein dem Gebäude zugehöriger, schmaler Grünstreifen aktiviert. Eine Stahlstruktur in Form von fünf ausladenden Bäumen wächst aus dem Grünstreifen, die äußeren Äste kreuzen und berühren sich untereinander. Bodengebundene Pflanzen, Trompetenblumen und Blauregen folgen den Stämmen aus verzinktem Stahl und entwickeln sich mit den Jahren zu kräftigen Holzstämmen im unteren Bereich, um dann in voller Blüte die Äste des Rankgerüstes zu umschlingen. So wird die großflächige Glasfassade im oberen Geschoß vor Überhitzung geschützt und die Reflexion zum Straßenraum hin verringert. Die verputzten Flächen daneben werden ganzflächig mit Veitschi bewachsen, der sich als Selbstklimmer eigenständig an der Fassade festhält.

Details:

Planungsbeginn: 11/2019; Fertigstellung: 07/2020; begrünte Fassadenfläche: 350 m² intensiv / 176 m² extensiv; Adresse: 1100 Wien, Gudrunstaße 33

Außenstelle West Wien Kanal

Aus elf Trögen beim Betriebsgebäude von Wien Kanal im 19. Bezirk Wiens wachsen Kletterpflanzen.

Für Betriebsgebäude ist die Vertikalbegrünung auch eine Möglichkeit einen Beitrag für das urbane Umfeld zu leisten. Graue, ungenutzte Orte werden durch die Begrünung aktiviert, dienen der Wasserspeicherung und -verdunstung für das Mikroklima, filtern Schadstoffe und Staub aus der Luft und schaffen neue Aufenthaltsqualität. Im 19. Bezirk Wiens, in der Boschstraße 40, zwischen grauem Gehsteig und grauer Fassade, wachsen nun aus elf Trögen schattenspendende Kletterpflanzen an den Rankhilfen empor und essbare Pflanzen, wie Mini-Kiwis oder Weintrauben, verführen manch einen und so manch fliegendes Geschöpf aus dem angrenzenden Wohngebiet und von weiter weg zum Naschen zu verweilen.

Details:

Planungsbeginn: 11/2019; Fertigstellung: 08/2020; begrünte Fassadenfläche: ca, 400 m² intensiv; Adresse: 1190 Wien, Boschstraße 40

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